Sport : Es fehlt an Mentalität

Michael Rosentritt sieht Hertha BSC in einer unterschätzten Gefahr

Michael Rosentritt

Hertha BSC spielt seit 1997 in der Fußball-Bundesliga. Und das ununterbrochen, was angesichts der Klubgeschichte hoch zu schätzen ist. Jetzt aber steckt Hertha in einer sehr komplizierten Situation. Niemand im Verein zieht die Möglichkeit in Betracht, die Klasse vielleicht nicht halten zu können. Möglicherweise ist das ein Fehler.

Es gab schon Spielzeiten, da las sich die zwischenzeitliche Tabellensituation schlechter. Etwa im ersten Jahr nach dem Aufstieg, oder in der Saison 2003/04, als die Mannschaft unter dem als Retter engagierten Hans Meyer erst am vorletzten Spieltag dem Abstieg sicher entkam. Diese Spielzeiten unterscheiden sich aber von der laufenden. Sowohl als Aufsteiger als auch vor vier Jahren spielte Hertha von Beginn an gegen den Abstieg, konnte sich darauf einstellen und mit dieser Aufgabe wachsen.

Gegenwärtig steckt Hertha auch nach zuletzt drei Niederlagen nicht akut in Abstiegsgefahr. Aber genau das ist es ja.

Früher hatte Hertha Spieler in den eigenen Reihen, die sich nicht immer gekonnt, dafür aber mit aller Macht gegen drohende Niederlagen stemmten. So wurden Rückstände weggesteckt und nicht selten Spiele gedreht. Diese Mentalität ist Hertha abhanden gekommen. Vielleicht hat die aktuelle Mannschaft unter Trainer Lucien Favre diese Mentalität zu keinem Zeitpunkt besessen. Das bislang letzte Mal, dass Hertha einen Rückstand in einen eigenen Sieg umzuwandeln wusste, ist sieben Monate her. Sollte Hertha in den Abstiegssog geraten, ist alles möglich. Nur vermutlich nicht die Möglichkeit, dem Abstieg wie selbstverständlich zu entrinnen. Für einen Abstiegskampf sind diese Mannschaft und ihr Trainer mental nicht gemacht.

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