• Euro 2000: Fußballstars als Kaltduscher - Im organisatorischen Bereich gibt es noch manches Problem

Sport : Euro 2000: Fußballstars als Kaltduscher - Im organisatorischen Bereich gibt es noch manches Problem

Gute Atmosphäre und hoher Sicherheitsstandard in den Stadien, aber auch Mängel in der Organisation: Nach dem Auftakt-Wochenende bei der Fußball-Europameisterschaft 2000 hat es in Belgien und Holland Kritik an den zum Teil provinziellen Planungen bei der ersten in zwei Ländern ausgespielten EM gegeben. "In organisatorischer Hinsicht sind die total überfordert", sagte ein ranghoher Funktionär der Europäischen Fußball-Union (Uefa), der namentlich nicht genannt werden wollte. In den Arenen herrschte aber gute Stimmung. Nach Einschätzung von Bundesliga-Profi Marc Wilmots (FC Schalke 04) ist sie allerdings von südländischer Begeisterung noch ein gutes Stück entfernt und deshalb steigerungsfähig.

"Die Stimmung war gut, sie könnte aber noch besser sein", urteilte der Belgier nach dem 2:1 im Eröffnungsspiel über Schweden. Dagegen zeigte sich am Montag in Rotterdam EM-Organisationsdirektor Harry Been nach dem Auftakt-Wochenende von der EM-Atmosphäre sehr angetan. "Wir sind begeistert", sagte Been. Das Ziel, aus dem EM-Turnier ein Fest zu machen, sei bisher erreicht worden, meinte Been zufrieden.

Während es im König-Baudouin-Stadion ebenso wie in den Arenen in Brügge, Arnheim und Amsterdam keine Auseinandersetzungen gab, waren in der Brüsseler Innenstadt in der Nacht zum Sonntag einige Tausend belgische Fans mit der Polizei aneinander geraten. 48 Personen wurden vorläufig festgenommen. Dafür blieb die Stadion-Stimmung vor allem dank der Heimsiege der EM-Gastgeber Belgien (2:1 gegen Schweden) und Niederlande (1:0 gegen Tschechien) ungetrübt.

Kritische Stimmen betrafen die Organisation. In Lüttich, wo die deutsche Elf gestern ihr Auftakt-Match gegen Rumänien bestritt, fehlten Hinweise darauf, dass auch in dieser belgischen Stadt überhaupt EM-Spiele stattfinden, fast völlig. Schilder zum Stadion Sclessin waren kaum zu entdecken. Kein Wunder, dass Rumäniens Busfahrer am Sonntag auf dem Weg zum Training nicht gleich den Eingang der 1984 erbauten Arena fand und mit dem Nationalteam 20 Minuten lang Ehrenrunden um das Stadion herum drehte. Nach der Übungseinheit mussten die Rumänen, wie später auch die DFB-Elitekicker, beim Duschen mit kaltem Wasser vorlieb nehmen.

"Die Organisation ist sehr schlecht. Es ist unmöglich, sich bei diesen Begleiterscheinungen optimal vorzubereiten", schimpfte Rumäniens Trainer Emerich Jenei. "Erst haben sie bei der Einreise jeden unserer Spieler fünf Minuten bei der Passkontrolle festgehalten, und jetzt das. Das ist nicht normal", fluchte Superstar Gheorge Hagi. In Brügge waren beim ersten Auftritt von Weltmeister Frankreich gegen Dänemark (3:0) einige Ordner nicht ganz im Bilde: Sie schickten ortsunkundige Fans und Journalisten in die falsche Richtung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben