Sport : Europa locht Amerika ein

Beim Ryder Cup feiert das Team des deutschen Kapitäns Bernhard Langer einen triumphalen Sieg

Thomas Lötz[Detroit]

Der Star des Nachmittags gönnte sich erst einmal eine verdiente Auszeit. Nachdem der Schotte Colin Montgomerie am Sonntag auf dem Schlussloch sein Einzel-Match gegen den US-Amerikaner David Toms gewonnen hatte, verschwand der sichtlich erschöpfte 41-Jährige erst einmal im Clubhaus des Oakland Hills Country Club bei Detroit.

Erneut hatte der Schotte der Welt, vor allem aber den US-Amerikanern gezeigt, warum man ihn in Europa „Mr. Ryder Cup“ nennt. Drei Punkte steuerte er schließlich zum 18,5:9,5-Rekordsieg der Europäer bei, der in allererster Linie das Ergebnis einer großartigen Teamleistung war. So lieferten der Engländer Lee Westwood und der mit 24 Jahren jüngste Spieler im Team, der Spanier Sergio Garcia, jeweils 4,5 von maximal 5 Punkten ab. Wobei Garcia mit seinem Sieg über Phil Mickelson am Sonntag den letzten Willen der Gastgeber brach, die sich trotz eines erheblichen Rückstandes von sechs Punkten noch kleine Hoffnungen auf eine Wende zum Guten gemacht hatten.

Während seine Mannschaftskameraden das 18. Grün des vornehmen Oakland Hills Country Clubs mit Champagner und Zigarren in eine amtliche Partyzone verwandelten und jeden weiteren Punkt des eigenen Teams zur geglückten Verteidigung des 2002 in Birmingham errungenen Titels kindlich feierten, stand Montgomerie zunächst abseits des ausgelassenen Treibens und räsonierte. „In Bernhard Langer haben wir einen fantastischen Kapitän gehabt“, sagte der Schotte und es war ihm deutlich anzumerken, wie sehr er es seinem Kapitän und alten Ryder-Cup-Weggefährten dankte, dass dieser ihm mittels einer Wildcard den Weg ins Team geebnet hatte. Denn sportlich betrachtet war das letzte Jahr eines der schwächsten in der Karriere des siebenmaligen Gewinners der europäischen Geldrangliste, privat wuchs es sich mit der Trennung von seiner Frau Eimear zu einer Katastrophe aus.

Bei allem Wissen um Montgomeries außergewöhnliche Fähigkeiten, gestand Langer nach dem Sieg seines Teams ein, nicht immer auf Montgomerie als feste Größe in seiner Mannschaft gebaut zu haben. Zwar habe das Spiel des Schotten sichtlich unter den privaten Problemen gelitten, „aber er hat das extrem gut bewältigt“. Zudem hatten sich alle anderen elf Teammitglieder für ein Mitwirken des Schotten ausgesprochen, wofür der so Geehrte seinen Kollegen auf der abschließenden Pressekonferenz ganz förmlich nochmals dankte.

Am Ende der drei Tage von Oakland Hills stand die größte Niederlage der US-Amerikaner in der 77-jährigen Geschichte des Ryder Cup fest, was vor allem die Frage aufwarf, ob europäische Mannschaften in diesem Wettbewerb überhaupt noch als Außenseiter anzusehen sind. Immerhin haben die jahrzehntelang Unterlegenen von den letzten fünf Auflagen des Ryder Cup vier gewonnen. „Sie finden einfach besser zueinander“, versuchte sich Davis Love in einer Erklärung, „und hier haben sie besser als wir gespielt.“

Phil Mickelson, der mit einem von vier möglichen Punkten zu den großen Verlierern auf Seiten der Gastgeber gehörte, wollte von Statistiken und deren Aussagekraft, die ihm drei Tage lang vorgehalten worden waren, endlich seine Ruhe haben: „Das nächste Mal sind wir nicht die Favoriten, sondern die Underdogs.“ Der nächste Ryder Cup wird in zwei Jahren in der Nähe Dublins gespielt.

Nach der präzisen Arbeit, für die Europas Spieler ihren deutschen Kapitän einhellig lobten, ging es zum Ende des 35. Ryder Cup auch um Bernhard Langers Zukunft. Gefragt worden ist der Deutsche von den Verantwortlichen, diesen Job auch 2006 auszuüben. Doch Langer zögert noch: „Ich werde mir das überlegen und mich mit meiner Frau besprechen. Jetzt wollen wir erst mal feiern.“

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