Sport : Europameister von Afrika

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Von Oliver Trust

Winfried Schäfer streicht sich über den Bauch. „Ich habe abgenommen“, sagt er und grinst. „Das tut mir gut." Es war alles ein wenig aufregend in den letzten Monaten. Er fliegt nicht gerne. Mit dem Nationalteam von Kamerun musste der 52 Jahre alte Fußballlehrer zum Afrikacup in einer zugigen Transall-Maschine sitzen wie ein Soldat beim UN-Einsatz. Von wegen Businessclass, die er sonst nimmt, bei den Trips quer durch Europa, wenn er seine Spieler besucht.

Er musste alles machen. Fußballschuhe organisieren, Rasen mähen, Flüge buchen, Vorbereitungsspiele verabreden und dem Koch sagen, „er soll die Fliegen vom Hähnchen waschen“, bevor er das Mittagessen in die Pfanne schmeißt. Oder, jüngstes Beispiel, die Anreise nach Japan, begleitet von zahlreichen Widrigkeiten. Nachdem die Mannschaft am Mittwoch nach einem mehrstündigen Tank-Aufenthalt in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba weiterfliegen konnte, schloss sich bei einem weiteren Zwischenstopp zunächst ein neunstündiger Aufenthalt in Bombay an. Der Anschlussflug nach Fukuoka in Japan musste unterbrochen werden, weil Kambodscha, die Philippinen und Vietnam die Nutzung ihres Luftraumes nicht genehmigen wollten. In der Nacht zum Freitag sollte der Afrika-Meister in Fukuoka ankommen. Dann stand noch eine dreistündige Busfahrt zum Quartier in Nakatsue an. Die gesamte Reisedauer betrug an die 50 Stunden.

Schäfer lacht, wenn er an Kamerun denkt. „Dorthin würde nie eine Bundesligamannschaft kommen, aber die werden auch nichts von dieser Begeisterung mitbekommen." Schäfer holt tief Luft, bevor er sagt: „Ich bin schon halber Afrikaner.“

Die Auferstehung kam aus dem Nichts. Ein Fax, viele Zweifel zuerst. Nach einem Jahr ohne Job, dachte er, will ihn einer hochnehmen für irgendeine Juxshow im Fernsehen. Er war ganz unten angekommen, bei den Trainern in der zweiten Reihe, für die nur noch ein verzweifelter Klub wie Rot-Weiß Oberhausen Verwendung hat. „Jetzt bin ich wieder interessant." Ob Schäfer am Ende der WM noch Trainer in Kamerun ist, das weiß er selbst nicht genau. Es gibt eine Option auf ein weiteres Jahr. Er erzählt von Aufbau und Jugendförderung. „Ich will etwas zurückgeben“, sagt er, fügt aber gleich hinzu: „Ich will wieder in Deutschland arbeiten." Vorerst spielt er mit im Spiel der großen Worte und genießt den ungewohnten Rummel auf der internationalen Bühne.

Dass Schäfer jetzt gegen Deutschland spielt, gehört zur Geschichte der wundervollen Auferstehung im verrückten Geschäft Fußball. Einen „Sechser im Lotto“ nennt Schäfer den Vertrag in Kamerun. Seine Eintrittskarte zur Rückkehr ins Trainergeschäft. „Ich bin Europameister von Afrika“, sagt er. „Es ist komisch, gegen das eigene Land zu spielen, aber wir wollen Deutschland schlagen.“ Die Spielfreude der afrikanischen Spieler sei grenzenlos. „Da ist alles möglich, wenn die Disziplin stimmt. Es macht einen solchen Spaß, mit denen zu arbeiten.“ Und, dann sagt er irgendwann noch: „Wir können Weltmeister werden.“

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