Sport : „Es gibt kein Fairplay mehr“

Potsdams Trainer kritisiert den Wechsel der Fußballnationalspielerin Petra Wimbersky nach Frankfurt

Helen Ruwald

Berlin - Wenn Bernd Schröder an die verlorenen Uefa-Cup-Endspiele gegen den 1. FFC Frankfurt im Mai denkt, kommt ihm Stürmerin Petra Wimbersky in den Sinn: „Sie hat nicht unbedingt für uns gespielt“, sagt er höhnisch lachend, ehe er hinzufügt: „Vielleicht hatte sie ja zwei schlechte Tage.“ Europameisterin Wimbersky trat damals noch für Turbine Potsdam gegen den großen Konkurrenten Frankfurt an, Pokalsieger und Meister Potsdam verlor 0:4 und 2:3. Kurz danach gab Wimbersky ihren Wechsel nach Frankfurt bekannt. „Das ist unterste Schublade“, sagt sie zu Schröders Aussagen, „das zeigt sein wahres Gesicht.“

Der sehr erfolgreiche, aber häufig ruppige Trainer war der Grund, dass sie und auch Karolin Thomas, die derzeit mit einem Kreuzbandriss ausfällt, von Potsdam nach Frankfurt zogen. Im Umgang mit Schröder müsse man „ein dickes Fell haben. Er ist oft negativ in der Ansprache. Man muss wissen, wie er es meint“, sagt Bundesligatorschützenkönigin Conny Pohlers (36 Tore) über ihren Trainer. Er selbst beschreibt seinen Stil so: „Wir sind keine Schleimscheißer. Ich sage auch mal was, wenn es nottut für die Persönlichkeitsentwicklung.“

Der erste Wechsel einer Topspielerin vom einen zum anderen Spitzenklub ist dem Verhältnis zwischen den Machern beider Teams – Schröder hier, Manager Siegfried Dietrich dort – alles andere als zuträglich. Und er schwächt Turbine weiter. Die verletzte Stürmerin Anja Mittag kehrt erst Anfang November von ihrem Gastspiel in Schweden nach Potsdam zurück, die Brasilianerin Cristiane stürmt nun für Wolfsburg und der finnische Neuzugang Essi Sainio hat sich verletzt. Die übrigen Neuen sind Nachwuchsspielerinnen. „Wir sind schwächer als letztes Jahr. Durch die Abgänge sieht es kritisch aus. Aber wir wollen mindestens einen Pokal“, sagt Conny Pohlers, die einzige Konstante im Turbine-Sturm. Neben ihr wird die 18 Jahre alte Isabel Kerschowski stürmen, die beim DFB-Pokalsieg das 1:0 geschossen hat – gegen Frankfurt.

Der damalige Verlierer will sich seine alte Vormachtstellung im Frauenfußball wieder erarbeiten und hat auch noch Nationaltorhüterin Silke Rottenberg geholt. Ziel ist das Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Uefa-Cup). Im zu erwartenden Dreikampf mit Potsdam und Duisburg gilt Frankfurt auf dem Papier als am stärksten – auch wegen des neuen Sturms mit Birgit Prinz und Wimbersky.

Deren ehemaliger Trainer Bernd Schröder ärgert sich vor der heute bei der SG Essen-Schönebeck beginnenden Saison, dass er weder von der Spielerin noch von Frankfurt über Vertragsverhandlungen informiert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. „Das hat meine Philosophie vom Frauenfußball erschüttert“, behauptet der Mann, der Turbines Frauenteam 1971 aufbaute, „es gibt keine Loyalität und kein Fairplay mehr.“ Siegfried Dietrich hingegen, der den 1. FFC Frankfurt im Marketing- und Sponsoringbereich in Regionen geführt hat, von denen Turbine nur träumen kann, kontert: „Das ist so üblich. Außerdem lief Wimberskys Vertrag aus.“

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