Sport : Europa rückt immer näher

Trainer Stevens sieht Hertha BSC auf richtigem Weg in den Uefa-Cup

Klaus Rocca

Berlin. An den 11. September vergangenen Jahres wird Huub Stevens nicht gern erinnert. Da verlor Hertha BSC im Olympiastadion 1:2 gegen Mönchengladbach, die Fans feierten mit Falko Götz den Interimstrainer der Vorsaison und schmähten Stevens. Auf Platz 13 standen damals Berlins mit so großen Ambitionen gestartete Bundesliga-Fußballer. Und ihr Trainer wirkte hilf- und ratlos. Am Sonntagabend, nach dem 2:0 am Bökelberg, dem ersten Auswärtserfolg nach drei verlorenen Spielen in der Fremde, verbreitete Stevens Lebensfreude pur. „Ich habe es ja immer gesagt: Bei der Drei-Punkte-Regel ist man ganz schnell wieder dabei“, sagte er. Freilich nur, wenn es um die Uefa-Cup-Plätze gehe. Als ihn ein Journalist nach der Champions League fragte, fuhr ihn Stevens an: „Darüber rede ich gar nicht.“

Immerhin, von vier Spielen im neuen Jahr hat Hertha drei gewonnen. Und wenn am kommenden Sonntagabend der fest eingeplante Erfolg über Arminia Bielefeld perfekt sein sollte, hätte Hertha das geschafft, was in dieser lange Zeit so verkorksten Saison noch nie gelang: drei Siege in Folge. Wie hatte doch Manager Dieter Hoeneß gesagt: „Wir müssen nun endlich mal eine Serie hinlegen, sonst kommen wir nicht mehr oben ran.“

Kürzlich, nach dem Sieg über den Meister aus Dortmund, hielt sich die Freude noch in Grenzen, weil auch die Konkurrenten um einen Europapokal-Platz punkteten. Diesmal erwischte es Stuttgart, Bremen, 1860 München und Bochum, was Herthas Sieg beim potenziellen Absteiger Gladbach besonders wertvoll macht. Und Platz sieben lässt hoffen. Dass Hertha im Oktober nach dem 2:0 in Cottbus schon mal Vierter war, ist fast in Vergessenheit geraten.

Ob Hertha nun auch spielerisch einen Schritt nach vorn gemacht hat, wollte Stevens nicht beantworten. Der Rasen des Bökelbergstadions verbiete jegliche Beurteilung. „Dass man im Jahr 2003 noch auf einem solchen Platz spielen muss, ist nicht zu verstehen“, kritisierte er. Wobei es Stevens in der jetzigen Situation auch weniger darauf anzukommen scheint, das spielerische Niveau zu steigern. Das Erreichen eines Uefa-Pokal-Platzes heißt das Ziel – mit welchen Mitteln, ist eher zweitrangig. Auch, mit welcher Formation.

In Mönchengladbach durfte Dick van Burik nach langer Zeit wieder über 90 Minuten spielen. Er profitierte von Marko Rehmers Verletzung und von der Einsicht des Trainers, ein Spieler könne nur unter Wettkampfbedingungen beurteilt werden. Bekanntlich kämpft van Burik um die Verlängerung seines Vertrages. Ob er Punkte gutgemacht habe, wurde Stevens gefragt. Er bleibt seiner Devise treu, sich ja nicht dezidiert zur Leistung eines Spielers zu äußern. „Die Mannschaft war gut, und dazu gehört auch Dick.“ Ob er auch am Donnerstag beim Uefa-Pokal-Spiel gegen Boavista Porto zur Mannschaft gehört, hängt vom Heilungsverlauf des lädierten Muskels von Rehmer ab.

Der Erfolg am Bökelberg hat Hertha Mut gemacht für das Duell mit Porto. Theoretisch könnte sich der Verein am Ende mit dem Pokal-Finalsieg am 21. Mai für den nächsten Uefa-Cup qualifizieren. „Doch darauf verlasse ich mich nicht“, sagt Stevens. Und daran tut er gut.

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