Es war einmal ein Stürmer : Der seltsame Fall des Mladen Petric

Mladen Petric stand beim HSV schon vor dem Abschied. Jetzt hat er der Mannschaft im Derby beim FC St. Pauli wenigstens einen Punkt gerettet - und spricht danach von einem Neuanfang.

Frank Heike
Die einstige Traumbeziehung zwischen Mladen Petric und dem HSV ist längst keine mehr.
Die einstige Traumbeziehung zwischen Mladen Petric und dem HSV ist längst keine mehr.Foto: dapd

Aktuelle Geschichten über Mladen Petric beinhalten ziemlich oft das Wort „war“. Der 29 Jahre alte Kroate war einmal der wichtigste Offensivspieler beim Hamburger SV. Er war der Mann für die wichtigen und die schönen Tore, kopfballstark, technisch gut, mit dem nötigen Gespür und Eigensinn vor dem Tor. Petric war auch der klügste Einkauf des vorletzten Sommers, denn der HSV lotste ihn für vergleichsweise wenig Geld aus Dortmund weg und drehte der Borussia im Tausch auch noch das ewige Sorgenkind Mohamed Zidan an. Tore gegen die Bayern, Tore im Europapokal: Petric und der HSV, das passte. Leider ist kaum etwas geblieben von der alten Traumbeziehung.

Vor drei Wochen wollte der HSV seinen Starstürmer a.D. schon nach Stuttgart verkaufen. Der VfB bot zu wenig. Nur des Geldes wegen ist Petric noch beim HSV. Nicht, weil die Hamburger ihn noch haben wollten. Wegen dieser Vorgeschichte, einer Geschichte mit schönem Beginn und schlechtem Ende, musste Petric am Sonntag nach dem 1:1 im schwachen Derby beim FC St. Pauli fast so lange reden, wie er gespielt hatte: 22 Minuten. Gewonnen hatte keiner, und auch Petric wollte sich trotz seines schönen Tores zum Ausgleich in der 88. Minute nicht wie ein Sieger fühlen: „Die letzten Wochen waren schwer für mich. Es ist nicht einfach, gerade in so einem Spiel draußen zu sitzen.“

Vom Unverzichtbaren zum Bankdrücker – Petrics Niedergang beim HSV hat mit Ruud van Nistelrooy zu tun und mit Trainer Armin Veh. Veh setzt auf eine offensive Dreierkette hinter der einzigen Spitze namens van Nistelrooy. In der Mitte der Kette sieht Veh den Peruaner Paolo Guerrero als erste Wahl. Er hält ihn für den besseren Spielmacher als Petric. Und da Veh und die Vereinsführung befürchteten, der sensible Petric könne ohne Stammplatzgarantie für schlechte Stimmung sorgen, wollten sie ihn verkaufen. Das kann Petric nicht verstehen: „Ich bin keiner, der Stunk macht. Ich hoffe, das war heute ein kleiner Neuanfang.“

In der Mannschaft hat kaum einer verstanden, warum Veh ihn aufs Abstellgleis geschoben hat. Altgediente Spieler wie Frank Rost oder David Jarolim sehen eher die Qualitäten Petrics. Jarolim sagte: „Ich bin dankbar, dass er uns die Blamage erspart hat. Ich freue mich riesig für ihn. Wir alle wissen, wie wichtig er für die Mannschaft ist.“

Es liegt ja im Trend, im 4-2-3-1-System zu spielen, da macht der HSV keine Ausnahme. Dass Petric und van Nistelrooy als Sturm-Duo nicht zusammenpassen, war einige Male in der Vorsaison zu sehen. Und auf den Außenbahnen der Dreier-Reihe will Veh schnelle Spieler wie Elia und Pitroipa haben. Insofern kann man nachvollziehen, dass Veh für Petric keinen Platz in der ersten Elf findet. Allerdings hat Guerrero auf der neuen Position bislang nur im ersten Spiel gegen Schalke überzeugt, Trochowski fiel dort gegen Nürnberg durch. Und was ist, falls van Nistelrooy sich mal verletzt? Oder in ein Formtief gerät? Im Grunde kann der HSV auf Petric nicht verzichten.

Schon am Mittwoch gegen den VfL Wolfsburg wird es für ihn wieder heißen: gute Laune oder langes Gesicht, Startelf oder Bank. Eine grundlegende Verstimmung zwischen ihm und seinem Stürmer ohne Verwendung will Veh nicht ausgemacht haben: „Es gibt kein Problem zwischen mir und Mladen. Auch wenn es manchmal so dargestellt wird.“ Gleichgültig, wie die beiden zueinander stehen, eines ist klar: Auf der Bank des HSV wird Mladen Petric nur bis zur nächsten Wechselperiode sitzen. Aber vielleicht dreht sich diese Beziehungsgeschichte ja auch noch einmal.

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