Europa League : Werder bekommt Winterspeck

Bremen sichert sich als erster deutscher Klub in dieser Saison das Weiterkommen auf europäischer Ebene und ist auf bestem Wege, den FC Bayern als internationales Aushängeschild zu überflügeln.

Frank Hellmann[Bremen]
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Torschützen unter sich. Die Bremer Tim Borowski und Hugo Almeida feiern den Erfolg in der Europa League gegen Austria Wien. Foto:...dpa

Sind sie penibel oder peinlich? Das müssen sich gerade die Bremer Behörden fragen lassen. In der Hansestadt tobt ein erbitterter Streit zwischen dem Stadtamt und einem Karstadt-Sporthaus. Die Beamten hatten tatsächlich ein Zwangsgeld von 1000 Euro für jedes verkaufte Trikot von Real Madrid und AC Mailand angedroht, weil auf den teuren Hemden der Schriftzug des in Deutschland verbotenen Wettanbieters Bwin prangt. Die Warenhauskette erhob Klage mit Erfolg. In dem Fall gebe es aber null Toleranz, hieß es daraufhin bei der Behörde - nun geht der Fall schleunigst vors Oberlandesgericht. Werbung für privates Glücksspiel dürfe in Bremen nicht sein. Wie aber verhält es sich eigentlich mit den Glücksspielern des ortsansässigen SV Werder? Ist der Dusel, den der Bundesligist beim 2:0 gegen Austria Wien und dem vorzeitigen Erreichen der Zwischenrunde der neuen Europa League gebrauchte, auch strafbar?

Ungeschlagen seit 18 Pflichtspielen

„Wir hatten Glück“, gab Geschäftsführer Klaus Allofs ja unumwunden zu, der mit Blick auf das Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund seinen Angestellten jedoch empfahl: „Am Sonntag sollten wir uns nicht auf unser Glück verlassen, sondern wieder auf unser Können.“ Immerhin: 18 Pflichtspiele sind die Bremer nunmehr in Serie ungeschlagen und haben als erster Bundesligist das Überwintern im DFB-Pokal und im Europapokal sichergestellt.

Heimlich, still und leise und schicken sich die Hanseaten überdies an, wichtigster deutscher Punktesammler für die Fünf-Jahres-Wertung der Uefa zu werden. Werder hat zweimal das Achtelfinale der Champions League (2005 und 2006) sowie je einmal Halbfinale (2007) und Finale (2009) des Europa-League-Vorgängers Uefa-Cup erreicht und ist damit auf bestem Wege, den FC Bayern als internationales Aushängeschild zu überflügeln.

Der grün-weiße Stabilisator Tim Wiese wirkt Wunder

Eines haben die Bremer den Münchnern schon jetzt auf dieser Bühne voraus: den besseren Torwart. Gerade international entscheiden die Klassekeeper oft die engen Partien, ohne Tim Wieses famose Reaktionen wäre der lange behäbige, bewegungsarme Auftritt gegen die Wiener Austria in die nächste deutsch-österreichische Peinlichkeit ausgeartet.

Wiese erklärte seinen Vorderleuten, die erst durch die späten Treffer von Tim Borowski und Hugo Almeida die Blamage verhinderten, überdeutlich, dass das Larifari-Gekicke endlich wieder ein Ende haben muss. Der 27-jährige Ehrgeizling, als einer von fünf Werder-Profis für die nächsten beiden Länderspiele berufen und mit einer Einsatzgarantie für den 14. November gegen Chile versehen, gilt überdies als einer jener grün-weißen Stabilisatoren, die sich auf Dauer nicht mit der Europa League begnügen werden. So stellte auch Per Mertesacker unlängst klar: „Das reicht mir bei weitem nicht.“ Zumal der Wettbewerb auch finanziell für den Verein unbefriedigend ist: Das Startgeld für die Gruppenphase lag bei 900 000 Euro, die Siegprämien betragen 120 000 Euro das deckt gerade einmal die Reisekosten. Auch der Einzug in die Zwischenrunde ist nur 180 000 Euro wert trotz der zentralen Vermarktung.

Um den Kader auf Dauer zu finanzieren, muss es für Werder Bremen eben wieder die große Königsklassen-Bühne sein. Auch wenn ein Europapokalduell mit dem FC Bayern oder dem Hamburger SV im Frühjahr 2010 unbestrittene Reize hätte.

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