Sport : Es geht noch besser

Eintracht Frankfurt ermauert sich zum Einstand des neuen Trainers Christoph Daum ein 1:1 beim VfL Wolfsburg

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Nichts für sensible Gemüter. Im Abstiegskampf kann man schon mal seine gute Erziehung vergessen. Hier muss sich Arne Friedrich der beiden Frankfurter Marco Russ (l.) und Maik Franz erwehren. Der Wolfsburger flog nach diesem Wortgefecht mit Gelb-Rot vom Platz. Foto: dapd
Nichts für sensible Gemüter. Im Abstiegskampf kann man schon mal seine gute Erziehung vergessen. Hier muss sich Arne Friedrich der...Foto: dapd

Am Ende war es immerhin ein bewegendes Comeback an alter und neuer Wirkungsstätte. Fünf Minuten vor Schluss durfte Felix Magath doch noch jubeln, weil der eingewechselte Mario Mandzukic zum kaum mehr erwarteten 1:1 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt traf. Es war ein hoch verdienter Punkt für den Deutschen Meister von 2009, der sich nach 28 Bundesligaspieltagen zwar auf den drittletzten Tabellenplatz verbesserte, aber das entspricht kaum den Erwartungen. Am kommenden Samstag im Spiel bei Magaths früherem Klub Schalke 04 fehlt nun auch noch Nationalspieler Arne Friedrich, der nach zwei Verwarnungen vom Platz gestellt wurde. Dieser Platzverweis war heftig umstritten, dafür hatte Wolfsburgs Spielmacher Diego Glück, dass Schiedsrichter Torsten Kinhöfer seine Tätlichkeit gegen Patrick Ochs übersah. „Wenn dieser Tritt von Diego Absicht war, dann war das nicht in Ordnung“, sagte Magath. Kurz darauf gab der Brasilianer die Vorlage zu Mandzukics Ausgleich.

Sein Kollege Christoph Daum war mit dem Erreichten zufrieden, trotz des lange währenden Traums vom Einstandssieg nach Alexander Meiers zwischenzeitlichem Führungstor. Mehr hatte seine Mannschaft kaum verdient, denn ihr Spiel war fast ausschließlich auf Zerstörung angelegt. „Keine Frage, damit sind wir gut bedient. Drei Punkte wären nicht leistungsgerecht gewesen“, sagte Daum. „Wir haben in den letzten Tagen hart gearbeitet, aber es gibt da noch ein bisschen was zu verbessern.“

Für Fußball im eigentlichen Sinne war an diesem Tag nur der VfL Wolfsburg zuständig. Doch diese Heimpremiere von Felix Magath fügte sich bestens in das, was sich in den vorangegangenen Wochen abgespielt hatte. Der VfL drängte, er erspielte sich manche schöne Torchance. Diego war an fast jeder guten Offensivaktion beteiligt, und davon gab es reichlich. Aber wenn es drauf ankam, in der magischen Zone kurz vor dem gegnerischen Tor, fehlte der letzte Kick. Und das lag vor allem an den beiden, die da vorne zuständig sind für das Toreschießen, an Grafite und Patrick Helmes.

Magath verfolgte die Mühen seiner neuen, alten Mannschaft scheinbar teilnahmslos von der Trainerbank aus. Was wird er sich etwa gedacht haben zu Patrick Helmes? Der war vor ein paar Jahren das aufregendste deutsche Stürmer-Versprechen? Bayer Leverkusen aber hat ihn im Winter nicht zufällig für relativ kleines Geld ziehen lassen. Helmes wirkte beweglich wie ein Öltanker im nahen Mittellandkanal, nicht zu gebrauchen für das Kombinationsspiel und dazu auch noch glücklos im Kerngeschäft. Vier Großchancen vergab Helmes. Aber er strahlte immerhin noch Torgefahr aus.

Sein Nebenmann Grafite tapste dagegen unbeholfen und ohne jedes Selbstbewusstsein über den Rasen. Vor zwei Jahren noch hatte der Brasilianer den VfL zur Meisterschaft geschossen, aber von dieser Form war Grafite gestern weit entfernt, was aber auch daran gelegen haben mag, dass er mit einer Oberschenkelverhärtung spielte. Zur Halbzeit hatte Magath ein Einsehen, nahm ihn aus dem Spiel und brachte den späteren Torschützen Mandzukic.

Die Eintracht mochte zum eigentlichen Spielgeschehen nicht viel beitragen. Theofanis Gekas, in der Hinrunde mit seinen Toren der Garant für einen zwischenzeitlichen Aufschwung, hätte mangels offensiver Bemühungen seiner Kollegen die Zeit gut für ein Schwätzchen mit Arne Friedrich nutzen können. Vor ziemlich genau einen Jahr hatten die beiden mit Hertha BSC 5:1 in Wolfsburg gewonnen, mit Gekas als dreifachem Torschützen. Am Sonntag berührte er kaum einmal den Ball und schoss kein einiges Mal aufs Tor, Friedrich kam immerhin auf zwei Versuche.

Frankfurts einzige Chance vor dem überraschenden Führungstor verschluderten Sebastian Jung und Halil Altintop. Jung lief allein aufs Tor, wagte aber keinen Schuss und flankte lieber hoch in die Mitte, wo der überraschte Altintop das Springen vergaß. Beim zweiten Mal gab die Eintracht sich nicht so nachlässig. Das geschah nach gut einer Stunde, als erst Altintop an Diego Benaglio scheiterte und Meier im Nachsetzen zum 1:0 traf. Bei Altintops Schuss hatte er noch im Abseits gestanden, aber Schiedsrichter Torsten Kinhöfer hatte es entweder nicht gesehen oder in einem vergeblichen Abwehrversuch von Simon Kjaer den Beginn einer neuen Aktion gesehen. „Klares Abseits“, monierte Felix Magath.

Dieses Tor entsprach nun so überhaupt nicht dem Spielverlauf, aber mit diesem künstlerischen Makel konnten die Frankfurter gut leben. Sie ließen die Wolfsburger sich weiter austoben, und dann musste auch noch der gute Friedrich nach einem Scharmützel mit Maik Franz vom Platz. „Ein absoluter Witz, ich habe überhaupt nichts gemacht“, sagte der Nationalspieler, „ich habe den Schiedsrichter gefragt, aber konnte mir auch nicht sagen, was da angeblich war.“ Fast alles sprach schon für eine Wolfsburger Niederlage. Aber dann drosch Diego den Ball aus dem Niemandsland nach vorn, Mandzukic kam mit dem Kopf dran, und Felix Magath durfte sich doch noch ein bisschen freuen.

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