Europa League : Dortmunds Tross der Lust

Während sich die Dortmunder in der Liga zuletzt sogar dann durchsetzten, wenn es nicht so gut lief, klappt das in Europa nicht. Der BVB will in der Europa League weiterkommen – und muss dafür in Sevilla siegen.

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Die Nassmacher. Subotic und Hummels wollen auch in Sevilla feiern.
Die Nassmacher. Subotic und Hummels wollen auch in Sevilla feiern.Foto: AFP

Seit Hans-Joachim Watzke bei Borussia Dortmund zum Chef des operativen Geschäfts aufgestiegen ist, hat es sich der Unternehmer aus dem sauerländischen Marsberg zur Angewohnheit gemacht, die Öffentlichkeit nach dem letzten Heimspiel eines Jahres mit warmen Worten zu beglücken. Daran hat er auch Samstagabend nach dem Sieg gegen Bremen festgehalten. Natürlich ist Watzkes Fazit positiv ausgefallen. Der Geschäftsführer sprach von einem „großartigen Jahr für den BVB“, vergaß dabei jedoch nicht zu erwähnen: „Wir haben noch ein bisschen was vor bis Weihnachten.“

Das ist typisch für die Borussia, die mit ihrem Jugendstil die Bundesliga durchwirbelt. Über die Siege darf sich jeder freuen, aber wehe es kommt Selbstzufriedenheit auf. Vom Busfahrer bis zum Linksaußen haben alle im schwarz-gelben Tross verinnerlicht, dass es nichts Wichtiges gibt außer den nächsten 90 Minuten auf dem Rasen.

Und die haben es in sich. Schließlich geht es morgen beim FC Sevilla (21.05 Uhr, live bei Sat 1) um das Überwintern in der Europa League. Nationalspieler Kevin Großkreutz spricht von einem „Endspiel, bei dem wir dafür sorgen wollen, dass unsere Fans weiter reisen dürfen.“ Kein leichtes Unterfangen, denn während die junge Mannschaft in der Liga Spiel um Spiel gewinnt, fehlen auf internationaler Bühne schlicht die Erfolge.

Während sich die Dortmunder in der Liga zuletzt sogar dann durchsetzten, wenn es nicht so gut lief, klappt das in Europa nicht. Manndecker Neven Subotic ahnt, „dass Europa irgendwie anders funktioniert“. Warum das so ist, hat der Serbe beim Hinspiel gegen Sevilla (0:1) erkannt, das der BVB trotz drückender Überlegenheit verlor: „Sevilla hat Klassespieler, die nur eine Chance brauchen.“

Von solchen Erfahrungen kann eine junge Mannschaft profitieren, weshalb die Dortmunder unbedingt im europäischen Wettbewerb bleiben wollen. Um zu lernen, aber auch, um sich das Gefühl zu erhalten, mit jugendlicher Begeisterung alles erreichen zu können. Zudem geht es um zusätzliche Einnahmen, die helfen, das hoch veranlagte Ensemble zu halten. Nach Kevin Großkreutz und Mario Götze (bis 2014) verlängerte nun auch Sven Bender sein Engagement im Revier. Der defensive Abräumer hat sich sogar bis 2016 an den BVB gebunden. „Wir haben immer betont, dass wir versuchen wollen, unsere Mannschaft zusammenzuhalten“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Und Watzke verspricht: „Es wird keiner gehen, bei keinem deutschen Verein ist die Perspektive für einen 21-Jährigen besser.“

Unter anderem ist das so, weil diese Mannschaft von der puren Lust am Fußball getragen wird. Ein Zustand, den es zu bewahren gilt. Auch deshalb reagiert man mit Unverständnis auf Stimmen, die sagen, ein Ausscheiden in Sevilla sei kein Rückschlag. Weil das der Borussia helfen könnte, die Kräfte für den Gewinn der Meisterschaft zu bündeln. Ausgerechnet Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte diese Debatte befeuert, als er den innigen Wunsch äußerte, die Dortmunder mögen doch bitte in Europa weit kommen, „damit sie noch ein bisschen laufen müssen außerhalb der Bundesliga“. Beim Noch-Meister, der dem BVB in der Tabelle mit 17 Punkten Rückstand hinterherhechelt, hoffen sie, dem jungen Team könne die Luft ausgehen. Zorc kontert lächelnd: „Wir hoffen, wir werden den Herrn Hoeneß nicht enttäuschen.“

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