Sport : Es geht auch wieder auswärts

Nach 294 Tagen schafft Dortmund bei Eintracht Frankfurt mit 1:0 einen Sieg auf fremden Platz

Hartmut Scherzer

Frankfurt (Main). Dortmunds Trainer Matthias Sammer riss nach dem ersten Auswärtssieg in der Bundesliga im Jahr 2003 beide Arme hoch. Frankfurts Coach Willi Reimann trottete gesenkten Hauptes davon. Eigentlich keine überraschenden Aktionen der beiden Fußballlehrer. Sozusagen Minimalmimik. Aber sie illustrierte das zuvor Geschehene wunderbar. Wenig war am Ende eines verregneten, langweiligen Nachmittags im Frankfurter Waldstadion viel. Ein einziger guter Spielzug hatte Borussia Dortmund zum schmeichelhaften 1:0-Sieg über die bessere Eintracht aus Frankfurt genügt. Guiseppe Reina schloss mit einem Flachschuss die Kombination ab, die Sebastian Kehl und Ewerthon eingeleitet hatten. Das geschah in der zehnten Minute. Mit viel Glück, Geschick und Langeweile brachten die Westfalen den knappen Vorsprung über die Zeit.

„Wenn man auswärts 1:0 gewinnt und die Chancen bei der Eintracht waren, dann ist das immer auch ein bisschen glücklich“, sagte Dortmunds Trainer Sammer. „Aber das ist mir, Stand heute, egal.“ Der Stand ist: Borussia Dortmund, vor zwei Wochen nach dem 0:1 in Stuttgart noch mit einer Sitzblockade seiner Fans abgestraft, steht wieder auf Platz fünf. Der BVB hat seit dem 4:0-Erfolg in Cottbus am 14. Dezember 2002 wieder einmal auwärts gewonnen. Und das mit einer engagiert spielenden Notgemeinschaft, die einen weiteren Verletzten zu beklagen hat. Verteidiger Ahmed Madouni schied mit Verdacht auf Syndesmoseriss aus.

Der überragende Abwehrchef Christian Wörns hatte genauso Anteil an dem Sieg wie das clever agierende Mittelfeld mit Dede, Sebastian Kehl und Stefan Reuter. „Diese vier sind zur Zeit unsere Leithammel", sagte Sammer. Das Glück der Dortmunder war „die fehlende Kaltschnäuzigkeit beim Torabschluss“ der Eintracht, wie Reimann klagte. Nico Frommer hatte schon in der 11. Minute, allein vor Roman Weidenfeller, den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte aber überhastet an dem BVB-Torwart. Einen Kopfball des zur zweiten Halbzeit eingewechselten Rückkehrers Jermaine Jones, wegen seiner Disco-Touren zuletzt zu den Amateuren strafversetzt, schlug Weidenfeller aus dem Torwinkel (51.). Auch ein bemühter Andreas Möller scheiterte an dem Dortmunder Torhüter (61.). In der vorletzten Minute schien Weidenfeller endlich überwunden. Doch Ewerthon wehrte auf der Torlinie einen Kopfball des besten Frankfurters Chris ab.

Davor hatten die Frankfurter heftig Elfmeter reklamiert. Cha war das erste Mal Wörns entwischt, von drei Dortmundern verfolgt worden und im Strafraum zu Fall gekommen. Doch Schiedsrichter Steinborn pfiff nicht. „Eine zweifelhafte Entscheidung“, meinte Reimann, denn der Koreaner habe ihm versichert, er sei von einem Spieler klar getroffen worden.

Die Frankfurter, nun auch im vierten Heimspiel weiterhin ohne Sieg, waren weitaus engagierter als zuletzt beim 1:3 gegen den 1.FC Kaiserslautern aufgetreten und hatten nach der Pause auch recht ordentlich gespielt. „Die Mannschaft hat alles probiert“, nahm der Trainer seine Spieler diesmal in Schutz. Vielleicht machte Reimann das auch, weil seine Maßnahmen nicht ganz glücklich waren. Madza war aus disziplinarischen Gründen gar nicht im Aufgebot. Dafür rückte Chris ins Abwehrzentrum. Reimann beraubte sich damit seines kreativen und energischen Strategen im Mittelfeld, eine Rolle, für die der Rückkehrer Andreas Möller einfach noch nicht in Form ist. Reimann war zwar mit dessen Leistung zufrieden. „Aber das war für uns zu wenig. Wenn wir unser Ziel Klassenerhalt erreichen wollen, müssen wir auch mal gewinnen.“ Seit gestern steht der Aufsteiger auf einem Abstiegsplatz.

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