Sport : Es gibt zwei Albas

Bei der Niederlage in Bremerhaven entdecken die Berliner Basketballer die Dialektik der Play-offs

Benedikt Voigt[Bremerhaven]

Nach der Schlusssirene entbrannte zwischen den Basketballern von Alba Berlin und Eisbären Bremerhaven ein seltsamer Streit. Es ging um das Recht, sich auf dem Spielfeld im Mittelkreis zu versammeln und dort den eigenen Schlachtruf aufzusagen. Die Spieler von Alba Berlin standen zuerst in der Mitte, doch die Bremerhavener wollten diesen Platz in der heimischen Stadthalle nicht kampflos aufgeben. Also schubste Brian Jones Quadre Lollis und Quadre Lollis schubste Brian Jones. Marco Baldi sprang schlichtend zwischen die Kontrahenten, später im Kabinengang entschuldigte sich Jones bei Lollis. „Das war Hahnenkampf“, sagt Albas Vizepräsident, „so sind die Play-offs eben, die Nerven sind bei allen Beteiligten angespannt.“

Die Play-offs des Jahres 2006 halten für Alba Berlin eine weitere Erkenntnis parat. Es gibt zwei Albas: Das Auswärts- und das Heimteam. In den vier Heimspielen siegten die Berliner zum Teil deutlich, auswärts aber haben sie von drei Spielen noch kein einziges gewonnen. So endete das zweite Halbfinalspiel in Bremerhaven mit einer Niederlage (85:87). „Das ist die Dialektik der Play-offs“, sagt Albas Teammanager Henning Harnisch, „jetzt folgt hoffentlich am Sonntag wieder ein Heimspiel, das die Antithese zu diesem Auswärtsspiel ist.“

In der Halbfinalserie nach dem Modus „Best of five“ steht es nun 1:1 nach Siegen. Die Berliner müssen das dritte Spiel am Sonntag (18 Uhr, live bei Premiere) gewinnen, wenn sie nicht am kommenden Dienstag im vierten Spiel in Bremerhaven vor dem Ausscheiden stehen wollen. Nach jedem verlorenen Auswärtsspiel wächst nun für Alba die Pflicht, die eigene Siegesserie in der Max-Schmeling-Halle fortzusetzen. „Der Druck liegt jetzt bei Berlin“, sagt Bremerhavens Trainer Sarunas Sakalauskas. Sein Team kann in Berlin befreit aufspielen, der Aufsteiger hat mehr erreicht als erwartet. „Meine Spieler haben jetzt den Wunsch, ins Finale zu kommen“, sagt Sakalauskas.

„In diesem Jahr spielt der Heimvorteil eine noch wichtigere Rolle“, stellt Marco Baldi fest. In den 21 Play-off-Spielen gab es bisher nur zwei Auswärtssiege. Oldenburg und Bremerhaven entwickelten gegen Alba vor heimischem Publikum besonderen Ehrgeiz und Kampfkraft. „Bremerhaven ist zu Hause in der Lage, fünf Minuten vor dem Ende einen Rückstand von neun Punkten aufzuholen“, staunt Albas Flügelspieler Demond Greene.

Hollis Price personifizierte in der Stadthalle die Berliner Auswärtsprobleme. Der Aufbauspieler leistete sich acht der insgesamt 20 Berliner Ballverluste und traf nur 33 Prozent seiner Würfe. Die Ballverluste und schwächere Wurfquoten kennzeichneten auch die beiden Berliner Niederlagen im Viertelfinale in Oldenburg. Vor fremdem Publikum nehmen die Unkonzentriertheiten der Berliner zu. „Wenn wir den Ball nicht so oft verlieren, gewinnen wir leicht in Bremerhaven“, sagt Hollis Price, „in der regulären Saison haben wir nur dreimal auswärts verloren, das spricht für sich selber.“ In den Play-offs aber sei das schwieriger. Alba sei ein gutes Auswärtsteam, findet Price. „Wir müssen es in den Play-offs nur noch beweisen.“

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