Europa League : Hertha BSC auf dem Weg in die Tiefen des Kontinents

Die Gruppenphase der Europa League ist ausgelost. Hertha BSC muss weit reisen und trifft auf Bilbao, Luhansk und Östersund.

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Pal Dardai ist zuversichtlich, dass Hertha die Gruppenphase übersteht. Foto: AFP PHOTO / Tobias SCHWARZ
Pal Dardai ist zuversichtlich, dass Hertha die Gruppenphase übersteht.Foto: AFP PHOTO / Tobias SCHWARZ

Als der ehemalige Champions-League-Gewinner Eric Abidal (FC Barcelona) das Faltkärtchen mit der Aufschrift „Hertha BSC“ aus der Kugel gepult hatte und die Berliner dem Gruppenkopf Athletic Bilbao zugelost worden waren, nahm das Michael Preetz regungslos zur Kenntnis. Der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten war anwesend, als am Freitagmittag in Monaco die Gruppen für die kommende Spielzeit in der Europa League ausgelost wurden. Demnach bekommt es Hertha neben den Basken noch mit Sorja Luhansk aus der Ukraine und Östersunds FK aus Schweden zu tun.

Noch unter der Woche hatte Herthas Trainerteam Wünsche äußern dürfen, wohin es nach acht Jahren Abstinenz von der Europapokalbühne mal wieder hingehen sollte. Pal Dardai, der Cheftrainer, nahm es rein sportlich. Ein englischer, ein italienischer Klub und einer aus Spanien solle es doch bitte idealerweise sein, also Klubs aus den Topligen des europäischen Fußballs, mit denen man sich messen wolle. Torwarttrainer Zsolt Petry dagegen nahm es pragmatisch. „Bitte nicht so weit fliegen“, sagte Dardais ungarischer Landsmann, das raube nur Energie, deshalb Österreich, Schweiz, Frankreich oder Belgien. Am nächsten kam schließlich Co-Trainer Rainer Widmayer dem tatsächlichen Los. Italien, Spanien und Schweden hatte er getippt, zweimal lag er also richtig.

Spanien, Schweden und die Ukraine sind es geworden, schön verteilt auf dem Kontinent. Dass dieses Europa ganz schön groß sein kann, diese Erfahrung werden die Berliner machen, wenn sie auf Reisen gehen. Östersund ist knapp 1500 Kilometer von Berlin entfernt, Bilbao knapp 2000 und Luhansk in der Ostukraine nahe der russischen Grenze gut 2200 Kilometer. „Wir sind erst einmal froh, zurück zu sein in diesem Kreis hier“, sagte Preetz nach der Auslosung. „Insgesamt ist es eine gemischte Gruppe. Es hätte einen Tick attraktiver sein können, uns aber auch schlechter treffen können“, sagte der 50-Jährige. Aus dem Stegreif konnte der Manager nicht wirklich viel sagen über die Gegner, vielmehr hoffe er, dass zu den Heimspielen der Europa League mehr Zuschauer kommen, als in der Vergangenheit, als Hertha gegen Mannschaften wie Nistru Otaci, Heerenveen oder Amica Wronki spielte.

Man neigt dazu, solche Gegner zu unterschätzen, gerade weil sie keinen großen Namen im europäischen Fußball haben. Der Östersunds Fotbollsklubb beispielsweise, der im Heimstadion auf Kunstrasen spielt, besitzt zwar von allen 48 an der Europa League teilnehmenden Teams den schwächsten Quotienten, doch in der Qualifikation zur Gruppenphase schaltete Schwedens Pokalsieger erst Galatasaray Istanbul aus, in den Play-offs dann noch PAOK Thessaloniki.

„Es ist eine ordentliche Gruppe. Die Reise in die Ukraine wird sicher ein wenig strapaziös“, sagte Dardai am Freitag. Man wolle weiterkommen „und ich glaube, dass wir das schaffen können.“ Seine Mannschaft verfolgte die Auslosung kurz vor der Abfahrt zum Bundesligaspiel nach Dortmund, das am Samstag (18.30 Uhr/Sky) stattfindet. „Einige Jungs hatten sich andere Gegner gewünscht, aber wir sind einigermaßen zufrieden. Bilbao ist unser Gruppen-Highlight und wird unser schwerster Gegner, aber wir bereiten uns genauso auf die anderen Gegner vor“, sagte Dardai, ehe er den Bus bestieg.

Das erste Gruppenspiel für die Berliner ist ein Heimspiel gegen Bilbao am 14. September. Weiter geht es zwei Wochen später in Östersund. Es folgen beide Spiele gegen Luhansk, am 19. Oktober auswärts, das Heimspiel am 2. November. Am 23. November reist Hertha nach Bilbao, den Abschluss bildet am 7. Dezember das Heimspiel gegen Östersund. Die anschließende Zwischenrunde wird am 11. Dezember in Nyon ausgelost. Die Chancen, dass Hertha dann noch dabei ist, sind – ordentlich.

In Monaco wurden die Gruppen der Europa League ausgelost. Foto: Claude Paris/AP/dpa
In Monaco wurden die Gruppen der Europa League ausgelost.Foto: Claude Paris/AP/dpa

Die Auslosung in der Übersicht:

Gruppe A:

Villareal (Spanien)
Maccabi Tel Aviv (Israel)
Astana (Kasachstan)
Slawia Prag (Tschechien)

Gruppe B:

Dynamo Kiew (Ukraine)
Young Boys Bern (Schweiz)
Partizan Belgrad (Serbien)
Skenderbeu Korce (Albanien)

Gruppe C:

Sporting Braga (Portugal)
Ludogorez Rasgrad (Bulgarien)
TSG Hoffenheim
Istanbul Basaksehir (Türkei)

Gruppe D:

AC Mailand (Italien)
Austria Wien (Österreich)
HNK Rijeka (Kroatien)
AEK Athen (Griechenland)

Gruppe E:

Olympique Lyon (Frankreich)
FC Everton (England)
Atalanta Bergamo (Italien)
Apollon Limassol (Zypern)

Gruppe F:

FC Kopenhagen (Dänemark)
Lokomotive Moskau (Russland)
Sheriff Tiraspol (Moldawien)
FC Zlin (Tschechien)

Gruppe G:

Viktoria Pilsen (Tschechien)
Steaua Bukarest (Rumänien)
Hapoel Be'er Sheva (Israel)
FC Lugano (Schweiz)

Gruppe H:

FC Arsenal (England)
Bate Borissow (Weißrussland)
1. FC Köln
Roter Stern Belgrad (Serbien)

Gruppe I:

RB Salzburg (Österreich)
Olympique Marseille (Frankreich)
Viktoria Guimaraes (Portugal)
Konyaspor (Türkei)

Gruppe J:

Athletic Bilbao (Spanien)
Hertha BSC
Luhansk (Ukraine)
Östersund (Schweden)

Gruppe K:

Lazio Rom (Italien)
OGC Nizza (Frankreich)
Zulte Waregem (Belgien)
Vitesse Arnheim (Niederlande)

Gruppe L:

Zenit St. Petersburg (Russland)
Real Sociedad San Sebastian (Spanien)
Rosenborg Trondheim (Norwegen)
Vardar Skopje (Mazedonien)

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