Sport : „Es war undurchschaubar“

Der Würzburger Steffen Hofmann spielte in der Jugend beim FC Bayern und ist Österreichs „Fußballer des Jahres“. Er wollte unbedingt bei der EM spielen, für Deutschland oder für Österreich – beides ist misslungen



Der Würzburger Steffen Hofmann, 27, ist der „Spieler des Jahres“ in Österreich. Für die deutsche Elf wurde er nicht berücksichtigt, seine Einbürgerung in Österreich scheiterte an einer Formalität. Nun muss er beim Spiel der beiden Teams auf der Tribüne Platz nehmen. Ansichten eines gut gelaunten Ausgebooteten.

Herr Hofmann, am Montag geht es zwischen Deutschland und Österreich um den Viertelfinal-Einzug. Wie ist Ihre Laune?

Gut. Ich habe mich sehr aufs Turnier gefreut, für das Spiel habe ich sogar Karten.

Traurig, dass Sie nicht spielen dürfen?

Es hat halt nicht sollen sein. Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, für den deutschen Kader nominiert zu werden. Aber wenn man in Österreich spielt, ist das eben sehr schwer.

Dabei wurden Sie mit Rapid Wien soeben zum zweiten Mal Österreichischer Meister. Außerdem sind Sie „Spieler des Jahres“. Wieso interessiert sich in Deutschland niemand für Sie?

Die österreichische Liga hat in Deutschland nun mal keinen großen Stellenwert. Dabei könnte Rapid auch in der Bundesliga mithalten, im Mittelfeld.

Nach der Jugend beim FC Bayern machten Sie nur ein Bundesligaspiel für den FC Bayern, 2006 spielten Sie 16 Mal für 1860 München. Wieso kommen Sie in Österreich besser zurecht als in Deutschland?

Das kann man so nicht sagen. Bis jetzt habe ich im Profibereich nur ein halbes Jahr in Deutschland gespielt. Bei 1860 ist sicher einiges daneben gegangen: Der Trainer wurde direkt nach meiner Ankunft entlassen, dann wechselten Präsidium und Management, der Verein stand vor der Pleite. Da war nie Ruhe.

2003 bot Ihnen der Österreichische Fußballbund (ÖFB) an, Sie einbürgern zu lassen. Wie schwer haben Sie sich damit getan?

Ich habe lange nachgedacht. Aber vor dem Hintergrund, dass die Euro 2008 in Österreich stattfindet, habe ich mich letztlich für Österreich entschieden. Denn von hier den Sprung ins deutsche Team zu schaffen, ist fast unmöglich.

Ihre Einbürgerung scheiterte daran, dass der ÖFB die Frist verpasste, sie bis zu Ihrem 23. Geburtstag zu beantragen.

Voraussetzung wäre auch gewesen, dass ich rechtzeitig vor diesem Geburtstag meine österreichische Frau heirate. Ich habe sie aber erst mit 24 geheiratet. Letztlich war es etwas undurchschaubar, und die Schuld liegt nicht nur beim Verband.

2005 bekamen Sie allerdings von Jürgen Klinsmann eine Einladung für die Asien-Reise der Nationalelf ...

… die ich aufgrund einer Mandel-OP absagen musste.

Warum hat es keine weiteren Nominierungen gegeben?

Fragen Sie die Verantwortlichen.

Weil Deutschland mit Ihrem Ex-Internatskollegen bei Bayern, Bastian Schweinsteiger, eine bessere Alternative hat?

Der Schweini ist a Guader, keine Frage.

Sagt Ihnen Karl-Heinz Granitza etwas?

Nein, nie gehört.

Granitza galt in den Siebzigern als möglicher Nachfolger von Gerd Müller im Nationalteam, wechselte aber in die damalige amerikanische Profiliga und wurde der erfolgreichste Deutsche in der Geschichte dieser Liga. Doch in Deutschland vergaß man ihn. Blüht Ihnen ein ähnliches Schicksal?

Das kann passieren. Ich bin in Deutschland nicht annähernd so bekannt wie in Wien. Das hat sich so ergeben, warum soll ich daran etwas ändern?

Zum Beispiel, weil Sie eventuell nochmal in der deutschen Bundesliga spielen wollen.

Ich würde den Schritt versuchen, wenn ich annähme, es würde mir weiterhelfen. Aber ich stehe nicht mehr unter Druck, wie damals, als ich zu 1860 wechselte und glaubte, ich müsste unbedingt auch in Deutschland noch ein Star werden.

Sie sind mit einer Österreicherin verheiratet, für wen schlägt am Montag Ihr Herz?

Wien ist meine zweite Heimat. Aber ich bin Deutscher und freue mich, wenn Deutschland siegt. Aber nur heimlich. Ich sitze im Stadion schließlich neben meiner Frau.

Das Gespräch führte Tim Jürgens.

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