Sport : Europa lockt

Die Füchse starten in die Saison-Schlussphase – ein Platz in der Champions League ist möglich

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Ausholen zum großen Wurf. Die Füchse, hier Sven-Sören Christophersen in Aktion, wollen aufs internationale Parkett. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Ausholen zum großen Wurf. Die Füchse, hier Sven-Sören Christophersen in Aktion, wollen aufs internationale Parkett. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Nach einer dreiwöchigen Pause beginnt für die Füchse die entscheidende Phase im Kampf um einen Europacup-Platz. Es könnte sogar mit der Champions League klappen. Der Tabellenvierte steht vor dem heutigen Spiel (19 Uhr, Schmeling-Halle) gegen den TBV Lemgo auf Rang vier der Tabelle, der für das Qualifikationsturnier ausreichen würde. „Gelingt es uns, den Platz zu halten, würden wir uns bei der EHF um die Austragung dieses Turniers bewerben“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Die restlichen sieben Saisonspiele sind eine große Herausforderung für das Team von Trainer Dagur Sigurdsson. Was spricht für und was gegen die Füchse auf diesem Weg?

Das Positive: In bester Stimmung ist Rechtsaußen Markus Richwien von den Länderspielen gegen Norwegen zurückgekehrt. „Er hat gut gespielt, wir sind auch mächtig stolz, dass wir mit ihm, Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen drei Nationalspieler haben“, sagt Dagur Sigurdsson. Diese positive Stimmung habe das Trio auf das Team übertragen, das über genügend spielerische Routine verfüge, dem kommenden Druck standzuhalten. Der isländische Coach sieht als Vorteil, dass seine Spieler die Unterstützung der Fans spüren und sich daran aufbauen können. Wobei er bei aller „Träumerei über die Champions League im stillen Kämmerlein“ über die Endchance nicht gerne spricht, sondern immer nur den nächsten Gegner vor Augen hat. Bob Hanning sieht im Vergleich zum Gegner-Septett einen klaren Vorteil der Füchse auf der Torhüter-Position. „Wir haben zwei Top-Leute zur Verfügung“, sagt er, das könne keiner der noch folgenden Gegner aufbieten. Auch bleibt den Füchsen eine Doppel- oder sogar Dreifach-Belastung erspart. Die Mitkontrahenten um Rang vier, vor allem Göppingen und Flensburg-Handewitt, sind dem ausgesetzt. Die Füchse, deren Prunkstück nach einem Durchhänger zu Beginn der zweiten Halbserie wieder die Abwehr geworden ist, können mit ihren Kräften besser haushalten. „Außerdem verfügen wir über eine sehr gute zweite Reihe“, sagt Bob Hanning. „Die Physis wird letztlich zum entscheidenden Faktor werden.“ Aber nicht nur in der 6:0-Deckung, sondern auch im Angriff. So kann sich der Holländer Mark Bult zum Beispiel darauf besinnen, dass er im Vorjahr in den letzten Spielen seine beste Leistung gezeigt hat. „Er bekam bisher nicht so viel Spielanteile, aber das wird sich jetzt ändern müssen“, sagt Sigurdsson, denn die Nummer eins auf Halbrechts, Alexander Petersson, agiert wegen einer Verletzung eingeschränkt. Für die Füchse spricht auch die Zuversicht. „Mir ist überhaupt nicht bange. Wenn ich so denken würde, wäre Angst die Folge. Das Gegenteil ist der Fall“, sagt Sigurdsson.

Das Negative: Die Verletzung des Isländers Alexander Petersson, der in Bestform gegen jede Mannschaft ein überragender Spieler sein kann, trifft die Füchse letztlich doch. „Wir hoffen natürlich, dass wir das bei ihm noch hinbekommen“, sagt Sigurdsson. Er ist auch ein Spieler, der das Team mitreißen kann. Zuletzt unterliefen ihm jedoch ungewöhnlich viele technische Fehler. „Alles eine Frage der Konzentration, jetzt ist jedes kommende Spiel auch ein Endspiel für den Europacup“, sagt Mark Bult. Damit deutet er an, dass die Füchse einem besonderen Druck ausgesetzt sein werden. „Wir sollten unser Ziel bereits vor dem Abschluss in Magdeburg, also schon nach sechs Spielen, erreicht haben. Wenn es dort Anfang Juni erst noch um alles oder nichts gehen sollte, sehe ich geringere Chancen“, sagt Hanning. Auch er hat beobachtet, dass den Füchsen die Leichtigkeit der ersten Saisonhälfte abhandengekommen ist. Dass Gegner wie Hamm und Friesenheim im direkten Abstiegskampf stehen und daher unterschätzt werden könnten, ist unterschwellig eine Gefahr für die Berliner Mannschaft, die zuletzt im Rückzugsverhalten und im Gegenstoß nicht optimal agierte.

Das Fazit: Für die Füchse wird das Spiel gegen den Tabellenachten Lemgo, den Deutschen Meister von 2003, richtungsweisend sein. Dieses Team steht immerhin im Halbfinale des EHF-Cups und hat den Füchsen seit dem Wiederaufstieg schon fünf Niederlagen beigebracht. Zuletzt aber siegten die Füchse im Lemgo 26:24 und deuteten auch damit ihre hohen Ambitionen für die Saison an. „Es wäre unprofessionell, wenn wir uns nicht schon mit dem Thema Champions League beschäftigen würden“, sagt Hanning. „Bei dieser Ausgangslage wäre es eine Riesenenttäuschung, wenn wir letztlich mit leeren Händen dastehen würden.“ Auch das kann nämlich in den sieben Spielen noch passieren.

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