Sport : Europameister im Zeichen der Stallregie

Eine Europameisterschaft im Schwergewicht ist auch nicht mehr, was sie einmal war. Deutsche Ringgrößen wie Max Schmeling, Adolf Heuser, Hein ten Hoff, Heinz Neuhaus oder Karl Mildenberger trugen einst stolz den kontinentalen Titel. Manchmal vier Jahre lang. Da wurde die Würde auch noch hoch geschätzt.

Heute, im Zeitalter der von drei Buchstaben gekennzeichneten Titelinflation, schnallen etwa die Klitschkos den EM-Gürtel gleich wieder ab und werfen ihn weg wie alten Plunder. So kommt es, dass am Samstag, 30 Jahre nach Jürgen Blin, wieder ein Deutscher Europameister im Schwergewicht wird. René Monse aus Langenwedding und Luan Krasniqi aus Rottweil kämpfen in Magdeburg um den vakanten Titel. Zwei einstige Olympiakämpfer ohne Rang und Namen in der internationalen Profiszene.

Krasniqi schwadroniert dennoch davon, er wolle bald einen Weltmeister-Gürtel nach Deutschland holen. Er genießt die größere Reputation als Monse, aber auch nur, weil er mal mit dem besten Schwergewichtler der Welt im Ring gestanden hat. Allerdings nur im Training, denn bis vor einem Jahr gehörte er zum Londoner Boxstall Panix Promotions, diente dem Champion Lennox Lewis als Sparringspartner. Einmal, 1997 in Atlantic City, hat er sogar im Rahmenprogramm einer WM geboxt. In Deutschland hat davon niemand Notiz genommen. Wohl aber davon, dass Krasniqi seine EM-Chance vor allem der Stallregie seines neuen Arbeitgebers Universal Box Promotion verdankt. Dessen Star Witali Klitschko, der ältere der boxenden Brüder aus Kiew, hat seinen Titel niedergelegt und damit dem "Stallgefährten die Chance eingeräumt, sich national und international zu profilieren". So heißt das offiziell beim Hamburger Promoter.

Nein, so eine Europameisterschaft im Schwergewicht ist wirklich nicht mehr, was sie einmal war.

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