Sport : Es geschah in Berlin

Im Olympiastadion wurde die höchste und die niedrigste Zuschauerzahl registriert

André Görke

Am 24. August 1963 ist die Fußball-Bundesliga in ihre erste Saison gestartet. 40 Jahre sind seitdem vergangen, und in dieser Zeit hat die Liga viele schöne Geschichten geschrieben. In loser Folge erinnern wir an Rekorde und Glanzleistungen aus 40 Jahren Bundesliga-Geschichte, heute an die höchste und niedrigste Zuschauerzahl.

Freitagmorgen, 9.50 Uhr, im September 1969: Die Mannschaft des 1. FC Köln landet auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof, die Spieler sind müde und gestresst. Zur selben Zeit sitzen die Spieler von Hertha BSC am Wannsee beim Frühstück. Bis zum Anpfiff sind es nur noch wenige Stunden. Bis zum Anpfiff eines sporthistorischen Spiels. Nie wieder werden so viele Zuschauer ein Fußballspiel in der Bundesliga sehen wie dieses zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln am 26. September 1969.

Schon eine Stunde vor dem Anpfiff sind 50 000 im Stadion. Draußen an den Kassen drängen sich noch immer Tausende. Je näher der Anpfiff rückt, desto chaotischer wird es. Als plötzlich die ersten Hertha-Fans über die Zäune klettern, „bricht die Organisation völlig zusammen“, sagte Herthas Schatzmeister Jürgen Mühle. „Das Stadion war ausverkauft, wir mussten Zuschauern Geld zurückzahlen.“ Ordner und Absperrgitter werden weggeschoben, Zäune sind kein Hindernis, etwa 5000 Fans sollen auf diese Weise ins Stadion gelangt sein. 88 075 werden schließlich als offizielle Zuschauerzahl angegeben.

Anpfiff. Es spielt der Tabellenachte gegen den Fünften. Hertha legt los, greift an, die Kölner haben kaum Chancen. Torhüter Manfred Manglitz vereitelt jedoch mit glänzenden Paraden alle Hertha-Chancen. „Doch die Kölner schienen nervös zu werden“, schrieb der Tagesspiegel damals, „denn die 90 000 feuerten leidenschaftlich ihre Herthaner an.“ Sie spürten, dass die Kölner „weiche Knie“ bekommen. Dann ist es so weit: Gewühl im Kölner Strafraum, der Ball fliegt hoch, Wolfgang Gayer drischt den Ball ins Tor. 1:0, für Hertha! Der Jubel ist groß. „Ha-ho-he – Hertha BSC“ rufen die Fans. Der Kölner Nationalspieler Wolfgang Overath sagt später: „Wenn sich die Kölner nur so für uns begeistern könnten.“ Es bleibt beim 1:0, die Berliner sind bis zum nächsten Tag Tabellenzweiter.

Ein anderer Rekord liegt zu jenem Zeitpunkt drei Jahre zurück. Es war ein Samstagnachmittag im Januar 1966, wieder in Berlin, wieder im Olympiastadion. Doch diesmal sind es nicht 88 075 Fans – sondern gerade mal 827. Das Bundesligaspiel zwischen dem Neuköllner Klub Tasmania 1900 und Borussia Mönchengladbach geht als das Spiel mit der geringsten Zuschauerzahl in die Bundesliga-Geschichte ein.

„Es lag tiefer Schnee“, berichtete der Tagesspiegel. Die Gladbacher liefen in langen Trainingshosen aufs Feld. Tasmania lag zur Winterpause abgeschlagen auf dem letzten Platz, doch gegen die Gladbacher schaffte Tasmania die Sensation. 0:0 stand es am Ende. „Das Kurzpassspiel der Gladbacher blieb im knöcheltiefen Schnee stecken“, hieß es im Tagesspiegel. „Netzer gab eine klägliche Figur ab.“

Beim Abstieg hatte Tasmania 108 Tore kassiert und nur acht Punkte geholt – auch das war Rekord.

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