Sport : Es kracht zwischen den Pfosten

Weil Mirko Slomka seinen Torwart wechselte, hat Schalkes Trainer ein Problem mehr

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Unter denen, die das zwischenzeitliche 2:0 gegen den FC Bayern beklatschten, war auch Frank Rost. Für gewöhnlich steht er an solchen Abenden zwischen den Pfosten und verhindert mit seiner Hände Arbeit Gegentore. Dieser Pflicht hatte Mirko Slomka, der Cheftrainer des FC Schalke, ihn vor dem Duell mit Bayern München enthoben.

Der Torwartwechsel bewegte weit mehr als das 2:2 und seine Folgen für den Kampf um die Meisterschaft. Rost hatte zuletzt Schwächen gezeigt. Dennoch kam es überraschend, dass Slomka ihn zum Ersatzmann degradierte. Der Trainer behauptete, sportliche Gründe hätten ihn dazu veranlasst, den 20 Jahre alten Manuel Neuer zur Nummer eins zu erklären. Slomka vermochte den Wechsel aber nicht schlüssig zu erklären. Rost habe „keine wesentlichen Fehler gemacht“, ihm sei nur „das Glück abhanden gekommen, das nötig ist, um auch mal einen unhaltbaren Ball zu halten“. Selten ist ein erfahrener Stammtorwart mit so dünnen Argumenten zurückgestuft worden. Neuer warf in seiner dritten Bundesligapartie einige Male die Frage auf, ob es auch ihm nur an Glück fehlte, als er vergeblich versuchte, den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern. So etwa beim Anschlusstor der Bayern, die nach Treffern von Lövenkrands und Kobiaschwili scheinbar aussichtslos zurücklagen: Neuer faustete dem Münchner Torschützen Ottl den Ball vor die Füße. Slomka zeigte sich mit der Leistung Neuers dennoch „sehr zufrieden“ und kündigte an, der junge Mann dürfe auch an diesem Mittwoch beim Spiel in Mönchengladbach im Tor sein Glück versuchen.

Der Zeitpunkt und die Umstände des Wechsels führten zu allerlei Spekulationen. Wie es heißt, ist der Degradierung ein Streit zwischen Slomka und Rost vorausgegangen. Und so folgte der Partie gegen Bayern das bekannte Gelsenkirchener Gesellschaftsspiel „Wer hat wann was zu wem gesagt?“ Im Laufe des Abends verdichtete sich das Gerücht, Rost sei strafversetzt worden, weil er die Autorität des Trainers missachtet habe. Auf der Mannschaftssitzung vor dem Spiel soll Slomka den 33 Jahre alten Torwart gefragt haben, ob er sich zutraue, gegen die Bayern zu spielen. Rost habe diese Frage mit Blick auf seine Erfahrung aus fast 280 Bundesligaspielen als Provokation aufgefasst. So soll das Wort „Kotrainer“ gefallen sein. In dieser Funktion hatte Slomka gearbeitet, bis er zu Beginn des Jahres zum Nachfolger Ralf Rangnicks ernannt wurde.

Nach dem Montagstraining wies Slomka diese Version empört zurück: „Das ist alles erstunken und erlogen. Da sind bösartige Menschen am Werk, die uns auseinandertreiben wollen.“ Die besagte Frage an Rost habe es „nie gegeben“, behauptete der Fußball-Lehrer. „Frank ist ein emotionaler Typ, aber wir haben uns ganz normal unterhalten.“ Rost wiederum bestreitet, die freche Antwort gegeben zu haben, die ihm unterstellt wird. „Nein, ich habe Herrn Slomka nicht Kotrainer genannt.“ In einer Stellungnahme beklagt er sich allerdings über eine undichte Stelle im Innersten des Klubs. „Es macht uns als Team wütend, dass schon wieder Interna aus der Mannschaftssitzung an die Öffentlichkeit gebracht werden. Ich dachte, wir hätten aus den Vorfällen der vergangenen Monate gelernt und wenigstens dieses Problem gelöst.“

Slomka hat aufgrund seiner mutigen Personalentscheidung noch ein Problem mehr als vorher. Das Unentschieden gegen die Bayern, für die Makaay den Ausgleich schoss, wurde von pfeifenden Fans wie eine Niederlage quittiert. Und Rost gilt nicht als der Typ Profi, der eine Degradierung auf Dauer klaglos hinnimmt. Schon wurde über eine vorzeitige Auflösung seines Arbeitsvertrages spekuliert. Solchen Vermutungen widersprach Schalkes Manager Andreas Müller: „Der Vorstand des FC Schalke 04 plant weiterhin mit Frank Rost. Sowohl der Torhüter als auch der Klub lassen keinen Zweifel daran, dass der bis zum 30. Juni 2009 geltende Vertrag eingehalten wird.“ Slomka hat sich weit hinausgewagt auf dem Schalker Meer der Emotionen und wurde fürs Erste nicht dafür belohnt. In der Mannschaft mag Rost nicht der beliebteste sein, bei vielen Fans aber genießt er hohen Respekt. Sein zuweilen übersteigerter Ehrgeiz kommt besser an als die mitunter nachlässige Berufsauffassung anderer Spieler, gegen die bisher nicht wirksam eingeschritten wurde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar