Eurocup-Viertelfinale : Kopf behalten

Während Alba mit dem 61:67 bei Hapoel Jerusalem zufrieden ist, hadern die Israelis mit dem Ergebnis.

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Berlin - Als die Schlusssirene ertönte, sahen die Spieler von Hapoel Jerusalem nicht wie Sieger aus. Gerade hatten sie Alba Berlin mit 67:61 (30:18) niedergerungen, dabei allerdings einen zwischenzeitlichen 20-Punkte-Vorsprung auf am Ende sechs Punkte schmelzen lassen. Nun riss niemand die Arme in die Höhe, mit eher hängenden Köpfen klatschten die Gastgeber ihre Gegenspieler ab. Aber auch in der Kabine der Berliner Basketballer herrschte keine Euphorie. „Alle waren körperlich einfach nur kaputt“, berichtete Albas Sportdirektor Henning Harnisch am Tag nach dem Hinspiel des Eurocup-Viertelfinales.

Noch in der Nacht machte sich Albas Mannschaft auf die strapaziöse Heimreise nach Berlin. Am Sonnabend sind die Artland Dragons in der Arena am Ostbahnhof zu Gast, ehe Alba am kommenden Mittwoch vor wahrscheinlich ausverkauften Haus die sechs Punkte Rückstand aus dem Hinspiel aufholen muss, um ins Final-Four-Turnier in Vitoria einzuziehen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir mit sechs Punkten zurückliegen“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic. „Aber es ist erst eine Halbzeit gespielt.“ In Jerusalem war Pavicevics Team am Mittwochabend schlecht gestartet, beeindruckt von der feurigen Atmosphäre in der engen Malha-Arena hatten die Berliner große Probleme im Angriff und lagen schnell deutlich zurück. „Hapoel hat das Spiel schnell an sich gerissen“, sagte Pavicevic. „Wir mussten uns sehr konzentrieren, um den Kopf nicht zu verlieren.“ Den Gastgebern gelang es über weite Strecken des Spiels hervorragend, Albas beste Werfer Julius Jenkins und Blagota Sekulic aus dem Spiel zu nehmen.

Derrick Byars reißt das Spiel an sich

Als Jenkins auch noch mit Foulproblemen auf die Bank musste, riss sein Vertreter Derrick Byars das Spiel an sich. „Er war offensiv und defensiv voll da, auch im Rebound“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi über den 25-Jährigen, der 17 Punkte erzielte. Immer wieder brachte Byars das tobende Jerusalemer Publikum durch einen Dreipunktewurf oder einen artistischen Korbleger zum Verstummen. „Hapoel hatte Derrick nicht auf der Rechnung“, sagte Baldi. „Und wir haben ihn immer wieder gesucht. Das war erfreulich.“ Der im November verpflichtete US-Amerikaner hatte schon mehrmals angedeutet, dass er ein wichtiger Baustein im Team von Pavicevic sein kann. Allerdings wirkte er oft noch wie ein Fremdkörper in Albas für ihn ungewohnt durchorganisiertem Spiel und hatte Schwierigkeiten, in seiner begrenzten Einsatzzeit seine Rolle zu finden. Das könnte sich nun geändert haben. „Es ist gut zu wissen, dass wir verschiedene Optionen haben“, sagte Baldi: „Auch im Hinblick auf das Rückspiel.“

Die Gastgeber haderten am Ende mit dem aus ihrer Sicht doch eigentlich positiven Ergebnis. „Das Wichtigste ist, dass wir gewonnen haben“, sagte der ehemalige Berliner Dijon Thompson, der mit zehn Punkten, fünf Rebounds und fünf Assists ein starkes Spiel gegen seinen alten Klub ablieferte. „Aber wir hätten einen größeren Vorsprung haben müssen. Ich hoffe, es wird im Rückspiel reichen.“ Hapoels Trainer Guy Goodes hatte den Eindruck, seine Mannschaft sei in der zweiten Hälfte müde und ein bisschen unkonzentriert gewesen, das habe Alba zurück ins Spiel gebracht. „Jetzt steht aber Alba unter Druck“, meinte Goodes. Sein Berliner Kollege widersprach ihm allerdings sofort: „Ich habe immer Druck, seit dem ersten Spieltag der Saison“, sagte Pavicevic. „Druck ist einfach ein großer Teil dieses Sports und wir müssen damit am Mittwoch umgehen, wie in jedem anderen Spiel auch.“

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