Europaliga : Die Alte Welt lockt Basketballer

Beim Final Four in Berlin zeigt sich die Basketball-Europaliga von ihrer besten Seite – und beweist, warum es inzwischen sogar High-School-Spieler nach Europa zieht.

Benedikt Voigt
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Auf ihn mit Gebrüll. Der überragende Mike Batiste (oben) von Panathinaikos zeigt dem ehemaligen NBA-Star Josh Childress, dass das...

BerlinAm Freitagabend stand in der Berliner Großarena am Ostbahnhof ein Mann auf dem Basketballfeld, der sich vor ziemlich genau einem Jahr einen guten Namen in der nordamerikanischen Profiliga NBA gemacht hat. Der Aufbauspieler Jannero Pargo hatte im siebten und entscheidenden Play-off-Spiel der New Orleans Hornets gegen die San Antonio Spurs wichtige Punkte erzielt. Anschließend konnte er aus einigen NBA-Angeboten wählen, doch Jannero Pargo ging lieber für 3,8 Millionen Dollar nach Europa. Erst zu Dynamo Moskau, dann zu Olympiakos Piräus. Mit seinem neuen Klub bestritt er nun in Berlin das wichtigste Spiel des Jahres, das Halbfinale der Europaliga – und spielte überhaupt keine Rolle.

Wenn ein erfahrener NBA-Spieler wie Jannero Pargo im Halbfinale nur für drei Minuten und 21 Sekunden gebraucht wird, belegt das die aktuelle Stärke der Europaliga. In Josh Childress hat Olympiakos einen weiteren NBA-Spieler verpflichtet, dessen Wechsel Aufregung verursacht hatte. Der aufsteigende Star der Atlanta Hawks hat die Europaliga ebenfalls vorgezogen, rund 20 Millionen Dollar netto für drei Jahre haben ihm die Entscheidung erleichtert.

Bei der Halbfinalniederlage (82:84) gegen Panathinaikos in Berlin erzielte der schlaksige Forward mit der Afro-Frisur elf Punkte, darunter einen spektakulären Dunking. Die entscheidenden Spieler aber waren Nikola Pekovic (20 Punkte), Mike Batiste (19) sowie die Aufbauspieler Sarunas Jasikevicius und Vassilis Spanoulis (je 18). „Wir hatten unsere Chancen“, sagte Josh Childress, „wir hatten den letzten Schuss, aber er ist nicht reingefallen.“

Josh Childress hatte die Ehre, bei einem der hochklassigsten Final-Four-Spiele aller Zeiten mit von der Partie gewesen zu sein. „Die Europaliga braucht Spiele wie dieses“, sagte Panathinaikos-Trainer Zejlko Obradovic, „jeder der Basketball liebt, hat viel Spaß gehabt.“ Weil ZSKA Moskaus vierter Finaleinzug in Folge (82:78 über Barcelona) ebenfalls begeistert hat, dürfen sich insgesamt 13 500 Zuschauer heute in Berlin auf ein hochklassiges Endspiel zwischen Moskau und Panathinaikos freuen (20 Uhr, live auf Eurosport).

Zahlreiche NBA-Scouts beobachten das Berliner Final Four, doch sie dürften keine Überraschung erleben. Stars wie Sarunas Jasikevicius, Juan Carlos Navarro oder Vassilis Spanoulis haben schon in der NBA gespielt oder sind wie Nikola Pekovic gedraftet. Talente sind eher beim Nachwuchsturnier der Europaliga zu entdecken. Die beste europäische Liga ist inzwischen so attraktiv, dass sie für amerikanische Talente als Alternative zur traditionellen Ausbildung in High School oder College gilt. In der vergangenen Saison ging Brandon Jennings nach der High School zu Lottomatica Rom, nun will der 17 Jahre alte Jeremy Tyler sogar als erster US-Amerikaner sein letztes High-School-Jahr auslassen und in Europa spielen. Mehrere spanische Klubs sollen Interesse an ihm haben. „Wenn man wirklich darauf aus ist, besser zu werden, muss man woanders hingehen“, sagte Jeremy Tyler der „New York Times. „Gegen Profis anzutreten wird mich noch besser machen als gegen College-Spieler zu spielen.“ Auch kann er in Europa im Gegensatz zu High School und College Geld verdienen. Und warten, bis er das Mindestalter für die NBA von 19 Jahren erreicht hat.

Die NBA weiß inzwischen, dass die Konkurrenz durch die Europaliga stärker wird. Zumal die europäischen Klubs ohne eine Gehaltsobergrenze arbeiten können. Die Pläne, mit eigenen NBA-Klubs nach Europa zu gehen, sind durch die Präsenz der immer professioneller arbeitenden Europaliga schwierig. Das dürfte auch ein Grund dafür sein, dass die NBA ihre Aktivitäten in Europa zurückfährt – und vermehrt in China investiert.

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