Europäische Profiligen : Noch nicht Champions League

Die europäischen Fußballligen verlangen mehr Mitsprache. Doch ihr Verband EPFL bleibt bislang schwach.

Matthias Sander

BerlinJahrzehntelang waren im Fußball vom Landes- bis zum Weltverband Fifa die Kompetenzen klar verteilt. Diese Hierarchie wird mit der wachsenden Kommerzialisierung des Fußballs von neuen Interessengruppen in Frage gestellt. Ein bekanntes Beispiel ist die G14, die Vereinigung der selbsternannten europäischen Spitzenklubs, die eine Europaliga anstreben. Ein weiterer, bisher in der Quasi-Anonymität agierender Zusammenschluss ist der formell seit 2005 existierende Verband europäischer Profifußballligen, kurz EPFL. Er zählt 19 Mitglieder – darunter die Deutsche Fußball Liga (DFL), die am Dienstag in Berlin tagt. Nun wächst die europäische Gruppierung. Sechs neue Mitglieder sind seit kurzem dabei, fast alle aus Osteuropa. Im Lauf der Saison soll der Beitritt von weiteren 25 Ligen verhandelt werden. Mit dann 50 Mitgliedern wäre die EPFL in Europa flächendeckend präsent. Ob sie auch die Interessen der Fußballligen kompetent vertritt, ist allerdings noch eine ungeklärte Frage.

Ursprünglich war der Verband der europäischen Profiligen gegründet worden, um die Interessen der Ligen bei der Europäischen Union zu vertreten. So sträubt sich die EPFL ebenso wie Europas Fußballverband Uefa dagegen, dass neben den Inhabern der Übertragungsrechte auch Dritte kostenlos über Spiele berichten dürfen. Die EU-Kommission fordert eine solche Regelung mit Verweis auf ihre Direktive „Fernsehen ohne Grenzen“, die vorsieht, dass Nachrichten nicht durch Exklusivrechte nur begrenzt zugänglich sind. EPFL und Uefa halten dagegen, dass Fußball Unterhaltung sei und keinen Nachrichtenwert habe. Überhaupt hätte es die EPFL wie auch die Uefa am liebsten, dass sich die Europäische Union möglichst aus dem Fußball heraushält. Wenn es um Sportwetten geht, wird der Ruf nach der EU aber sofort laut. Der Geschäftsführer der EPFL, Emanuel Macedo de Medeiros, fordert inzwischen, dass „Brüssel das Geschäft mit Sportwetten reguliert“.

Nicht zufällig hat die EPFL ihren Sitz im schweizerischen Nyon, nahe den Büros der Uefa. In deren Gremien hat die EPFL Platz ausgemacht, um die Interessen der Ligen zu vertreten. Bisher hat es der Verband in drei Kommissionen geschafft, die aber nur beratende Funktion haben. „Die endgültigen Entscheidungen fällt das Exekutivkomitee“, stellt Uefa-Sprecher William Gaillard klar. Diese Nebenrolle ist das Problem der EPFL. Forderungen wie Aufwandsentschädigungen für das Abstellen von Nationalspielern lassen sich so nicht durchsetzen. Zu anderen Maßnahmen möchte man sich bei der EPFL, wie auch beim Mitglied DFL, nicht äußern. Mit Hinweis auf noch wachsende Strukturen wird auf Broschüren verwiesen; einen Internetauftritt hat die EPFL nicht. Während die Uefa als über ihren Mitgliedern schwebender Verband wahrgenommen wird, ist die EPFL noch stark auf ihre Mitglieder angewiesen. Als Veranstalter einer EPFL-Konferenz Ende Juni in Berlin trat die DFL auf.

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