Sport : Es geht um Millionen

Das Dilemma des Basketball-Verbandes im Fall Nowitzki

Benedikt Voigt

Noch kennt Robert Mayer niemanden, der seine Karte zurückgeben will. „Aber es kann schon sein, dass der eine oder andere deshalb bei der Tickethotline angerufen hat“, sagt der Geschäftsführer von Alba Berlin. Mayer ist verantwortlich für den Ticketverkauf für das Basketball-Länderspiel am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle. Mit dem NBA-Spieler Dirk Nowitzki wollte die deutsche Mannschaft zum letzten EM-Testspiel gegen Italien antreten. Nun aber könnte es wegen Nowitzkis Bänderdehnung im linken Sprunggelenk passieren, dass das deutsche Team ohne seinen Star spielen wird. „Das ist kein Grund, die Karten zurückzugeben, Basketball ist eine Mannschaftssportart“, erklärt Mayer, „das gibt es vielleicht bei Pop-Konzerten, wenn die Hauptperson erkrankt ist.“

Die Hauptperson jedoch ist angeschlagen, weshalb der Deutsche Basketball-Bund (DBB) in einem Dilemma steckt. Lässt der Verband Dirk Nowitzki in den abschließenden EM-Testspielen nicht spielen, enttäuscht er einen Großteil der Zuschauer, die bereits Karten für die Spiele am Freitag in Köln und am Sonntag in Berlin gekauft haben. „Ich habe ja selber Familie und Freunde, die wegen Nowitzki am Freitag in die Kölnarena kommen“, sagt Wolfgang Brenscheidt, der Sportdirektor des DBB. Andererseits gibt es die Versicherung über 190 000 Dollar, die der Verband abschließen musste, um Nowitzkis Freigabe zu erhalten. Auch sorgt sich der NBA-Klub Dallas Mavericks um seinen Spieler. „Die erwarten von uns einen professionellen Umgang mit der Sache“, sagt Brenscheidt. Versicherer und Mavericks haben ein Interesse daran, dass Nowitzki nur spielt, wenn er hundertprozentig fit ist. Brenscheidt sagt: „Wir stecken in der Tat in einem Interessenkonflikt.“

Mit der Londoner Rückversicherung nahm der Verband nach Nowitzkis Bänderdehnung am Sonntag nur kurz Kontakt auf. „Da gibt es keinen Handlungsbedarf“, sagt Brenscheidt, „wir müssen nichts vorlegen.“ Nowitzki besitzt in Dallas einen Sechsjahresvertrag über 90 Millionen Dollar. Verletzt er sich im Dienste der deutschen Nationalmannschaft und fällt für die Mavericks einige Zeit aus, muss der Rückversicherer sein Gehalt übernehmen. „Da geht es um Millionen“, erklärt Brenscheidt.

Ähnlich bedeutsam ist den Dallas Mavericks der Gesundheitszustand des 25-Jährigen. „Wir haben die Aufnahmen seines linken Knöchels nach Dallas geschickt“, sagt Brenscheidt. Zum einen, weil dort der genaue Verletzungsverlauf dokumentiert wird. „Es geht auch darum, dass der Arzt der Mavericks sagen kann, okay, mit der Diagnose aus Deutschland gehe ich konform“, sagt Brenscheidt. Mavericks-Besitzer Mark Cuban nahm die Verletzung zum Anlass, um erneut generell die Abstellung und schlechte Versicherung von NBA-Spielern bei internationalen Spielen zu kritisieren. Trotzdem sagt Brenscheidt: „Im Moment ist in Dallas alles ruhig.“

Es wird sich wohl jeweils erst am Spieltag klären, ob Nowitzki spielen wird. Letztendlich werden das Dirk Nowitzki selber und der Mannschaftsarzt Jürgen Klein entscheiden. „Wobei man den Dirk bremsen muss“, sagt der DBB-Sportdirektor, „er will ja eigentlich immer spielen.“ Für die 8300 Zuschauer, die bereits eine Karte für die Max-Schmeling-Halle kauften, sieht es etwas besser aus als für Fans in Köln. „Der Standort Berlin kann mit einer höheren Wahrscheinlichkeit rechnen“, sagt Brenscheidt. „Jede 24 Stunden sind hilfreich“.

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