Sport : Es reicht nicht

Markus Hesselmann

Husch, husch, husch – Neger in den Busch“, schallt es von den Rängen des Gelsenkirchener Parkstadions. Auf dem Rasen brilliert ein junger Stürmer namens Anthony Yeboah. Der Ghanaer spielt für Saarbrücken und ist das Ziel der lautstarken Schmähungen. Es ist der vierte Spieltag der Zweitliga-Saison 1989/90. „Pass auf den Neger auf“, rufen viele Schalker Fans bald. Vor nicht allzu langer Zeit waren diese Szenen Alltag im deutschen Fußball. Die oberen Ligen sind inzwischen weitgehend frei von rassistischen Pöbeleien – eine Folge von Repression und Selbstregulierung. Viele Vereine haben Anti-Rassismus-Paragrafen in ihren Hausordnungen und verhängen Stadionverbote. Bei großen Klubs hat sich eine Fankultur ausgebildet, in der die Leitfiguren rassistische Ausfälle nicht mehr dulden. Und offenbar haben viele Fußballfans erkannt, dass es unsinnig ist, schwarze Spieler des Gegners zu beschimpfen, wenn in den eigenen Reihen viele schwarze Südamerikaner und Afrikaner stehen, die nach dem Pionier und zweimaligen Bundesliga-Torschützenkönig Yeboah nach Deutschland gekommen sind.

Bestehen bleibt das Problem in unteren Klassen, wo es diese Fankultur nicht gibt, aber einen harten Kern von Unbelehrbaren. In der vierten Liga sieht sich zum Beispiel der Nigerianer Ogungbure von Sachsen Leipzig Woche für Woche dem ganz gewöhnlichen Rassismus ausgesetzt. Die Eskalation von Halle, als Ogungbure auch körperlich angegriffen wurde, hat diese Zustände wieder ins Blickfeld gerückt. Es wird immer noch zu wenig gegen Rassismus getan. Dabei hat der Deutsche Fußball-Bund längst einen Strafenkatalog verabschiedet, mit Geldstrafen und Punktabzügen bis hin zum Zwangsabstieg. Der DFB verhängt aber nur Sanktionen bis hinunter zur dritten Liga. Den Rest regeln die Landesverbände – teils unzureichend, wie sich in diesen Tagen im Osten zeigt.

Doch auch die Polizei sollte sich neu positionieren. Natürlich können nicht bei jedem Viertligaspiel viele Hundertschaften ausrücken. Aber wer hindert die Sicherheitsbehörden daran, mit ein paar Beamten samt Kameras und Mikrofonen vorzufahren und die rassistischen Schreihälse zu filmen, wie dies auch bei Hooligans geschieht? Die Täter könnten dann identifiziert und belangt werden – wegen Beleidigung und in schweren Fällen auch wegen Volksverhetzung.

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