EUROPACUP IN MÜNCHEN : Die Frühstarterin Obergföll wirft Europarekord

Sprinterin Sina Schielke erfüllt beim Europacup im B-Lauf die WM-Norm

Philip Häfner[München]

Der erste Tag des Leichtathletik-Europacups in München hatte noch gar nicht richtig begonnen, da sorgte die 26 Jahre alte Sina Schielke schon für die erste Überraschung. Im B-Lauf über 100 Meter, der noch vor der Eröffnungszeremonie im Olympiastadion ausgetragen wurde und nicht zur offiziellen Wertung zählt, siegte die Sprinterin des TC Wattenscheid in sensationell schnellen 11,21 Sekunden. Schielke, die unter anderem auch Europarekordlerin Christine Arron (Frankreich) deutlich hinter sich lassen konnte, verbesserte mit der Leistung von München nicht nur ihre eigene Saisonbestzeit gleich um 23 Hundertstelsekunden. Sie lief gleichzeitig auch neue deutsche Jahresbestzeit und unterbot als erste DLV-Sprinterin die Norm für die Weltmeisterschaften in zwei Monaten in Osaka.

„Ich bin absolut glücklich, dass ich die Norm gelaufen bin. Damit war nicht zu rechnen“, sagte Schielke nach dem Lauf. „Ich habe den B-Lauf sehr ernst genommen und bin so schnell gelaufen wie schon seit 2004 nicht mehr.“ Die Bestzeit der 26-Jährigen ist ebenfalls nur wenig schneller. 2002 war sie bei der DLV-Gala in Dortmund nach 11,16 Sekunden ins Ziel gekommen, einer Zeit, der sie anschließend jahrelang hinterherlief. Auch vor zwei Wochen, als in Regensburg die Startplätze für den europäischen Teamwettbewerb vergeben wurden, blieb Schielke hinter den Erwartungen . Nach einem vielversprechenden Saisonstart und ordentlicher Leistung im Vorlauf von Regensburg verzichtete sie wegen Hüftproblemen auf die Teilnahme am Finale und überließ den Start beim Europacup damit kampflos der Kemptnerin Verena Sailer.

Im Nachhinein dürften sich die Verantwortlichen beim Deutschen Leichtathletik-Verband etwas über ihre eigene Nominierung geärgert haben. Sailer wurde im Europacup-Endlauf über 100 Meter Zweite, ihre Zeit von 11,35 Sekunden war allerdings deutlich langsamer als Schielkes Siegerleistung. Doch die nahm ihre Staffelkollegin und den Deutschen Leichtathletik-Verband in Schutz: „Ich fand es absolut okay, dass ich nicht für den A-Lauf in Betracht gezogen wurde.“

Im Grunde ist die Wattenscheiderin auch froh, dass sie überhaupt wieder verletzungsfrei trainieren und schnell laufen kann. Die Liste der Verletzungen, die die U23-Europameisterin von 2001 bereits über sich ergehen lassen musste, liest sich wie ein kleines Medizinstudium. Chronische Rückenprobleme, zurückzuführen auf einen verwachsenen Lendenwirbel, Muskelfaserrisse und zwei Jahre lange Beschwerden mit der Plantarsehne, an der nach Aussage Schielkes „viel rumgedoktert und auch rumgepfuscht“ wurde. Fast hätte diese kleine Sehne sie schon die Karriere gekostet. Und immer, wenn sie sich wieder auf dem Weg der Besserung sah, kamen neue Rückschläge. Anfang 2007 war Schielke im Trainingslager in Monte Gordo, wollte sich in Italien auf die WM-Saison vorbereiten. Eine akute Wadenverhärtung beendete dann alle Pläne. „Ich musste das Trainingslager abbrechen, konnte fünf Wochen kein spezifisches Training machen“, erzählt sie.

Ob sie sich nach der langen Pause alt fühle? „Naja, damals bin ich noch mit Melanie Paschke oder den beiden Rockmeier-Zwillingen gelaufen, heute sind das komplett neue Namen.“ Viele ihrer Gegnerinnen auf nationaler Ebene kannte sie nur vom Namen. „Das lief dann so, dass man mir auf einem Wettkampf sagte: Du, das ist übrigens die Verena Sailer.“ Der jungen Konkurrenz ist sie in München davongerannt. Mit einem zweiten Lauf unter 11,30 Sekunden will sie bei den Westdeutschen Meisterschaften ein zweites Mal die WM-Norm erfüllen und damit als schnellste Deutsche in Osaka dabei sein.

Christina Obergföll, Weltmeisterschafts-Zweite im Speerwerfen, hat beim Europacup der Leichtathleten in München mit 70,20 Meter ihren eigenen Europarekord um 17 Zentimeter übertroffen. Die neue Bestmarke gelang der Offenburgerin am Samstag im zweiten Versuch. Am 14. August 2005 hatte Obergföll in Helsinki mit 70,03 Metern überraschend WM-Silber erkämpft. Tsp

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