Euroleague : Ein Sieg für die Seele

Albas Basketballer gewinnen ein bedeutungsloses Spiel der Euroleague in Bamberg 75:72 und holen sich Selbstvertrauen für den Pokal.

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Eigentlich hatte das Spiel zwischen den Baskets Bamberg und Alba Berlin ausschließlich statistischen Wert. Beide Teams sind längst aus der Zwischenrunde der Euroleague ausgeschieden. Und doch ging es gestern Abend in der Bamberger Arena um einiges: Krisenbewältigung. Die Berliner hatten sechs der vergangenen sieben Spiele verloren, Bamberg alle zurückliegenden sechs. Zum Streicheln der angeschlagenen Basketballer-Seelen kam das Duell der Erzrivalen deshalb gerade recht. Zumindest für die Berliner, die den Basketball-Klassiker 75:72 (42:42) gewannen und mit einem Erfolgserlebnis in das ungleich wichtigere Pokalhalbfinale am Samstag in Berlin gegen den FC Bayern München gehen. Albas bester Werfer war Deon Thompson mit 15 Punkten, Neuzugang Ali Traoré kam auf 14.

Nach einem ausgeglichenen ersten Viertel führten die Berlin 21:19. Im zweiten Abschnitt bestätigte der Neuzugang Ali Traoré seine aufsteigende Form. Der bullige Center zeigte vieles: Einen Hakenwurf, eine lässige Körpertäuschung mit anschließendem Korbleger und dazu auch noch Ballgewinne durch harte Verteidigung gegen Bambergs Bostjan Nachbar. So brachte Traoré Alba mit zwei Körben in Front. Alba konnte sich nach einem Korbleger von DaShaun Wood sogar auf 37:30 absetzen. Doch gegen Ende der Halbzeit drehten die Bamberger noch einmal auf und gingen angetrieben von ihrem Kapitän Casey Jacobsen ihrerseits 42:40 in Führung. Die letzte Aktion der Halbzeit gehörte DaShaun Wood. Der Point Guard mit zuletzt aufsteigenden Leistungen dribbelte und dribbelte und ließ sich bis zur letzten Zehntelsekunde Zeit, ehe er seinen Wurf im Regenbogen-Winkel abfeuerte. Und traf. 42:42.

Auch im dritten Viertel blieb der Basketball-Klassiker eng. Zwar traf Anton Gavel mit einem Dreipunktewurf zum 52:46, doch Thompson und Yassin Idbihi brachten Alba wieder heran. Gegen Ende des Abschnitts profitierte Alba ein wenig von der Unerfahrenheit des 21-jährigen Philipp Neumann. Zuerst vergab der stets etwas aufgeregt wirkende Center zwei Freiwürfe, dann schaffte er es trotz Foul nicht, Albas Thompson zu stoppen. 59:58 für Alba.

Im letzten Viertel nahm das Spiel noch einmal an Intensität zu. Das unsportliche Foul von Daniel Schmidt an Wood gleich zu Beginn war nicht überhart, sondern eher Ausdruck des unbedingten Siegeswillen der Mannschaften. So wie Alba-Spieler Sven Schultze kurz darauf brüllend von der Berliner Bank aufsprang, nachdem Traoré Bambergs Ford mit einem Foul zu Boden brachte. Oder Bambergs Casey Jacobsen zu ungeduldig war, um auf das Personal zum Säubern der Halle zu warten – und sich stattdessen selbst ein Handtuch schnappte.

Zwei Minuten später traf Je’Kel Foster einen Dreier zum 73:70, Bamberg verkürzte auf 72:73. Nach ein paar missglückten Aktionen beider Teams ging Heiko Schaffartzik 6,2 Sekunden vor der Schlusssirene für Alba an die Freiwurflinie – und blieb cool: 75:72. Ballbesitz Bamberg. Die Berliner foulten, sodass Anton Gavel vier Sekunden vor Schluss an die Linie musste. Er verfehlte beide Freiwürfe, die Berliner sicherten sich den Rebound. Dann war er geschafft: Der zweite Sieg in der Euroleague. Aber viel wichtiger: Neues Selbstvertrauen vor dem Pokalspiel für die geschundene Alba-Seele.

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