Sport : „Es gibt zu viele Ignoranten“

Coach Peter Neururer zum Burnout von Ralf Rangnick

Herr Neururer, was denken Sie über Ihren Trainerkollegen Ralf Rangnick nach seinem Rücktritt wegen eines Burnouts?

In erster Linie ist das eine unglaubliche Zivilcourage, sich in unserem Geschäft zu outen. Ich glaube, es sind viele Kollegen mit ähnlichen Symptomen konfrontiert worden, die das nicht gewagt haben.

Gehören Sie persönlich auch dazu?

Nein. Ich bin ein ganz anderer Typ als Ralf. Ich empfinde keinen Stress in der Zeit, in der ich als Trainer arbeite.

Sie sind noch nie an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit gestoßen?

Ich habe zweifelsfrei Stress während des Spiels. Aber den Stress kompensiere ich zwei, drei Stunden nach dem Abpfiff.

Warum ist es so etwas Besonderes, wenn sich ein Bundesligatrainer in aller Öffentlichkeit zu seiner Erkrankung bekennt?

Es gibt zu viele Ignoranten, die bei solchen Aussagen die falschen Schlüsse ziehen. Und Ralf Rangnick nimmt das in Kauf. Deswegen: Hut ab vor so viel Mut!

Warum ist es im Fußballgeschäft so außergewöhnlich, Schwächen zu zeigen?

Das stimmt ja nicht. Ich habe heute Gespräche geführt mit Leuten aus der Wirtschaft. Und da sagt jeder: Ein Geschäftsführer mit Burnout-Syndrom wäre bei mir unten durch, nicht mehr einsetzbar.

Wird es nach einer Genesung für Ralf Rangnick ungleich schwerer, einen Job als Bundesliga-Trainer zu bekommen?

Er wird beweisen müssen, dass er total genesen ist. Zu hundert Prozent. Und leider wird es immer wieder Leute geben, die das auch hinterfragen werden.

Ist die Belastung für einen Trainer beim FC Schalke 04 besonders extrem?

Alle Ruhrgebiets-Vereine sind etwas anderes, da wird der Fußball noch sehr viel intensiver gelebt als anderswo. Aber für mich war das immer nur positiv.

Also liegt Ihre Zukunft genau dort?

Es gibt viele Querverbindungen zwischen dem FC Schalke 04 und mir. Und wenn die Interesse an mir haben sollten, werden sie sich schon melden.

Peter Neururer, 56, ist derzeit als Trainer ohne Job. Das Gespräch mit ihm führte Benjamin Apitius.

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