Europapokal : Wenn Champions alt aussehen

Wer hätte das gedacht? FC Arsenal kippt Titelverteidiger AC Milan mit 2:0 aus dem Europapokal. Da half alles Hoffen und Bangen nichts.

Emmanuel Adebayor
Arsenal-Spieler Emmanuel Adebayor freut sich. -Foto: dpa

Mailand Die italienische Meisterschaft läuft so gar nicht nach dem Geschmack des AC Mailand. Nur Fünfter ist die Mannschaft nach 26 Spieltagen, weit enteilt thront der ungeliebte Lokalrivale Inter an der Tabellenspitze. Und auch die Champions League ist für den AC Mailand seit Mittwochabend vorbei. Der Titelverteidiger schied im Achtelfinale durch eine 0:2 (0:0)-Heimniederlage gegen den FC Arsenal, den Tabellenführer der englischen Premier League, aus. Das vorentscheidende erste Tor für Arsenal erzielte Cesc Fabregas erst sechs Minuten vor Spielende. Sein trockener, noch aufsetzender Schuss aus rund 28 Metern schien für Milans Torwart Kalac auf regennassem Rasen nicht ganz unhaltbar. Kurz danach erhöhte Emmanuel Adebayor noch zum Endstand.

Schon für das 0:0 aus dem Hinspiel zwischen beiden Mannschaften hatte Arsene Wenger eine positive Deutung gefunden. „Wir haben nichts, was wir verteidigen müssen“, stellte der Trainer des FC Arsenal fest. Nun, zu verteidigen hatten die Engländer dann zunächst einmal doch eine ganze Menge in San Siro. Das lag vor allem an dem druckvollen Spiel, das der AC Milan zu Beginn aufzog. Immer wieder tauchten die Gastgeber da gefährlich vor dem Tor ihres Gegners auf. Die wohl beste Chance in der Anfangsphase hatte Pato, doch sein wenig wuchtiger Schuss landete in den Armen von Manuel Almunia. Im Hinspiel hatte noch der deutsche Nationaltorhüter Jens Lehmann bei Arsenal zwischen den Pfosten gestanden, da Almunia nach einer krankheitsbedingten Zwangspause noch Trainingsrückstände aufzuarbeiten hatte. Diesmal drückte Lehmann wieder nur die Bank – trotz des gegentor-freien Hinspiels.

Der FC Arsenal überstand den ersten Ansturm des Gegners schadlos und begann nach einer knappen halben Stunde, in der Offensive Akzente zu setzen. Einen Schuss von Adebayor lenkte Milans Schlussmann Kalac noch über die Latte, bald darauf traf Fabregas aus 18 Metern die Latte direkt. Dazwischen hatte der österreichische Schiedsrichter Konrad Plautz Arsenals Aleksandar Hleb die Gelbe Karte gezeigt – für eine angebliche Schwalbe. Freilich war Hleb Zentimeter vor der Strafraumgrenze von Nesta eindeutig gefoult worden.

Nach dem Seitenwechsel drückte Arsenal zunächst aufs Tempo. Als aber die Schussversuche von Senderos und Eboué aus vielversprechenden Positionen nichts einbrachten, sank das Niveau der Partie allmählich. Milan verlegte sich aufs Kontern, doch den Versuchen fehlte zumeist die Genauigkeit. Selbst von Superstar Kaká war in dieser Phase herzlich wenig zu sehen. Arsenals Torwart Almunia erledigte die wenigen ihm gestellten Aufgaben sicher, bei einem Schuss von Pato strich der Ball knapp am Torpfosten vorbei.

Der AC Milan muss sich hin und wieder schon mal mit dem Vorwurf auseinandersetzen, seine Mannschaft sei überaltert, sie habe in dieser Zusammensetzung keine Zukunft mehr. Solche Kritik weiß Carlo Ancelotti, der Trainer, zu kontern. Noch vor dem Anpfiff hatte er geunkt: „Unser Team ist nicht alt, es ist vielmehr erfahren. Und nach dem 0:0 im Hinspiel muss meine Mannschaft diesmal nur intelligent spielen – und das kann sie auch.“ Dass sie kurz vor Schluss, als die meisten im Stadion schon mit einer Verlängerung rechneten, die beiden Gegentore hinnehmen musste, untermauert Ancelottis These nicht gerade. Mit hängenden Köpfen schlichen die Profis des AC Milan vom Platz.Tsp

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