Sport : Es war einmal...

Mathias Klappenbach lauscht den Geschichten von Jan Ullrich

Mathias Klappenbach

Es ist eine Frage der Terminologie, ob man die derzeitigen Geständnisse im Radsport als Märchen versteht. Klar ist, dass es sich um Erzählungen handelt, die auf ihren Wahrheitsgehalt nicht hinreichend überprüft werden können. Und wie bei Märchen muss man die Geschichten mögen, um sich mit ihnen und der darin beschriebenen Welt zufrieden zu geben. Jan Ullrich hat seinen ehemaligen Kollegen Rolf Aldag die Rolle des Märchenerzählers in Aussicht gestellt, wenn er ein Buch schriebe. Das habe er Aldag auch per SMS mitgeteilt. Die allerdings will Aldag nie erhalten haben, stattdessen habe er einen Anruf Ullrichs um halb sechs morgens verpasst. Wer immer hier der Märchenonkel ist, die Art der verbalen Anfeindungen hat eher die Ingredienzen einer Doku-Soap.

Ullrich bezeichnet Aldag wohl nicht als Märchenerzähler, weil der jetzige Teamchef von T-Mobile frei erfundene Dinge von sich gegeben hat. Sondern eher, weil Aldag nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens zugegeben hat. Das findet Ullrich, der viele Monate lang überhaupt nichts Interessantes erzählt hat, nun auf einmal überhaupt nicht statthaft. Ein Sinneswandel?

Vielleicht sind seine Äußerungen aber auch nur der Beginn der Werbekampagne für sein Enthüllungsbuch. Dieses sollte kein Märchenbuch sein. Der ehemalige Fußball-Nationaltorwart Bodo Illgner hat einst das Genre des „fiktiven Tatsachenromans“ erfunden. Damit wäre man bei Ullrich schon zufrieden. Und verkaufen würde es sich nicht schlecht.

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