Sport : Etatposten Preisgeld

German Open 2003 sind für den Tennis-Bund ein teures Vergnügen

Frank Bachner

Berlin. Der Anruf in der Sportredaktion des Sender Freies Berlin (SFB) löste für ein paar Minuten intensive interne Recherchen aus. Am Telefon war Jan Kohne, der Geschäftsführer der Holding des Deutschen Tennis Bundes (DTB), und er hatte da von einem Freund etwas gehört. Deshalb frage er jetzt nach. Ob es denn wahr sei, dass der Regionalsender doch „Aktivitäten“ entwickle. Dass er, genau gesagt, jetzt doch überlege, das Frauen-Tennisturnier German Open 2003 (5. bis 11. Mai) live zu übertragen. Für Kohne ist die Frage bedeutsam, schließlich veranstaltet die DTB-Holding das bedeutendste Frauen-Tennisturnier in Deutschland. Doch beim SFB erfuhr Kohne vor kurzem nur, was der Sender offiziell schon zuvor mitgeteilt hatte: keine Live-Übertragung. „Dieser Anruf zeigt, dass der DTB nach jedem Strohhalm greift“, sagt ein SFB-Sportreporter.

Das hat er auch bitter nötig. Denn das Turnier 2003 droht zum finanziellen Desaster für die ohnehin klamme DTB-Holding zu werden. Turnierdirektor Eberhard Wensky rechnet mit 250000 Euro Verlust, weil weder ARD noch SFB live übertragen. Die DTB-Holding muss nicht bloß auf 1,1 Millionen Euro Fernsehgelder verzichten, weil der TV-Vertrag bisher nicht verlängert wurde. Sie hat vor allem zusätzliche Ausgaben. Genau gesagt: 1,224 Millionen Dollar an Preisgeldern. Diese Erfolgsprämien hatte bis 2002 der German Open-Vermarkter IMG überwiesen. Der Betrag war Teil einer Garantiesumme, die IMG an den Turnierveranstalter bezahlte. Dafür aber durfte IMG die Sponsorengelder behalten. Doch für IMG rechnet sich das Ganze offenbar nicht mehr. Deshalb gab es den Posten Preisgelder gerne ab. Aber auch von einer Garantiesumme ist keine Rede mehr. IMG sucht Sponsoren, aber die Einnahmen gehen an die DTB-Holding. Abzüglich einer Prämie für IMG selbstverständlich. Doch weil die Holding jetzt die Preisgelder überweisen muss, nützt es ihr wenig, dass der Deutschland-Chef von IMG, Christian Pirzer, stolz verkündet: „Wir haben elf Sponsoren für die German Open. Kein Turnier in Deutschland von ähnlicher Bedeutung kann so viele Sponsoren vorweisen.“ Diese elf Sponsoren zahlen aber insgesamt nicht mehr als 2002. Die DTB-Tochter kann also aus diesem Topf ihre Mehrausgaben nicht mal teilweise finanzieren. Und über Eintrittsgelder sind Lücken im Etat auch nicht zu stopfen.

Für die DTB-Holding ist die Situation also prekär. Sie schrammte ohnehin erst im März an der Insolvenz vorbei. 8,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten hatte die Holding. Nur weil Banken der DTB-Tochter 4,25 Millionen Euro erlassen hatten und der Hamburger Senat für den Rest der Verbindlichkeiten eine Bürgschaft übernimmt, steht die DTB-Holding nicht am Abgrund.

Kein Wunder also, dass Kohne nervös ist. Vor allem, weil ihm längst die Zeit weg läuft. „Für den Aufbau der Produktion fürs Turnier ist es eigentlich zu spät“, sagt SFB-Fernseh-Sportchef Jochen Sprentzel. Na gut, das Fernsehen reagiert notfalls kurzfristig, aber es fehlt schlicht am Interesse. Bleibt Kohne also nur die Hoffnung, dass die ARD wenigstens 2004 überträgt.. Aber das Prinzip Hoffnung allein greift nicht. „Verlassen Sie sich darauf, dass wir einen Plan B haben, wenn das Fernsehen ausfällt“, sagt Kohne. Plan B? Interessant. Wie der aussieht, sagt er allerdings nicht. Er muss ihn aber auch nicht umsetzen. Kohne scheidet Ende Juni aus.

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