Europäischer Volleyball-Verband : Beachvolleyball-EM: Sand im Betriebe

Die Zürcher Vermarktungsagentur Global Sports Marketing haben und der in Luxemburg ansässige europäische Volleyball-Verband haben sich tief zerstritten. Der Beachvolleyball-EM in Berlin droht ein Boykott.

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Berlin - Kurz vor Beginn der Titelkämpfe am 11. August in Berlin ist die Vorfreude massiv getrübt. Das liegt zum einen am Weltmeisterduo Jonas Reckermann und Julius Brink, das derzeit an Verletzungen laboriert. Während Brink einen Innenbandriss im Knie auskuriert, musste sich Reckermann einer Meniskusoperation unterziehen. Schwerer als diese Blessuren, die bis zur EM überstanden sein sollten, wiegt jedoch die Krise im europäischen Beachvolleyball, seit sich die Zürcher Vermarktungsagentur Global Sports Marketing (GSM) und der in Luxemburg ansässige europäische Volleyball-Verband (CEV) tief zerstritten haben. Beide hatten seit 2003 zusammen die European Championship Tour ausgerichtet. Doch nach 2009 kam es zum Bruch, inzwischen kommunizieren sie nur noch über Anwälte.

Ausgangspunkt für die Eskalation war die Ankündigung von GSM, in diesem Jahr nur noch eine reduzierte Tour durchführen zu wollen. Nach dem Ausstieg der beiden Hauptsponsoren sei eine Serie im bisherigen Umfang nicht mehr finanzierbar. Der CEV forderte daraufhin die GSM auf, die Rechte an der europäischen Tour unverzüglich zurückzugeben. Andernfalls werde man sich vor dem internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne wiedersehen. Schließlich war die Atmosphäre so vergiftet, dass eine Einigung unmöglich wurde. Zumal die GSM anschließend Insolvenz anmeldete. Der damalige GSM-Manager Hinnerk Femerling sagte: „Der CEV hat uns durch sein rigides Verhalten in den Konkurs getrieben.“ Was Olivier Mottier bestreitet. Der CEV-Direktor sagt, es sei Fakt, „dass GSM seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist“. Pikanterweise agiert bei der EM die eilig gegründete Schwestergesellschaft GSM Deutschland als Vermarkter. Sie hat die Rechte von der insolventen Schwester aus Zürich übernommen. Die Lage ist vertrackt, die Leidtragenden sind in erster Linie die Spieler.

Sie warten auf Preisgelder aus der letzten Saison in Höhe von 300 000 Euro. Die Frage, wer die zu zahlen hat, beschäftigt die Juristen. Der Schweizer Profi Sascha Heyer, der die Spieler vertritt, will sich an den Verband halten: „Es gibt ein Players Commitment mit der CEV, und dort steht, dass die CEV die Preisgelder bezahlt.“ Falsch, meint Mottier. Der Schweizer verweist auf die Zahlungspraxis in der Champions League der Hallenvolleyballer, in der 2009 über eine Million Euro an die Vereine geflossen sei. „Wenn wir die Verantwortung für Preisgelder übernehmen, schaffen wir auch das Budget dafür.“

In einer solch aufgeheizten Atmosphäre fürchten sich die EM-Gastgeber vor Repressalien durch die Spieler. „Der Deutsche Volleyball-Verband und der Volleyball-Verband Berlin sind ohne Verschulden in die Streitigkeiten von CEV und GSM geraten“, betont DVV-Präsident Werner Graf von Moltke in einem Brief an die Athleten. „Ein Boykott oder Startverzicht ist im Sport immer negativ.“ Derweil gibt es Lösungsversuche. So hat der CEV garantiert, bis zum Turnierstart zumindest 50 Prozent der ausstehenden Prämien zu überweisen. Weltmeister Jonas Reckermann hält das „für einen guten ersten Schritt, auch wenn wir jetzt nicht in die Luft springen und jubeln“. Sein Partner gibt sich kämpferisch. „Grundsätzlich müssen wir Spieler all unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um unsere Rechte durchzusetzen, das schließt einen Boykott mit ein“, sagt Julius Brink. Allerdings, so betont er, sei dies die letzte Option. „Wir wissen, dass wir damit viel kaputt machen würden.“

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