Sport : Europa-Meisterschaft: Ratlosigkeit in der deutschen Nationalmannschaft

Mit neuen Zweifeln und Sorgen im Gepäck ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach dem letzten Test gegen Liechtenstein von Freiburg in ihr EM-Quartier nach Vaals umgezogen. "Jetzt lassen wir uns alle mal überraschen, wie es weitergeht", sagte der Münchner Mehmet Scholl. Der unverdient hohe 8:2-Sieg im Abschlusstest gegen die Amateure aus Liechtenstein brachte für Teamchef Erich Ribbeck nicht die erhoffte Gewissheit in drängenden Personalfragen, sondern war nach den positiven Ansätzen beim Härtetest gegen Tschechien (3:2) eher ein Schritt zurück.

Wird Lothar Matthäus fit? Welches Angriffsduo soll stürmen? Wie soll das Mittelfeld ausgerichtet werden? Schafft Jens Jeremies den Anschluss? Fragen über Fragen, auf die Ribbeck immer noch keine Antworten gefunden hat. Gegen Liechtenstein waren seine Spieler nur dank eines Endspurts mit fünf Toren in den Schlussminuten zum standesgemäßen Sieg gekommen.

Probleme bereitet dem Teamchef vor allem der rechte Oberschenkel von Lothar Matthäus. Der Rekord-Nationalspieler präsentierte sich nach zehntägiger Verletzungspause noch lange nicht wettkampftauglich und musste schon nach 30 wenig überzeugenden Minuten das Feld räumen. "Der Muskelfaserriss ist auskuriert", erzählte Matthäus. "Aber ein anderer Muskel direkt daneben hat zugemacht." Zwar soll er nach Einschätzung von DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt bereits heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, aber die Zeit, sie droht ihm davon zu laufen. Im günstigsten Fall hat Matthäus die körperlichen Beschwerden bis zum Montag auskuriert. Doch bleibt die Ungewissheit, ob er gegen Rumänien tatsächlich zur vollen Zweikampfstärke und Fitness zurückfindet. Gleiches gilt für Jens Jeremies. Der Münchner konnte den Teamchef bei der ersten Bewährungsprobe nach seinem Schlüsselbeinbruch nicht beruhigen.

Auch bei der Besetzung des Mittelfelds kommt Ribbeck nicht voran. Die in der ersten Halbzeit erprobte Variante mit einer Defensiv-Reihe hinter Mehmet Scholl als einzigem Kreativposten endete in kläglicher Einfallslosigkeit. Thomas Häßler musste nach starker Leistung gegen Tschechien zunächst zuschauen. Kapitän Oliver Bierhoff ließ den Unmut darüber durchblicken, dass das Spiel über die Flügel praktisch eingestellt wurde und Flanken ausblieben: "Zur Formation kann ich nichts sagen. Aber ich war doch etwas überrascht, dass auch für die rechte Seite die defensive Variante gewählt wurde. Für uns Stürmer ist es besser, wenn zwei offensive Mittelfeldspieler spielen."

Unbeantwortet ist für Ribbeck auch nach wie vor die Frage nach der Idealbesetzung im Sturm. Bierhoff/Rink, Jancker/Rink, Kirsten/Jancker oder Bierhoff/Kirsten - aus diesen vier Varianten will der Teamchef entscheiden. "In den nächsten Tagen muss im Training entschieden werden, wer spielt", sagte Kirsten - und ließ keinen Zweifel daran, dass er sich in einer guten Position wähnt: "Ich gehe davon aus, dass ich spiele."

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