Europaliga-Qualifikation : Zehn Punkte fürs Image

Nur mit einem hohen Sieg gegen Maroussi erreicht Alba die Europaliga, alles andere wäre ein Rückschritt

Helen Ruwald
Basketball EuroLeague-Qualifikation: BC Maroussi Athen : ALBA Berlin
Augen auf und durch. Rashad Wright.Foto: Snaps

Berlin - Mit fast einer Stunde Verspätung landeten Alba Berlins Basketballer gestern Nachmittag auf dem Flughafen Schönefeld, stundenlang hatten sie zuvor Zeit gehabt, um über den Wolken zu grübeln. Doch für Geschäftsführer Marco Baldi war der Flug nach der 70:79 (38:30)-Niederlage bei Maroussi Athen keine Qual. „Es gibt nichts zu hadern“, sagt er nach dem Zweitrunden-Hinspiel der Europaliga-Qualifikation, „die erste Halbzeit war für diesen frühen Saisonzeitpunkt überragend.“ Alba führte teilweise zweistellig und hatte trotz der Pleite am Ende bei den Rebounds (29:24) und erfolgreichen Zweipunktewürfen Vorteile. Vorne lag Alba allerdings auch bei den Ballverlusten (22:13). Dieses Stichwort lässt Baldi dann doch hadern – allerdings nicht mit seinem Team, sondern mit den Schiedsrichtern. Zwölf der 22 Pfiffe, die zu Ballverlusten führten, seien unter anderem nach Schrittfehlern erfolgt. „Dass man zwölf Mal auf der einen Seite pfeift und null Mal auf der anderen, gibt es in keinem Basketballspiel der Welt“, sagt Baldi erbost, der sich auch über ein aus seiner Sicht einseitig gegebenes technisches Foul gegen Alba echauffierte.

Schiedsrichter hin oder her, die Ausgangsposition ist klar: Nun muss das 77:62 gegen Le Mans in der ersten Runde als Vorbild dienen, wenn die Berliner am Sonntag (17 Uhr, Arena am Ostbahnhof) einen Erfolg mit mindestens zehn Punkten Differenz brauchen, um in die Hauptrunde einzuziehen. Baldi hofft auf mehr als zehntausend Fans, die „die Atmosphäre für einen großen Sieg“ schaffen. Dass ihnen ein solcher gelingen muss, haben sich die Berliner vor allem im mit 13:28 verlorenen dritten Viertel eingebrockt. „Da war eine kurze Phase, in der die Konzentration unten war. Da hat Maroussi aufgedreht“, sagt Marco Baldi. So wie Le Mans es im Hinspiel in Frankreich tat, als die Franzosen im ersten Viertel einen 15-Punkte-Vorsprung herausspielten. In Griechenland „hatten wir wieder unsere Phase“, sagt Spielmacher Steffen Hamann über die Minuten nach der Pause, in denen Alba erneut einen Aussetzer hatte. Über die Schiedsrichter will Hamann deshalb „nicht reden. Den Hut müssen wir uns selber aufsetzen.“

In Le Mans kämpfte Alba sich nach hohem Rückstand heran und verlor nur 60:61. Doch Maroussi ist stärker, so wie auch die letztjährigen Europaliga-Gegner stärker waren: Alba erreichte überraschend die Zwischenrunde der besten 16 Teams, erzielte aber nur einmal, beim 72:63 gegen Fenerbahce Istanbul, einen Erfolg in einer Höhe, der am Sonntag zumindest fünf Minuten Verlängerung bringen würde. Selbst ein Sieg mit acht Punkten Unterschied würde das Ende aller Träume bedeuten, Eurocup statt Europaliga, Rückschritt statt Fortschritt. Wirtschaftlich sei der Unterschied nicht groß, sagt Geschäftsführer Baldi. Doch fürs Image ist die prestigeträchtige Europaliga essentiell – schließlich hat Alba den Anspruch, sich dauerhaft mit der europäischen Spitze zu messen. Scheidet Alba aus, hätte der Klub schon vor dem Bundesliga-Auftakt, acht Monate vor Saisonende, ein wichtiges Ziel verfehlt.

Passiert das nicht, würden die Berliner in der Gruppe C der Europaliga auf Maccabi Tel Aviv, ZSKA Moskau, Union Ljubljana, Virtus Rom und Caja Laboral treffen – die Spanier firmierten vergangene Saison noch unter dem Namen Tau Ceramica. Im international zweitklassigen Eurocup wären Siege in Serie keineswegs garantiert, ein Scheitern gegen Mannschaften wie Joventut Badalona oder Turk Telekom Ankara wäre durchaus möglich.

Trainer Luka Pavicevic ist sich bewusst, dass er am Sonntag wohl eine nervenaufreibende Zeit an der Seitenlinie verbringen wird. „Jetzt steht uns eine schwierige Aufgabe bevor“, sagt er. Steffen Hamann hat schon seine persönliche Erfolgsrechnung aufgestellt: „Wir gewinnen jedes Viertel mit drei Punkten Unterschied, das reicht“, sagt er optimistisch. „Es hätte schlechter kommen können.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben