Sport : Europaliga: Die Begehrlichkeiten wachsen

Sebastian Arlt

Willi Lemke, der ehemalige Manager von Werder Bremen, der es inzwischen zum Senator in der Hansestadt gebracht hat, nannte sie einmal abschätzend "Geldgier 14". Gemeint waren die 14 europäischen Spitzenklubs, die sich 1998 zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben. G 14 nennt sich dieses Bündnis in Anlehnung an die G 7, die Gruppe der stärksten Industrie-Nationen der Welt. Und wie in der Politik geht es auch hier vorzugsweise um Macht und Geld.

Momentan ist von etwa 2,4 Milliarden Mark die Rede. Diese Summe hat das spanische Telekommunikationsunternehmen "Telefonica" den 14 vor ein paar Tagen in Aussicht gestellt, wenn es zu einer Europaliga unter dem Dach der Gesellschaft kommen würde. Damit würde auf einen Schlag die auch schon stattliche Summe, die der europäische Fußball-Verband (Uefa) bisher an die Klubs der Champions League ausschüttet, glatt verdoppelt werden. Bei solchen Summen sagt natürlich niemand vorschnell zu dem Telefonriesen: "Kein Anschluss unter dieser Nummer." Karl-Heinz Rummenigge, der Vize-Präsident des FC Bayern München, lobt: "Das ist ein gigantischer Konzern, das ist ein seriöses Angebot. Der Vereinsfußball ist als einziger noch nicht vergeben, die Begehrlichkeiten werden größer." Doch man wolle keinen Streit mit der Uefa, sondern mehr Mitsprache.

Alles schon mal dagewesen. Es war nach der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, als eine Agentur namens Media Partners Europas Fußballwelt in Aufregung versetzte mit dem Plan und den Millionen, eine Europaliga an der Uefa vorbei zu organisieren. Mit guten Worten und vor allem mit viel Geld gelang es der Uefa, dass die Klubs unter ihrem Dach blieben. In dieser Zeit kam es zum Zusammenschluss G 14 bestehend aus: Real Madrid, FC Barcelona, FC Liverpool, Manchester United, AC Mailand, Inter Mailand, Juventus Turin, Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven, Paris St. Germain, Olympique Marseille, FC Porto, Bayern München und Borussia Dortmund. Sie einte und eint das gemeinsame Interesse: möglichst viel Geld zu kassieren und möglichst viel Einfluss zu erlangen.

Damals knickte die Uefa ein. Unter dem Druck der G 14 wurde beispielsweise die Champions League ab der Spielzeit 1999/2000 von 24 auf 32 Mannschaften aufgebläht. Es wurde eine Fünf-Jahreswertung zugrunde gelegt. Die Zahl der möglichen Teilnehmer pro Land errechnet sich dabei nach dem Abschneiden der Teams in den europäischen Wettbewerben der letzten fünf Jahre. Aus Deutschland dürfen der Meister und der "Vize" auf alle Fälle an der Gruppenspielen teilnehmen, zwei weitere Teams haben die Chance zur Qualifikation. Im vergangenen Jahr kam Hertha über diesen Umweg in die Champions League.

Die Verdienstmöglichkeiten, vor allem der stärksten Vereine, ließen sich nach dem Kniefall des europäischen Verbandes durch Antrittsgeld, Erfolgsprämien und Fernsehgelder nahezu verdreifachen. Zur Verteilung aus der zentralen Vermarktung durch die Uefa aus der Saison 1999/2000 kamen 828 Millionen Schweizer Franken. Hertha BSC wurden 23 577 000 Franken überwiesen.

Als es vor zwei Jahren zu dem Deal zwischen der Uefa und den Klubs gekommen war, sprach Bayern-Präsident Franz Beckenbauer von einem "Sieg der Vernunft". Doch es hat im letzten Jahr viel Kritik gegeben. Zu viele (schlechte) Spiele, zu viele Mannschaften, die einer Champions League nicht würdig waren. Weil eben nicht nur allein die Champions mitmachen dürfen, nicht wie einst im Europapokal der Landesmeister oder in den Anfängen der Champions League. Die Aufstockung auf 32 Teams bedeutete einen Anstieg von 85 auf 157 Spiele. Jetzt versuchen die Klubs eine Rolle rückwärts. Zum Beispiel wird ein neuer Modus verlangt, so dass die Teams weniger Spiele bestreiten müssen. Aber: Die Einnahmen sollen natürlich mindestens gleich hoch bleiben. Es wird zu einem neuen Machtkampf kommen. Das Angebot der "Telefonica" dürfte den G 14 sehr gelegen kommen.

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