Sport : Es kreiselt im Schädel

Ralf Schumacher verzichtet auf einen Start in Monza

Frank Bachner

Sid Watkins schüttelte am Samstagmorgen gegen acht Uhr nur den Kopf. „Ich rate von einem Start ab“, sagte er dann. Und damit war die Entscheidung gefallen: Ralf Schumacher wird heute in Monza nicht starten. Den Rat des leitenden Rennarztes der Formel 1 wollten weder Schumacher noch sein Team BMW-Williams ignorieren. Schumacher hatte über Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt – ein Zeichen dafür, dass der Deutsche an Nachwirkungen seines furchtbar anzusehenden Unfalls litt, den er vor knapp zwei Wochen beim Testen in Monza erlitten hatte. Damals hatte sich der Bruder von Weltmeister Michael Schumacher mit 200 km/h überschlagen und dabei eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Er wurde sofort ins Krankenhaus nach Mailand gebracht. Dort war Schumacher auf eigene Verantwortung rund 18 Stunden später entlassen worden.

Schon am Freitag, nach dem ersten Qualifying, hatte Schumacher über gesundheitliche Probleme geklagt. In Fernseh-Interviews wirkte er angeschlagen. Kein Wunder: Denn gerade in der legendären Parabolica-Kurve lastet das dreifache Körpergewicht auf einem Fahrer. Und ein Pilot, der kurz zuvor eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hatte, kann dann besondere Probleme bekommen. Noch am Samstag flog Ralf Schumacher zu seinem Wohnsitz Salzburg. Ob er selber am Steuerknüppel saß, ist nicht bekannt. Bekannt ist dagegen, dass Ralf Schumacher sich am vergangenen Wochenende noch prächtig auf Sylt unterhalten hatte. Er feierte mit seiner Frau Hochzeitstag und genoss die Stimmung in einer Karaoke-Bar. „Ralf war aber in erster Linie auf Sylt, weil er dort bessere Massagen erhielt als in Salzburg“, sagte Schumachers Sprecher Thomas Hoffmann. Prompt wurde in Monza diskutiert, ob so ein Bar-Besuch nach einer schweren Gehirnerschütterung die optimale Vorbereitung auf ein Grand-Prix-Rennen ist.

Auf jeden Fall fuhr gestern BMW-Williams-Testfahrer Marc Gene das Qualifying an Stelle von Ralf Schumacher. Das Reglement erlaubt bis zum zweiten Qualifying einen Fahrertausch. Gene ist zwei Jahre lang für Minardi in der Formel 1 gefahren. Außerdem hatte er den BMW-Williams vor knapp zwei Wochen bei den Tests in Monza ausgiebig gefahren..

Schon kursieren Vermutungen, Gene werde mit einem besonderen strategischen Auftrag ins Rennen gehen. „Wenn Marc am Sonntag Michael Schumacher aus dem Rennen boxt und damit die Chancen von Juan Pablo Montoya auf den WM-Sieg erhöht, dann verdient er sich bei BMW-Williams einen Vertrag auf Lebenszeit“, sagte ein Beobachter in Monza, und seine Stimme war um einen ironischen Unterton bemüht.

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