Sport : Es geht nur mit Kampf

Albas Basketballer siegen 75:74 gegen Bayreuth und treffen nun in den Play-offs auf Bayern München.

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Hinter sich gelassen. Alba und Idbihi gehen mit neuem Mut in die Play-offs. Foto: Camera4
Hinter sich gelassen. Alba und Idbihi gehen mit neuem Mut in die Play-offs. Foto: Camera4Foto: camera4

Berlin - 118 Sekunden vor dem Ende begann der Hallensprecher von Alba Berlin Werbung für das erste Play-off-Heimspiel zu machen. Den Gegner wollte er trotz einer Berliner Führung von sieben Punkten nicht nennen, er kennt sein Team offenbar bestens. Im Heimspiel zuvor hatte Alba eine noch höhere Führung in den Schlussminuten vergeigt. Und auch diesmal musste Alba nach drei Dreiern vom BBC Bayreuth bis zur allerletzten Sekunde zittern, ehe das 75:74 (35:42) im abschließenden Hauptrundenspiel feststand. Erst dann traute sich die Regie, das Logo des kommenden Gegners FC Bayern München auf dem Videowürfel einzublenden.

Alba Berlin schließt die Hauptrunde als Tabellenfünfter ab und startet am Samstag (17 Uhr) beim Vierten Bayern in die Play-offs. Ludwigsburg steigt ab, Bonn als Siebter und Hagen als Achter komplettieren die Play-offs. „Ich gebe zu, wir hätten mehr Siege in der Hauptrunde erreichen sollen“, sagte Albas Trainer Sasa Obradovic, „aber ich kann für die Play-offs eines versprechen: Wir werden kämpfen.“ Gegen Bayreuth erhielten die Berliner Zuschauer schon einen Vorgeschmack auf Play-offs dieser Art. Erst mit einer intensiven kämpferischen Energieleistung in der zweiten Halbzeit konnte Alba die Gäste niederringen. „Wenn wir so wie in der zweiten Hälfte auch in München spielen, haben wir gute Chancen zu gewinnen“, sagte Heiko Schaffartzik, der mit 15 Punkten bester Berliner Werfer war, „aber das Spiel wird hässlich werden.“

Die Berliner begannen überraschend mit Nachwuchsspieler Sebastian Fülle. Er ersetzte Aufbauspieler Dashaun Wood, der wegen Achillesproblemen aussetzte, aber gegen München spielen kann. Derrick Byars fehlte wegen Rückenproblemen. Nicht so unerwartet startete auch der Spanier Albert Miralles (3 Rebounds, 4 Punkte) auf der Centerposition. Am Vortag war bekannt geworden war, dass sich Ali Traoré eine Knorpelverletzung im Knie zugezogen hatte und bis Saisonende ausfällt. Nun lastet die Verantwortung unter den Körben neben Yassin Idbihi auch auf dem zuvor schon fast ausgemusterten Albert Miralles.

Die Berliner waren nach zwei Niederlagen in Folge verunsichert. Deutlich zu sehen war das im ersten Viertel auch an Deon Thompson (12 Punkte, 5 Rebounds), der sich einen Anfängerfehler leistete. Albas Power Forward eroberte den Ball und stürmte nach vorne. Dann aber reichte er den Ball weiter – ausgerechnet an Idbihi. Der Center darf vieles machen – nur nicht nach vorne dribbeln. Prompt verlor er den Ball.

Im zweiten Viertel konnte sich Bayreuth durch fünf Dreipunktewürfe mit bis zu 13 Punkten absetzen, Je’Kel Foster verhinderte mit fünf seiner insgesamt zehn Punkte, dass die Berliner zur Pause noch weiter zurücklagen als mit 35:42. Erst im dritten Viertel nahmen die Berliner den Kampf an und verteidigten die Dreipunktewürfe der Bayreuther besser. Trainer Obradovic hatte auf Zonenverteidigung umgestellt und ließ Kapitän Sven Schultze (9 Punkte, 4 Rebounds) länger als sonst auf dem Spielfeld. Er brachte die Wende, plötzlich kämpften die Berliner um jeden Ball. Ohne Kampf scheint bei Alba in dieser Saison nichts zu funktionieren.

Es war nur folgerichtig, dass Sven Schultze in der 33. Minute den Ausgleich (54:54) per Korbleger erzielen konnte. Und als der Oldie auch noch einen Wurf blockte, hatten ihn die Fans endgültig lieb. Bei seiner Auswechslung gab es Sonderapplaus. Beide Teams lieferten sich bis zur letzten Sekunde einen Schlagabtausch. Thompson und Nihad Djedovic verwandelten in den letzten Sekunden die entscheidenden Freiwürfe. Sven Schultze aber wollte sich damit gar nicht mehr befassen. „Alles schnell vergessen“, sagte er, „jetzt geht alles von vorne los, jetzt sind Play-offs – yeah-ha.“ Benedikt Voigt

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