Sport : Europa ist nah

Hertha BSC schlägt den Hamburger SV 4:2 und wahrt die Chance auf den UI-Cup

Michael Rosentritt

Berlin - Alexander Madlung hat zuletzt keinen guten Stand gehabt bei Hertha BSC. Ende Februar durfte er zum letzten Mal von Anfang an bei den Profis spielen, war anschließend wochenlang in die zweite Mannschaft abgeschoben. Dabei hat der hünenhafte 23-Jährige eine Qualität, die Hertha schon häufiger geholfen hat. Madlung ist der Mann für wichtige Tore. Gestern half er mit seinem wunderschönen Kopfballtreffer zum 2:2 gegen den Hamburger SV, einem fast verlorenen Spiel die Wende zu geben. Am Ende siegten die Berliner 4:2 (1:2) und wahrten die Chance auf den UI-Cup. Der HSV dagegen hat die vorzeitige Entscheidung um Platz zwei verspielt. In einer Woche geht es gegen Bremen um die direkte Champions-League-Qualifikation.

Nach dem Spiel stolzierte ein durchgeschwitzter Madlung an den Reportern vorbei. Auf die Frage nach seinem Tor nach einer Freistoßflanke Marcelinhos bemerkte er knapp: „Ich kenne die Flugkurve seiner Bälle.“ Dabei war sein Einsatz gar nicht geplant. Da aber Dick van Burik beim Warmlaufen Probleme hatte, rutschte Madlung in die Startformation. Und die hatte zunächst wie schon vor vier Tagen beim 1:5 gegen Leverkusen erhebliche Probleme. Erneut machte sich das Fehlen Yildiray Bastürks bemerkbar, der von den Hertha-Fans zum Spieler der Saison gewählt wurde. Nach zehn Minuten lagen die Berlinern durch ein Freistoßtor von Piotr Trochowski 0:1 hinten. Niko Kovac und Josip Simunic hatten ein Loch in die eigene Abwehrmauer gerissen. Es war für Hertha bereits das 21. Gegentor nach einer Standardsituation.

Josip Simunic stand etwas überraschend in der Startelf, gehörte aber nicht zu den Spielern wie Vaclav Sverkos, Gerhard Tremmel, Oliver Schröder, Thorben Marx und Kovac, die vor dem Anpfiff von Herthas Manager Dieter Hoeneß vor 74 218 Zuschauern im letzten Saisonheimspiel im Olympiastadion verabschiedet wurden. Offensichtlich haben die Berliner noch Hoffnungen, den kroatischen Nationalspieler weiterbeschäftigen zu können. „Das endgültige Signal wollte er noch nicht geben“, sagte Hoeneß hinterher.

Gemeinsam mit Arne Friedrich und Madlung bildete Simunic eine Dreierkette, vor der Trainer Falko Götz ein kompaktes Mittelfeld aufgebaut hatte. Allerdings war der Abstand zwischen Abwehr und Mittelfeld in der ersten Halbzeit zu groß. Oft genügte dem HSV ein langer Pass, um die komplette Defensive der Berliner auszuhebeln. Kurz nachdem Andreas Neuendorf den Ausgleich erzielt hatte, ging der HSV durch ein Tor von Benjamin Lauth erneut in Führung. Herthas Brasilianer Gilberto war zuvor ein fahriges Kopfballrückspiel unterlaufen. Beide Mannschaften hatten in der Folgezeit gute Torchancen. Marcelinho scheiterte am Hamburger Torwart Kirschstein, Marko Pantelic köpfte an den Pfosten; auf der Gegenseite traf Barbarez zweimal die Latte, zudem rettete Christian Fiedler glänzend gegen Ailton. „Das Spiel hatte am Anfang Parallelen zum Dienstag“, sagt Trainer Götz. Nach dem Platzverweise habe man aber gesehen, „wie die Mannschaft lebt“.

Bevor Neuendorf, der nach einer Stunde einen Elfmeter schinden wollte, den Rasen verlassen musste, hatte Madlung zum 2:2 getroffen. Eine Viertelstunde später trat Marcelinho, der sich später die fünfte Gelbe Karte abholte und wie auch Neuendorf für das Spiel in Nürnberg gesperrt ist, einen zum Verwechseln ähnlichen Freistoß. Diesmal war Kovac statt Madlung dran – 3:2. Drei Minuten später erhöhte Pantelic sogar auf 4:2.

„Ich wusste, dass der Dolli nach dem Platzverweis volle Kanne gehen würde, deswegen war es wichtig, dass wir gut standen“, sagte Götz, der Sofian Chahed für Ellery Cairo ins Spiel gebracht hatte. Thomas Doll hatte am Ende eine einfache Erklärung für das Ergebnis: „Hertha war heute einfach kerniger.“

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