Sport : Es werde Licht

Herthas Fans waren in der Hinrunde nicht viel besser als die Mannschaft – jetzt im Kampf gegen den Abstieg soll sich das ändern

André Görke,Stefan Hermanns

Von André Görke

und Stefan Hermanns

Berlin. Vor einer Woche saß Eyjölfur Sverrisson auf der Tribüne des Bremer Weserstadions und jammerte leise vor sich hin. Der Isländer hatte sich extra auf den weiten Weg gemacht, um seinen früheren Arbeitgeber zu sehen, für den er viele Jahre gespielt hatte. Doch auch sein Beistand nutzte nichts; Hertha verlor 0:4, und Sverrisson sagte: „Ich bin traurig, dass es so weit gekommen ist.“

Wenn die Menschen trauern und leiden und nicht hämisch über Hertha lachen, gibt es zumindest Hoffnung. Viele hatten nach der Verpflichtung des neuen Trainers Hans Meyer gedacht, dass es nach der Winterpause aufwärts gehen würde. Dann aber verloren die Fußballer in Bremen deutlich, und erste Resignation hat sich in der Stadt breit gemacht. Er sei wohl der Einzige, der überhaupt noch Optimismus ausstrahle, hat Hans Meyer jetzt gesagt. Doch in der größten Not rückt der Klub nun zusammen. Vor dem heutigen Spiel gegen den VfB Stuttgart im Olympiastadion haben die Verantwortlichen des Klubs über die Werbeplakate in der Stadt einen kleinen, roten und damit auffälligen Zettel geklebt. „Wir brauchen eure Unterstützung jetzt!“

Bisher war es so, dass die Unterstützung im Olympiastadion ziemlich dürftig ausfiel. Die Fans haben eher gepfiffen, als ihre Mannschaft nach vorne geschrien. Das mag am unbeliebten Trainer Huub Stevens gelegen haben, an der Baustelle im Stadion, an den vielen Niederlagen. Doch jetzt ist der neue Trainer da, das Stadion fast fertig. Mehr als 40 000 Plätze sind schon überdacht, und gegen Stuttgart wird heute die neue Flutlichtanlage in Betrieb genommen. Vielleicht ist das ein kleines Zeichen: Es werde Licht.

In der Hinrunde hat Hertha nur ein Heimspiel gewonnen, doch Meyers Hoffnung auf den Klassenerhalt gründet vor allem darauf, dass die Mannschaft im Olympiastadion erfolgreicher auftritt. Neunmal spielt Hertha noch zu Hause. Neun Siege brächten 27 Punkte. Macht mit den bereits vorhandenen 13 Punkten 40. Das reicht, um in der Liga zu bleiben.

Das Spiel gegen die Stuttgarter ist für die Spieler eine Bewährungsprobe. Es ist aber auch eine für die Fans. Herthas Anhänger gelten in der Liga als Erfolgs- und Schönwetterfans. Jetzt aber sind sie in einer Situation, in der sie zeigen können, dass sie nicht der Champions League hinterhertrauern, sondern nur noch an die Rettung denken. Die Atmosphäre der Heimspiele kann nur besser werden. Lauter und schroffer, so wie es nach dem Aufstieg war, als der Gegner bei Ballkontakten ausgepfiffen wurde, als hätte man die Fans persönlich beleidigt. Damals, als der Zuschauerschnitt bei 53 000 lag, war Hertha eines der erfolgreichsten Heimteams der Liga. In den vergangenen drei Jahren wurde die Bilanz immer schlechter. In dieser Saison hat Hertha von 24 möglichen Punkten im Olympiastadion nur sechs geholt. Kein anderes Team ist vor eigenem Publikum schlechter. „Wenn sich das nicht grundlegend ändert, steigen wir ab“, sagt Hans Meyer.

Für das Spiel gegen Stuttgart sind schon mehr als 30 000 Karten verkauft worden. Es ist keine Euphorie und keine Aufbruchstimmung zu spüren, aber zumindest das Gefühl, dass die Stadt ihrem Verein helfen will. Sogar Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wird heute im Stadion sitzen, dabei hat der nach Angaben aus Senatskreisen „überhaupt keine Ahnung vom Fußball“. In Berlin ist es nun einmal so: Mittelmaß interessiert nicht. Das hat Hertha in den vergangenen Jahren merken müssen, als immer mehr Zuschauer zu Hause blieben, obwohl sich der Verein stets für den Uefa-Cup qualifizieren konnte. Heute ist Hertha BSC nicht mal mehr Mittelmaß. Und ausgerechnet dadurch könnte der Verein wieder interessant werden.

„Wir dürfen keinen Pessimismus oder Resignation verbreiten“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Um die Stimmung zu verbessern, werden Bratwürste heute für einen Euro verkauft. Und erstmals in dieser Saison soll wieder eine Blaskappele die Fans und die Mannschaft aufmutern.

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