Europameisterschaft : Deutsche Handballer schaffen Zittersieg gegen Mazedonien

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat im Hexenkessel von Nis die Nerven bewahrt und kann bei der Europameisterschaft in Serbien weiter auf den Einzug in die Hauptrunde hoffen.

Erik Eggers
Geschafft: Deutschland hat Mazedonien besiegt.
Geschafft: Deutschland hat Mazedonien besiegt.Foto: dpa

Martin Heuberger war gezeichnet, das Drama in der Cair Hall in Niš hatte den neuen Bundestrainer mitgenommen. Ein Lattenwurf neun Sekunden vor Schluss, die entschlossene Ballsicherung durch Michael Haaß (Göppingen) – der erste Sieg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der 10. EM in Serbien hatte am seidenen Faden gehangen. „Es war irrsinnig“, keuchte Heuberger nach dem 24:23 (12:12)-Sieg gegen ein starkes Mazedonien. „Das war ein unfassbarer Hexenkessel. Ich freue mich über die Leistungssteigerung. Dieser Sieg war lebensnotwendig, aber es war nur ein Spiel.“ Nach diesem Krimi hat die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) weiterhin die Chance auf das Erreichen der Hauptrunde, am Donnerstag ist der WM-Vierte Schweden letzter Vorrundengegner.

Die mazedonischen Fans veranstalteten einen infernalischen Lärm; die Gesänge, die sie schmetterten, entwickelten eine Lautstärke wie auf einem Rockkonzert. „Deutschland, Deutschland, auf Wiedersehen“, brüllten sie schon vor Anpfiff im Chor. Überall war eine wogende Masse in rot und gelb, den Nationalfarben des an Serbien grenzenden Balkan-Staates. Manchmal verhinderte die tobende Menge neue taktische Gedanken. „Es war so laut, dass ich manchmal keine Möglichkeit mehr hatte, einzugreifen“, berichtete Heuberger.

Dennoch: Durch Tore von Lars Kaufmann, Holger Glandorf und Patrick Groetzki führte das Team mit 3:0 (4. Minute), bevor die Mazedonier den ersten Ball auf das Tor, das diesmal von Carsten Lichtlein gehütet wurde, gebracht hatten. Die überraschende Maßnahme Heubergers, Kapitän Pascal Hens (HSV) diesmal auf der Bank zu lassen und dafür den Flensburger Kaufmann zu bringen, zahlte sich aus. Vor allem er strahlte im Rückraum große Torgefahr aus. „Ich habe ihn vor allem wegen der Abwehr gebracht“, sagte Heuberger. „Dass er auch vorn eine solche Effektivität hatte, freut mich natürlich.“ Am Ende war Kaufmann mit sechs Treffern, meist mit Wucht aus dem Sprungwurf erzielt, der beste deutsche Schütze.

Die Deutschen ließen sich von der Kulisse also nicht beeindrucken. Doch sie konnten sich einfach nicht von den kampfstarken Mazedoniern absetzen, obwohl die mit Lazarov, dem Spielmacher Naumche Mojsovski und dem Kreisläufer Stojanche Stoilov nur drei torgefährliche Angreifer in ihren Reihen hatten. Beim 6:7 (16.) geriet das DHB-Team erstmals in Rückstand. Als die isländischen Referees kurz darauf zwei Zeitstrafen gegen die Südeuropäer aussprachen, stand die Partie kurz vor dem Abbruch: Nun flogen Feuerzeuge und andere Gegenstände auf das Spielfeld, eines traf auch einen Schiedsrichter.

Nach der Halbzeit (12:12) begann der Gegner, die Deutschen zu provozieren. Als Rückraumstar Kiril Lazarov gegen Silvio Heinevetter einen Strafwurf zum 15:15 (38.) einnetzte, verhöhnte er den deutschen Torwart. Nun schien es, als verlören die Deutschen doch die Nerven, nach zwei üblen technischen Fehlern von Adrian Pfahl und Kaufmann lagen sie plötzlich mit 15:17 (40.) zurück, die Halle kochte, aber Christoph Theuerkauf und Kaufmann konterten umgehend. „Da haben wir uns aber wieder beruhigt, das war ein Fortschritt“, sagte Heuberger. Sie blieben „kühl bis ans Herz“ (Haaß) in diesem Kampf.

Dann folgte der große Aufritt eines Mannes, der bislang nur auf der Bank gesessen hatte: Patrick Wiencek. Der Kreisläufer aus Gummersbach, EM-Neuling, kam in den letzten zehn Minuten ins Feld, und er bestand die Feuertaufe: Den ersten Pass verwandelte er zum 21:21 (53.), kurz darauf nahm er geistesgegenwärtig einen Abpraller auf und netzte ein zum 23:23 (59.) „Einfach rein, das Ding, mehr habe ich nicht gedacht“, sagte der 22-Jährige danach„Das war sensationell, der trainiert wie ein Tier, er wartet auf seine Chance, meckert nie, und dann wirft er die Dinger einfach rein“, lobte ihn Abwehrchef Oliver Roggisch (Rhein Neckar-Löwen), der seit der 50. Minute wegen seiner dritten Zeitstrafe zusehen musste. Den Rest besorgten die 6:0-Abwehr, die zu allem entschlossen war, Torwart Silvio Heinevetter und Linksaußen Uwe Gensheimer, der einen Minute vor Ultimo einen Ball aus spitzem Winkel verwertete. Die deutschen Handballer haben wieder Mut geschöpft.

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