Europa League : 4:4 gegen Valencia - Werder draußen

Das pure Spektakel: 1:3 zur Pause, ein erneutes "Wunder von der Weser" lag in der Luft, doch alles Aufbäumen half nichts. Werder Bremen ist nach einem packenden Spiel in der Europa League gescheitert.

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Werder
Der Bremer Marko Marin (M) und Carlos Marchena (l) sowie Torwart Cesar Sánchez aus Valencia kämpfen um den Ball. -Foto: dpa

BremenMan kann nicht behaupten, dass in Bremen nicht alles versucht wurde. Es war kurz vor 20 Uhr, als Christian Stoll, der Stadionsprecher des SV Werder ganz tief in seinen Erinnerungen kramte, um in der Halbzeitpause des Achtelfinals der Europa League gegen den FC Valencia der Kundschaft noch einmal Mut zuzusprechen. „Als ich noch mit der Rassel um den Weihnachtsbaum lief, haben wir schon einmal aus einem 0:3 gegen den RSC Anderlecht noch ein 5:3 gemacht“, rief Stoll den 24 200 Zuschauern zu. Doch so eine grün-weiße Sensation wie in jenem Dezember 1993 ist auch für die wundererprobten Bremer nicht auf Knopfdruck wiederholbar. 1:3 lagen die Gastgeber nach 45 Minuten zurück, ehe sie tatsächlich die verlangte Aufholjagd starteten. Am Ende eines schier unglaublichen Schlagabtausches stand es aber 4:4, die cleveren Spanier standen im Viertelfinale. Nach dem 1:1 im Hinspiel hat sich der Vorjahresfinalist des umbenannten Uefa-Cups damit aus dem internationalen Wettbewerb verabschiedet.

„Auf diesem Niveau darf ein Spiel nicht 4:4 ausgehen“, sagte Bremens Klubchef Klaus Allofs verärgert. „Zum erfolgreichen Fußball gehört auch, sich cleverer zu verhalten.“ Zuvor hatte der überragende David Villa Werder im Zusammenspiel mit David Silva die Bremer mit seinen drei Toren fast im Alleingang erledigt, dazu traf Juan Mata für Valencia. Für Werder waren Hugo Almeida, Torsten Frings per Foulelfmeter, Marko Marin und Claudio Pizarro erfolgreich. Das Spiel war das pure Spektakel – und sogar ein Dutzend und mehr Treffer möglich. „Als Mannschaft müssen wir viel besser verteidigen“, sagte Bremens Kapitän Torsten Frings. „Wenn ein Stürmer wie Villa so viel Platz hat, ist es leicht für ihn, Tore zu schießen.“

Die Spanier, dritte Kraft in der Primera Division hinter dem FC Barcelona und Real Madrid, zeigten auf, wozu es dem SV Werder zu einem internationalen Spitzenteam fehlt. Die Gäste nutzten den zentralen Freiraum im Mittelfeld gnadenlos aus und ließ mit Pässen von chirurgischer Präzision in die Schnittstellen auch die Innenverteidiger Naldo und Per Mertesacker letztlich schlecht aussehen. Dafür aber hatte der DFB-Pokalsieger in dem Fight selbst sein offensives Potenzial offenbart. Trainer Thomas Schaaf nahm schon nach 22 Minuten den teilnahmslosen Tim Borowski vom Feld und brachte mit Hugo Almeida einen zweiten Stürmer – es war kein Zufall, dass dem Portugiesen nach Pizarro-Flanke das 1:2 gelang. Auch nach der Halbzeit büßte die Begegnung nichts von ihrem Unterhaltungswert ein. Erst recht nicht, als Frings beim Stand von 1:3 einen an Marko Marin verursachten Elfmeter verwandelte. Und als Marin nach einer schönen Freistoßvariante ins kurze Eck getroffen hatte, schien wirklich noch die Wende möglich – ehe wieder Villa nach einem Konter zuschlug. Doch auch beim Stand von 3:4 waren die Norddeutschen noch nicht geschlagen, weil Pizarro den abermaligen Gleichstand köpfte. In der Schlussphase ging beiden Mannschaften zusehends die Kraft aus, weniger Torchancen gab es deswegen aber nicht.

Zeit zum Verschnaufen bleibt Werder kaum: Keine 45 Stunden nach dem gestrigen Abpfiff gastiert der VfL Bochum an der Weser. Es ist das zweite Mal, dass die Hanseaten nur zwei Tage nach einem Europapokalauftritt in der Liga antreten müssen. Das DFB-Pokalhalbfinale gegen den FC Augsburg am kommenden Dienstag ist für Werder allerdings weitaus wichtiger: Der Finaleinzug würde nämlich aller Voraussicht nach reichen, um auch in der nächsten Saison in der Europa League zu spielen. Und so die Chance auf weitere packende Fußball-Abende wie den gestrigen zu bekommen.

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