Sport : Etwas zu brav

Kaiserslauterns Problem sind die Routiniers

Hartmut Scherzer[Dortm]

Matthias Henn, 19 Jahre alt, hatte einmal klar Hand gespielt und dann auch noch Dede im Strafraum gefoult. Das Ergebnis: Das Spiel lief weiter beziehungsweise: Dede erhielt Gelb; Schiedsrichter Gräfe hatte eine Schwalbe gesehen. Keine Elfmeter gegen den 1. FC Kaiserslautern, keine Gelbe Karte gegen den Pfälzer Profi Henn, und 76 000 im Dortmunder Westfalenstadion, die wütend pfiffen. Aber Gräfes Entscheidungen schadeten nicht wirklich. Borussia Dortmund gewann 4:2 gegen Kaiserslautern. Trotzdem, Dortmunds Trainer Bert van Marwijk war sauer: „Unglaublich, dass so etwas passieren kann. Wir müssten eigentlich einen Elfmeter haben, verlieren aber einen Spieler für die nächste Woche.“ Es war Dedes fünfte Gelbe Karte.

Vor dem Anpfiff hatte Stadionsprecher Norbert Dickel noch getönt: „Wir werden die Lauterer wegputzen.“ Weitaus gedämpfter bestätigte Dickel dann freilich das 1:0 für Lautern durch Altintop (4.) und das 2:2 durch Amanatidis (42.). Wenigstens durfte er auch zwei Dortmunder Torschützen mitteilen: Ewerthon (12.) und Kehl (28.).

Kaiserslauterns Trainer Hans-Werner Moser war mit seinem Team teilweise zufrieden. „In der ersten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir auch auswärts etwas riskieren.“ Doch dann brachen die Pfälzer ein. „Wir haben die Ordnung verloren“, klagte Moser. Zwei Kopfballtore von Jan Koller (61./74.) waren die zwangsläufige Folge des Dortmunder Drucks. Der Lauterer Ciriaco Sforza war mit zwei schönen Pässen nur Inspirator der beiden Lauterer Tore. Mehr Geistesblitze hatte der Stratege nicht. Kaiserslautern hatte folglich keine weitere zwingende Tormöglichkeit.

Kaiserslautern musste mit einer Verlegenheits-Viererkette antreten, in der nur Hertzsch eine feste Größe war. Deswegen war Henn überhaupt ins Aufgebot gekommen. In einer zerfahrenen Mannschaft war der Youngster zwangsläufig etwas überfordert. Moser aber sagte: „Er hat mehr als ansatzweise gezeigt, dass er eine Zukunft hat.“

Die Jungen sind denn auch nicht das Problem des Trainers. Moser ist „enttäuscht, weil es die Routiniers nicht geschafft haben, 90 Minuten konsequent Zweikämpfe zu bestreiten“. Am Samstag kommen die Bayern auf den Betzenberg. Moser will die Mannschaft für dieses Spiel „hinbiegen“ und verspricht: „Wir werden alles versuchen, den Bayern das Leben so schwer wie möglich zu machen.“ Ob sich daran auch Henn beteiligen wird, steht allerdings noch nicht fest.

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