Sport : Es macht ZUZASSH! Und der Ball ist im Netz

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Von Lars von Törne

GYUUMM macht es, als der Schuh das Leder trifft. Mit einem lauten BITSCH saust der Ball übers Feld und prallt mit einem BATTCH von der Latte ab. Da hilft nur ein Fallrückzieher: POOORFF. Mit einem scharfen BIIIETCH zischt der Schuss am Torwart vorbei und landet mit einem kräftigen ZUZASSH im Netz. So klingt es, wenn der japanische Comiczeichner Yoichi Takahashi ein Fußballspiel beschreibt. Beziehungsweise: So liest es sich. Denn diese klangvollen Buchstabenfolgen sind Lautmalerei, mit denen Takahashi jeden Spielzug in seinen gezeichneten Fußballgeschichten illustriert. Erstmals können Takahashis Zeichnungen und die dazugehörigen Wortschöpfungen jetzt auch bei uns gelesen werden. Sein Fußball-Epos „Captain Tsubasa“ ist Teil eines ganzen Reigens gezeichneter Fußballgeschichten, die die bevorstehende Weltmeisterschaft den deutschen Comicfans derzeit beschert.

Zeichner Yoichi Takahashi erzählt mit klarem Strich und schwarz-weiß die Geschichte des fußballbegeisterten Jungen Tsubasa, der sich langsam bis in die japanische Nationalmannschaft hochspielt. Die Serie, deren TV-Ableger „Die tollen Fußballstars“ bereits in Deutschland Einzug gehalten hat, ist in Japan seit 20 Jahren erfolgreich. Jetzt sind die ersten Bände in deutscher Übersetzung erschienen. Diese Manga-Serie, wie Comics in Japan heißen, richtet sich in erster Linie an ein jugendliches Publikum, gibt aber auch Erwachsenen einen Einblick in eine faszinierende Welt. Das beginnt mit der Leserichtung: Die Geschichte wird, wie in Japan üblich, von hinten nach vorne und von rechts nach links erzählt. Die Figuren in „Captain Tsubasa" sind stilistisch irgendwo zwischen „Heidi" (deren Zeichentrickversion ja ebenfalls in Japan gezeichnet wurde) und US-amerikanischen Superhelden angesiedelt. Wenn Tsubasa und seine Mannschaft zum Kampf antreten, wird das als heroische Feldschlacht inszeniert. Bei Kopfballduellen, dramatischen Grätschen oder Dribbling-Attacken werden die Spieler zu Wirbelstürmen, durch schnelle Bildschnitte und häufige Perspektivwechsel entsteht Tempo fast wie bei einem echten Fußballspiel. Die dramatisch aufgebauten Bildfolgen wirken dabei oft pathetisch, die Dialoge und Zwischentitel sind teilweise unfreiwillig komisch.

Bei Takahashis französischem Kollegen Baru kommt der Fußball auf leisen, weitaus weniger dramatischen Füßen daher. Hier ein lautmalerisches PLAFF, da ein BOMM, ansonsten verlässt sich Baru vollkommen auf die Ausdruckskraft seiner gezeichneten Charaktere. Zu Recht. Im jetzt vorliegenden ersten Band der Trilogie „Die Sputnik-Jahre“ erzählt Baru die Geschichte zweier Jugend-Cliquen in der französischen Kleinstadt Sainte Claire Ende der 50er Jahre, die beim Fußballspiel ihre Kräfte messen. Wichtiger als die technischen Finessen auf dem Bolzplatz sind dem Zeichner aber die menschlichen Geschichten dahinter: Der Traum des 10-jährigen Igor, Chef seiner Mannschaft zu werden, seine Eifersucht auf den Teamkapitän, die Angst des Tormannes vorm Elfmeter oder die Freude über einen gelungenen Doppelpass. Anstatt wie Takahashi kleine Fußball-Supermänner zu inszenieren, zeigt Baru mit viel Einfühlungsvermögen Helden des Alltags. Sein Stil, der eher erwachsene Comicfans ansprechen dürfte, ist angenehm altmodisch, die bunten Tuschezeichnungen und die klare Linienführung erinnern an frankobelgische Vorbilder wie Hergé (Tim und Struppi) oder Uderzo (Asterix).

Etwas für die schlichteren Gemüter unter den Comicfans ist der neue „Werner“-Band aus dem Hause Brösel. In „Volle Latte“ geht es erstmals nicht nur um Bölkstoff und Motorräder, sondern ebenfalls um den Fußball. Spaßvogel Werner präsentiert die Chaos-Variante des Spiels, indem er auf einem Campingplatz ein unfreiwilliges Match provziert, das am Ende in einer blutigen Schlacht wildgewordener Kleinbürger endet. Es wird gekotzt und geprügelt, geschimpft und geflucht, und immer, wenn irgendwo etwas zu Bruch geht, grölt die Hauptfigur in bekannt norddeutscher Mundart „Toää“. Verglichen mit den anderen Comics zum Thema, erscheint dieser mit müden Witzchen und sexistischen Anspielungen gefüllte Band allerdings lustlos und uninspiriert. Vom originellen Witz der ersten Werner-Bücher ist leider nicht mehr viel übrig geblieben.

Eine hübsche und sehr persönliche Geschichte rund um den Fußball kommt aus dem kleinen Verlag Edition 52. Sie ist zwar schon vor zwei Jahren erschienen, aber im WM-Jahr aktueller denn je. In dem Büchlein „Das Jahr, in dem wir Weltmeister wurden“ erinnern sich die Zeichner Ulf K. und Andreas Dierßen an den Sommer von 1974, in dem die Götter aller großen und kleinen Jungs Breitner, Beckenbauer oder Maier hießen. In schlichten, einfühlsamen Bildern erzählen die Autoren, was sie als Steppkes an jenem historischen Tag auf ihrem kleinen Bolzplatz erlebten – und verraten nebenbei, wie es kam, dass Sepp Maier und Günter Netzer damals allerbeste Freunde wurden.

Yoichi Takahashi: Captain Tsubasa, Band 1 und 2, je 192 Seiten, je 5 Euro, Carlsen.

Baru, Die Sputnik-Jahre, Band 1:Der Elfmeter, 48 Seiten, 14 Euro, Carlsen.

Brösel: Werner – Volle Latte, 128 Seiten, 10 Euro, Achterbahn Verlag.

Ulf K./Andreas Dierßen:Das Jahr, in dem wir Weltmeister wurden, 16 Seiten, 5 Euro, Edition 52.

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