Europa League : Stuttgart verliert im Schneetreiben von Bern

Die Krise des VfB Stuttgart setzt sich nun auch in der Europa League fort: In Bern gab der Tabellenvorletzte der Bundesliga binnen fünf Minuten eine 2:1-Führung aus der Hand und kassierte beim 2:4 bei den Young Boys seine erste Niederlage im fünften Spiel.

Grenzwertige Platzverhältnisse in Bern.
Grenzwertige Platzverhältnisse in Bern.Foto: Reuters

David Degen (35.), Scott Sutter (78.) und Emmanuel Mayuka (81. und 82. Minute) trafen am Mittwochabend bei nahezu irregulären Bedingungen für den Schweizer Vizemeister, Pawel Pogrebnjak (48.) und Sven Schipplock (68.) zwischenzeitlich für den VfB.

"Wir haben genau vier Minuten geschlafen. Da haben wir ein Spiel aus der Hand gegeben, das wir nie hätten aus der Hand geben dürfen", sagte Sportdirektor Fredi Bobic. "Die Jungs haben die Bedingungen angenommen, aber sie haben sich selbst um den Lohn gebracht." Starker und andauernder Schneefall in Bern sorgte zunächst für einen um 30 Minuten verspäteten Anpfiff und dann für einen rutschigen Untergrund auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse. Der Ball versprang ständig, die Spieler fanden kaum Halt und die Helfer streuten sogar Salz auf das Geläuf, damit die Linien einigermaßen sichtbar blieben.

Immerhin blieb diese Niederlage ohne unangenehme Folgen für den VfB. Die Qualifikation für die im Februar beginnende K.o.-Runde hatte er schon vorher geschafft und angesichts seines klaren 3:0-Erfolgs im ersten Duell im September kann er von den Schweizern nun auch nicht mehr vom ersten Platz der Gruppe H verdrängt werden.

Die Schweizer kamen mit den Verhältnissen besser zurecht. Bereits in der dritten Minute traf Senad Lulic die Latte, Degens Führungstor war nur die verdiente Folge des deutlich schnörkelloseren und griffigeren Berner Spiels. Degen traf auf seinen Zwillingsbruder Phillip auf VfB-Seite und war vor 18.627 Zuschauern das auffälligere und am Ende auch glücklichere Familienmitglied. "Das ist ärgerlich. Für mich war dieses Spiel etwas Besonderes", sagte Phillip Degen.

Der VfB kam erst nach der Pause besser ins Spiel und dann ging auch der Plan seines Trainers Jens Keller zumindest in Ansätzen auf. Der wollte Spielern aus der zweiten Reihe wie Ersatztorwart Marc Ziegler, Talent Ermin Bicakcic, Mamadou Bah, Mauro Camoranesi, Pogrebnjak und dem acht Monate verletzten Elson die "Riesenchance" geben, "sich auf hohem Niveau zu präsentieren" (Keller).

Stürmer Pogrebnjak und der eingewechselte Schipplock nutzten die mit ihren Treffern. Der genauso wie Schipplock eigentlich zur zweiten Mannschaft gehörende Bicakcic bot im Abwehrzentrum ein gutes Spiel. Trotz einer deutlichen spielerischen Steigerung in der zweiten Halbzeit gab der VfB die Partie aber noch aus der Hand. Schlechte Vorzeichen aus Stuttgarter Sicht für das deutlich wichtigere Bundesliga-Spiel am Samstag gegen 1899 Hoffenheim, für das Keller eigens sieben Stammspieler geschont hatte: Sven Ulreich, Matthieu Delpierre, Christian Träsch und Cacau blieben genauso zu Hause wie die angeschlagenen Serdar Tasci, Stefano Celozzi und Timo Gebhart.

Und zu allem Überfluss wirkte sich das Schneechaos in Bern auch auf die Rückreise aus: Da der VfB sein Hotel schon verlassen hatte und der Flughafen geschlossen wurde, mussten sich die Stuttgarter nach dem Spiel mit dem Bus auf den Heimweg machen. (dpa)

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