Sport : Es kann jeden treffen

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Wo war eigentlich Michael Ballack? Oder: Wie wäre das Spiel gegen Brasilien gelaufen, wenn der abgesägte Kapitän Ballack das Angebot zum Abschiedsspiel angenommen und die deutsche Elf angeführt hätte? Aber wer will das überhaupt noch wissen? Ballack ist Geschichte. Viel spannender ist die Frage, wen es als Nächsten trifft.

Der Job des Bundestrainers hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. Während Joachim Löw noch vor fünf, sechs Jahren über die Dörfer fuhr, um nach brauchbaren Kickern zu fahnden, hat er heute damit zu tun, ein paar von den Jungs von damals wieder loszuwerden. Was wird aus Lukas Podolski?

Gegen Brasilien absolvierte der Kölner sein 90. Länderspiel. Normalerweise kann man auf eine solche Zahl tief im vierten Lebensjahrzehnt hoffen. Podolski ist 26, spielt aber wie ein 50-Jähriger. Gegen Brasilien war er der schwächste Deutsche – ein langsamer, feiger Fußballer ohne Torschuss. So hat er keinen Wert für ein Team, das aus allen Nähten platzt. Sein Konkurrent André Schürrle ist zum wiederholten Mal für ihn ins Spiel gekommen, hat Tempo reingebracht, Energie versprüht und wieder ein Tor erzielt. Wird aus Podolski der zweite Ballack?

„Natürlich müssen sich alle beweisen, um ihre Plätze zu behalten“, hat Löw nach dem Spiel gesagt. Soll heißen: Keiner kann sich sicher sein. Nicht mal Mesut Özil, der dieses Mal fehlte, aber eigentlich auch nicht. Mario Götze hat Özil vergessen lassen. Was wird also, wenn Özil zurückkehrt?, wurde der Bundestrainer gefragt. Geantwortet hat Löw mit einer kleinen, bequemen Lüge: Er möge diese Wenn-dann-Fragen nicht. Dabei ist er der Erfinder dieser Wenn-dann-Denke. Er war es, der solche Wenn-dann-Strategien seinen Spielern als Handlungsanweisungen mit auf den Platz gab.

Natürlich wird sich für Özil ein Platz finden lassen, nur weiß auch er, dass er dafür Power mitbringen muss. Selbst Bastian Schweinsteiger wird registrieren, dass es eng werden kann, wenn er nicht mit Witz und Wumms wie gegen Brasilien spielt, sondern teigig durchs Mittelfeld tuckert und mutlose Pässe spielt. Inzwischen gibt es für jeden eine echte Alternative. Ist das das Los einer Siegermannschaft?

Um die Sache auf die Spitze zu treiben: Nicht mal mehr Löw wird noch gebraucht. Seinen Job könnte auch Herthas Kotrainer machen oder Matthias Sammer oder Ballack. Natürlich ist das abwegig. Aber Fakt ist auch: Löw hat der Mannschaft einen Spielstil vermittelt, der zeitgemäß, gut anzuschauen und erfolgreich ist. Dieser Stil sitzt, gleich wer spielt. Das ist ja das Problem. Wer spielt? Wer nicht? Und wer wird es Özil sagen? Oder Götze?

So gesehen hat es Ballack schon geschafft. Podolski steht kurz davor.

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