• Es muss etwas passieren - Von Moltke wünscht sich mehr Volleyballspiele wie das Pokalfinale

Sport : Es muss etwas passieren - Von Moltke wünscht sich mehr Volleyballspiele wie das Pokalfinale

Frank Bachner

Irgendwie sieht Marco Liefke immer noch aus wie ein Teenager, er hat ja diese etwas weichen Gesichtszüge. Aber das täuscht natürlich. "Ich bin jetzt erwachsen", sagt Liefke. Er ist 25, doch das meint er nicht. Er meint, dass er jetzt einer ist, der im Vereinstrikot Verantwortung übernimmt. Das haben ihm bisher nicht viele zugetraut. "Früher hat man ja immer gesagt, ich schaffe das nicht." Schafft er doch. In Dessau hatte Diagonalangreifer Marco Liefke einen beträchtlichen Anteil am Sieg des SC Charlottenburg im Volleyball-Pokalfinale. Liefke war der überragende Mann beim 3:2-Sieg der Berliner über den SV Wuppertal. "Heute habe ich eines meiner besten Spiele gezeigt", sagt Liefke, und auf der Stirn glänzt der Schweiß.

Wie das Pokalfinale von Dessau, so stellt sich Verbandspräsident Werner von Moltke Männer-Volleyball vor: eine starke Partie, hohe Belastung für die Spieler und begeisterte Zuschauer. Eine Mixtur, die Nationalspieler wie Liefke oder Stefan Hübner, Liefkes Teamkollege, in der Bundesliga vermissen. Die beiden schielen deshalb nach Italien. Ob sie sich dort behaupten würden, ist eine andere Frage. Aber der Präsident ist alarmiert. "Wir wollen sie in Deutschland halten", sagt von Moltke. Wären sie weg, dann hätte auch das Modell Berlin, die Konzentration der Nationalspieler, an Bedeutung verloren. Also werden jetzt Ideen gesucht, um die Top-Leute der Bundesliga in Deutschland bei Laune zu halten.

Am Sonnabend setzte sich von Moltke unter anderem mit SCC-Manager Niroomand zusammen. Es wäre doch auch möglich, grübelten sie, dass der SCC einen ausländischen Weltklassespieler einkaufen würde. Natürlich nicht als Konkurrent für Liefke oder Hübner. Als Ergänzung, um das Niveau der Mannschaft zu steigern, und auch ein bisschen, um von ihm zu lernen. Das bedeute zwar die Abkehr vom Modell Berlin, ein Team mit ausschließlich deutschen Spielern, aber das nähme von Moltke in Kauf. "Außerdem ist es bis jetzt nur ein Planspiel." Noch so ein Planspiel: Die Bundesliga könnte sich nach der Vorrunde in zwei Gruppen spalten. Die besten fünf in einer, die anderen Teams abgeschoben in eine B-Gruppe. Dann würden sich die Spitzenklubs nicht mehr in besseren Trainingsspielen gegen schwache Mannschaften langweilen.

Es muss etwas passieren, das ist dem Verbandschef klar. "Ein bisschen mehr hätte herauskommen können", sagt von Moltke mit Seitenblick auf den Stützpunkt Berlin. Beach-Teams, männlich und weiblich, die Frauen-Nationalmannschaft - sie alle fahren zu den Olympischen Spielen, nur das Zugpferd im Kampf um Sponsoren nicht, die Männer-Nationalmannschaft. Ausgerechnet jetzt, da es mit Volleyball in Deutschland wieder aufwärts geht. Zumindest behauptet das der Präsident. Das Fernsehen? "Seit Jahresbeginn ist Volleyball überregional rund 30 Minuten gelaufen. 1999 warens im gesamten Jahr gerade mal zehn Minuten." Die Mitgliederzahlen? "Im Moment haben wir 550 000. Wir streben 600 000 an. 1999 hatten wir 500 000." Die PR-Maßnahmen? Optimal. "2003 holen wir die EM nach Deutschland. Und 2002 wollen wir in die Weltliga." Die Sponsoren? "Alle happy."

Das ist typisch von Moltke. Immer eine Spur schneller, lauter und - bei Bedarf - optimistischer als angebracht. Ob die EM jemals nach Deutschland kommt, ist völlig ungewiss. Ebenso, ob es mit der Weltliga klappt. Da muss das Fernsehen mitspielen. 50 000 mehr Mitglieder in wenigen Wochen? Also bitte. Und die Sponsoren? So viele können da nicht happy sein. Gerade mal drei hat der Verband, zwei Ausrüster eingeschlossen. Aber wenigstens hat der Verband jetzt die Netzkante bei Länderspielen verkauft, und einen Hauptsponsor für das Männerteam gibts inzwischen auch. Der Vertrag läuft bis 2001.

Und die Leistungen der Männer? In der Olympia-Qualifikation sind sie an Lettland gescheitert. Das weiß natürlich auch der Präsident. Er wirkt plötzlich doch etwas kleinlaut. "Ich habe", sagt er, "den Sponsoren wenig zu bieten."

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