Sport : Europa rückt auseinander

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Europa rückt zusammen. Bei der Fußball-EM 2020 sollen die Spiele nicht in einem Land, sondern gleich in 13 Ländern stattfinden. Die Idee von Michel Platini, Präsident des europäischen Verbandes, könnte schon bald beschlossen werden. Ein revolutionäres Vorhaben, mit dem die größte europäische Sportveranstaltung breitenwirksamer und kostengünstiger als je zuvor inszeniert werden soll. Allerdings ist es auch eine Idee mit Unwägbarkeiten. Die Europameisterschaft rückt weiter auseinander denn je.

Das Flair, das ein derart großes Event im Veranstalterland versprüht, verkäme zum lauen Lüftchen. Der normal betuchte Fan hätte kaum die Chance, Spiele an verschiedenen Orten zu schauen. Für Menschen in Köln oder München wäre die multinationale EM mit ihren drei geplanten Spielen in Berlin gefühlt so weit weg, als würde sie im Ausland stattfinden. Einen nachhaltigen Imagegewinn für den Ausrichter, die Chance, sich wie Deutschland bei der WM 2006 den Gästen als interessantes und offenes Land zu präsentieren, kann es nicht geben. Mögen der logistische Aspekt und finanzielle Ansatz auch spannend sein – Teams von der Stärke des deutschen könnten in Berlin auf einen Heimvorteil bauen –, so wäre der infrastrukturelle Wert einer solchen Veranstaltung gleich null. In der Vergangenheit haben die Ausrichterländer und die Sportart Fußball – anders als Ausrichter Olympischer Spiele und Weltmeisterschaften in Fußball-Entwicklungsländern – fast immer davon profitiert, dass Stadien und Verkehrswege aufgemöbelt oder errichtet wurden. Die multinationale Europameisterschaft aber würde keine für die Zukunft nützlichen Spuren im Ausrichterland hinterlassen, sie ist nicht mehr als eine Champions League in anderem Gewand. Das Gesamtkunstwerk Turnier wird zerstört. Wer interessiert sich im Austragungsort Madrid dann schon für ein Gruppenspiel zwischen Kasachstan und Tschechien?

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