• Europäische Fußball-Spitzenklubs: "Wir zeigen, dass es anders geht" - Dortmunds Manager Michael Meier über den Ablöse-Irrsinn

Sport : Europäische Fußball-Spitzenklubs: "Wir zeigen, dass es anders geht" - Dortmunds Manager Michael Meier über den Ablöse-Irrsinn

Die Ablösesummen im Fußball[zuletzt 94]

Michael Meier (51) ist seit 1989 Manager des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, der als erster deutscher Fußballklub an die Börse ging.

Die Ablösesummen im Fußball, zuletzt 94 Millionen für den zu Lazio Rom wechselnden Mendieta, explodieren. Irrsinn, geballte Unvernunft oder doch sinnvolle Investitionen?

Wenn man nicht in einem Verein steckt, ist es schwer zu beurteilen, was sich ein Verein leisten kann und was nicht. Ganz sicher dürfte es schwer werden, Transfers in einer Größenordnung wie bei Zidane oder Mendieta zu refinanzieren.

Kommt es irgendwann zum Crash?

Nicht, solange das Geld in einem geschlossenen Kreislauf bleibt. Die 94 Millionen Mark für Mendieta fließen ja auch wieder irgendwo hin und lösen Folgeinvestitionen aus, diesmal von Seiten des FC Valencia. Probleme entstehen erst, wenn das Geld aus dem Kreislauf verschwindet.

Werden auch hier irgendwann italienische oder spanische Verhältnisse herrschen?

Die Bundesliga hat einen anderen Weg eingeschlagen und dokumentiert, dass es anders geht. Dabei ist es uns gelungen, das Produkt Bundesliga auf einem Niveau zu halten, das sich sehen lassen kann.

Kann sich die Bundesliga Stars wie Zidane oder Figo überhaupt leisten?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mal in diese Regionen vorstoßen. Im Ausland ist aufgrund wesentlich höherer TV-Einnahmen mehr Geld im Spiel. Außerdem fließen dort von Präsidenten hohe Summen aus der Privatkasse. Es gibt in Deutschland niemanden, der das macht. Transfers in einer Größenordnung von 50, 60 Millionen Mark zu stemmen, dazu sind bei uns vermutlich nur drei Klubs in der Lage - Bayern München, Leverkusen und wir.

Müsste Borussia Dortmund als börsennotierter Klub noch mehr in noch teurere Stars investieren, um die Fantasie der Aktionäre zu beflügeln und den Kurs der BVB-Aktie nach oben zu treiben?

Kurspflege sollte man unter dauerhaften Gesichtspunkten und nicht kurzfristig sehen. Außerdem haben wir immer gesagt, dass wir nur einen Teil des Emissionserlöses in Spieler investieren. Daran halten wir fest, wir wollen schließlich glaubwürdig bleiben.

Haben Sie mit den 50 Millionen für Marcio Amoroso Ihre Möglichkeiten ausgereizt?

Seit Bosman darf man nicht mehr nur das reine Investment sehen. Es ist immer ein Paket, das geschnürt wird. Der Rekord-Transfer von Amoroso war nur möglich durch die Rekordeinnahme, die wir durch den Verkauf Evanilsons tätigen konnten. Diese Tatsache fällt leider häufig unter den Tisch.

Mit den Ablösesummen erreichen auch die Gehälter bisher nicht für möglich gehaltene Dimensionen. Halten Sie festgeschriebene Gehaltsobergrenzen für realisierbar?

Ich fände es gut und überlegenswert, auch aus pädagogischen Gründen. Es würde die Situation etwas beruhigen und dem Fußball wieder eine gewisse Orientierung geben, wenn man bei Verhandlungen argumentieren könnte, dass der Verein Y mit soundsoviel Millionen Mark Umsatz eben die Gehaltsgrenze X hat. Aber das könnte nur funktionieren, wenn sich auch alle daran halten.

Müssen vor dem Hintergrund in Deutschland offenbar nicht refinanzierbarer Fernsehgelder die Gehälter in absehbarer Zeit fallen?

Die Diskussion um die Fernsehgelder kenne ich schon seit 15 Jahren. Immer heißt es: Mehr geht nicht. Wenn man jedoch weiß, dass der deutsche Fernsehmarkt der stärkste in Europa ist, sind die jetzt geltenden 750 Millionen Mark pro Saison nicht zementiert. Wir müssen aber auch dem Konsumenten immer wieder klar machen, dass der TV-Markt in Deutschland, gerade auch wegen des Angebots der Kirch-Gruppe mit seinem Bezahl-Sender Premiere World, eine gewaltige Qualität besitzt.

Halten Sie, wie Ihr Bayern-Kollege Uli Hoeneß meint, nach 2003 sogar eine Summe von jährlich einer Milliarde Mark für denkbar?

Ich habe zwar nicht so ein erotisches Verhältnis zu Zahlen wie Uli Hoeneß - aber auch ich halte diese Summe nicht für unrealistisch.

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