Sport : Etappe um Etappe

Radprofi Fothen überzeugt beim Giro und will eines Tages die Tour gewinnen

Mathias Klappenbach

Berlin - Bisher waren es maximal fünf Tage. Eine längere Rundfahrt hatte Markus Fothen noch nie hinter sich gebracht. Und jetzt gleich dieses überraschende Ergebnis beim drei Wochen und 3500 Kilometer langen Giro d’Italia. „Wenn mir vorher einer den zwölften Platz angeboten hätte, ich hätte sofort eingeschlagen“, sagte der 23-Jährige. Halb im Spaß, halb mit gesundem Selbstbewusstsein hatte er vor der Italien-Rundfahrt einen Platz unter den ersten Fünfzehn angekündigt. Ernsthaft dran geglaubt hat er erst, als ihm auf den schweren Bergetappen „die Beine aufgingen“ und er beim so stark wie seit vielen Jahren nicht besetzten Giro mit den Besten mithalten konnte.

„Meine Ambition war es immer, Klassementfahrer für große Rundfahrten zu werden“, sagt der Jungprofi vom Team Gerolsteiner. „Ich träume vom Tourstart und vom Toursieg. Träumen ist ja schließlich erlaubt.“ Deutschland hat für die Zeit nach Jan Ullrich und Erik Zabel mehrere große Radsporttalente wie Fothens Teamkollegen Fabian Wegmann oder Linus Gerdemann vom Team CSC. Aber keiner scheint fahrerisch schon so vielseitig und gleichzeitig noch entwicklungsfähig zu sein wie Markus Fothen.

Bis vor eineinhalb Jahren kümmerte sich der gelernte Landwirt noch um den heimischen Hof bei Neuss, jetzt wird er als die große Neuentdeckung und schon als Nachfolger für Jan Ullrich gehandelt. „Sein Weg geht in Richtung Rundfahrten. Er ist ein guter Zeitfahrer und kommt auch gut über die Berge“, sagt Teammanager Christian Henn. Vor zwei Jahren wurde Fothen U-23-Weltmeister im Zeitfahren bei den Amateuren, danach bekam er bei Gerolsteiner seinen ersten Profivertrag und überzeugte mit einem Sieg beim anspruchsvollen „Grand Prix Schwarzwald“. Schon vor dem Giro hatte sich Fothen einen guten Namen gemacht, für die nächste Saison hat er nach eigenen Angaben bereits Anfragen von mehreren Rennställen. Natürlich will auch Gerolsteiner den auslaufenden Vertrag verlängern. „Man hat mich aufgebaut, und es macht mächtig Spaß, hier zu fahren“, sagt Fothen. Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer will sich bald mit Fothen zusammensetzen. Beim Giro befreite ihn die Teamleitung von allen Aufgaben im Feld, damit er sich selbst durchbeißen konnte, und nun könnte Fothen sogar im Juli bei der Tour de France gleich seine zweite schwere Rundfahrt bestreiten. Durchhalten muss er dann nicht, es ginge eher darum, Erfahrungen zu sammeln, um irgendwann ganz vorne mitfahren zu können. „Als Ullrich 1997 die Tour gewann, war das ein Gänsehaut-Erlebnis für mich“, sagt Fothen, der sich noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung sieht: „Die älteren Fahrer haben noch einen großen Kraftvorsprung. Bei Etappen jenseits der 200 Kilometer bekomme ich noch Probleme.“

Ullrich sagt, dass ihn jede Tour-Vorbereitung ein Lebensjahr koste. Der 31-Jährige hat sich bisher nur darauf festgelegt, dass er 2006 noch fahren will, danach wäre Platz für neue Radsporthelden. Fothen sagt: „Ich brauche noch zwei Jahre.“ Wofür, hat er im Detail nicht erklärt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar