Sport : Es gibt so Tage…

Rot, Elfmeter, Eigentor: Die deutsche Nationalelf verliert das erste Spiel nach der EM 1:3 gegen Argentinien.

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Erster Ballkontakt. Marc-André ter Stegen kam für Ron-Robert Zieler aufs Feld und hielt prompt den Elfmeter von Lionel Messi. Später traf der Argentinier trotzdem. Foto: AFP
Erster Ballkontakt. Marc-André ter Stegen kam für Ron-Robert Zieler aufs Feld und hielt prompt den Elfmeter von Lionel Messi....Foto: AFP

Der Erstkontakt mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist für Marc-André ter Stegen nicht besonders erfreulich abgelaufen. Bei seinem Länderspieldebüt im Mai kassierte der Torhüter von Borussia Mönchengladbach fünf Tore gegen die Schweiz, und gestern Abend schien die unerquickliche Beziehung eine Fortsetzung zu finden. Eine halbe Stunde war im Testspiel der Deutschen gegen Argentinien vorüber, als ter Stegen etwas unverhofft zu seinem zweiten Einsatz für die Nationalmannschaft kam. Weil Ron-Robert Zieler für ein Foul an José Sosa im Strafraum vom Platz geflogen war, sah sich der 20 Jahre alte Torhüter gleich nach seiner Einwechslung dem Duell mit Weltfußballer Lionel Messi ausgesetzt. Nicht unbedingt die erfolgversprechendste Konstellation, um sich zu rehabilitieren – doch der junge Torhüter hielt den schwach geschossenen Elfmeter. Seine Rettungstat hatte jedoch nur aufschiebende Wirkung. Weil die Deutschen den Südamerikanern in Unterzahl trotz großen Eifers zu wenig entgegenzusetzen hatten, hieß es am Ende 3:1 (1:0) für die Argentinier.

Die Frage, ob das ernüchternde Halbfinal-Aus der Deutschen bei der EM zu einer nachhaltigen Verstimmung beim Publikum geführt haben könnte, wurde schon mit dem Anpfiff beantwortet. Der Anstoß wurde von großem Jubel begleitet, und nach einer knappen halben Stunde schickten die 48 808 Zuschauer in der ausverkauften Arena die Welle durchs Stadion, dabei kam das Niveau der Begegnung bis dahin nicht über gesundes Mittelmaß hinaus. Etwas anderes war angesichts der Umstände und des ungünstigen Termins auch kaum zu erwarten.

Bundestrainer Joachim Löw hatte seine Mannschaft im Vergleich zum EM-Halbfinale gegen Italien auf sechs Positionen verändert. Generelle Schlüsse auf seine künftige Personalpolitik ließ die Aufstellung allerdings noch nicht zu. Die Wechsel waren vor allem durch mehr oder weniger prominente Absenzen bedingt, unter anderem fehlten Torhüter Manuel Neuer, Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez; der Dortmunder Mats Hummels musste schon Mitte der ersten Halbzeit nach einem Zusammenprall mit Gonzalo Higuain ausgewechselt werden. Er erlitt eine leichte Halswirbelverrenkung; ob und wie lange er ausfällt, war noch nicht klar.

Interessant an Löws Aufstellung war immerhin, dass Lars Bender anstelle von Toni Kroos in die Startelf rutschte und – anders als beim EM-Spiel gegen Dänemark – auf seiner Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld spielen durfte. Man munkelt, dass der Bundestrainer von Kroos’ finalem EM-Auftritt gegen die Italiener nicht besonders erbaut gewesen sein soll. Der Leverkusener Bender, der sich gestern vor allem gegen Lionel Messi durch großen Eifer hervortat, gilt als einer der Spieler, die im neuen Turnierzyklus eine wichtigere Rolle in der Nationalmannschaft einnehmen könnte.

Noch mehr trifft das auf Marco Reus zu, der vor dem Anpfiff als Fußballer des Jahres geehrt wurde. Der Neu-Dortmunder nahm die Position von Lukas Podolski auf der linken Seite ein. Reus war weit auffälliger, als es Podolski während der EM je gewesen ist. Mit einem Pass auf Miroslav Klose leitete er nach einer Viertelstunde die erste Chance für die Deutschen ein, als Mesut Özil an Argentiniens Torhüter Sergio Romero scheiterte. Auch in Unterzahl, als die Deutschen sich mit Eifer vor allem der Sicherung ihres Tores widmeten, initiierte Reus zumindest gelegentlich entlastende Gegenangriffe.

Die Deutschen waren nach dem Platzverweis gegen Zieler zwangsläufig immer stärker unter Druck geraten. Ter Stegen hatte in den ersten Minuten nach seiner Einwechslung für Thomas Müller mehr Ballkontakte als Miroslav Klose – doch die Defensive hielt. Umso ärgerlicher war es, wie die Deutschen kurz vor der Pause in Rückstand gerieten. Nach einer Ecke seines Vereinskollegen Angel di Maria trat Sami Khedira am ersten Pfosten zunächst über den Ball, schoss sich dann selbst an und lenkte den Ball auf diese Weise zum 0:1 ins eigene Tor.

Die Deutschen wurden auch nach der Pause nicht unbedingt vom Glück verfolgt. Kurz nachdem Reus mit einem Weitschuss nur den Pfosten getroffen hatte, gelang Messi nach Vorarbeit von Gonzalo Higuain auf der anderen Seite das 2:0. Bender kam einen Schritt zu spät. Die Argentinier ließen auch in der Folge nicht nach: Sie attackierten die deutsche Defensive früh und spielten nun ihre fußballerische und numerische Überlegenheit gnadenlos aus. Angel di Maria erzielte mit einem Schuss aus 30 Metern das 3:0, kurz darauf traf Messi den Pfosten. Benedikt Höwedes gelang mit einem Flugkopfball zwar noch der Ehrentreffer, doch abgesehen davon ließen die Südamerikaner keine Nachsicht mit ihrem geplagten Gegner walten. Von einer Mannschaft, die bei den beiden jüngsten WM-Turnieren jeweils im Viertelfinale an den Deutschen gescheitert war, durfte man das aber auch nicht unbedingt erwarten.

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