Europas verrückte Fußballspiele : Spiele, die am Ende kein Spiel mehr waren

Die Unterbrechung von Düsseldorf war in der Bundesliga einmalig – allerdings gab es in Europa auch schon drastischere Fälle. Ein Elfmeter löste eine Massenschlägerei aus. Ein Hooligan attackierte einen Torhüter.

Stefan Bröhl
Alkmaar-Torhüter Esteban Alvarado flippt aus, nachdem er zuvor von dem Fan im Bild angegriffen worden war.
Alkmaar-Torhüter Esteban Alvarado flippt aus, nachdem er zuvor von dem Fan im Bild angegriffen worden war.Foto: dpa

Das Relegationsrückspiel zwischen Fortuna und Hertha war ein Einzelfall in dieser Bundesligasaison. Kein Spiel wurde derart lange unterbrochen. Es gab allerdings in dieser Saison einen Fall, in dem das Spiel vor Ende der Spielzeit abgepfiffen wurde: Am 34. Spieltag, beim Spiel 1. FC Köln gegen den FC Bayern München. Schiedsrichter Florian Meyer pfiff schon nach 89 Minuten ab, da Kölner Anhänger Rauchbomben und bengalische Feuer zündeten, die das ganze Stadion in schwarzen Nebel hüllten. Eine Eskalation sollte laut Schiedsrichter vermieden werden. Die Spieler flüchteten in die Kabinen, während sich die Polizei vor dem Kölner Fanblock postierte und einen Sturm des Platzes verhinderte. Die Verhandlung über den Vorfall steht noch aus. Eine Geldstrafe, aber auch ein Geisterspiel und damit verbunden ein hoher Einnahmeverlust sind möglich.

In der Vergangenheit gab es auch schon Spielabbrüche in der Bundesliga: Etwa die Partie des FC St. Pauli gegen FC Schalke 04 in der Vorsaison. Nach dem Becherwurf eines Hamburger Fans auf den Linienrichter brach Schiedsrichter Deniz Aytekin das Spiel nach 88 Minuten ab. Schiffner wurde am Nacken getroffen und war nach eigenen Angaben erst nach zwei Wochen wieder schmerzfrei. Das Spiel wurde später 2:0 für Schalke gewertet. Außerdem musste St. Pauli für das erste Heimspiel der Saison 2011/2012 mindestens 50 Kilometer vom Millerntor entfernt spielen und entschied sich für einen Umzug nach Lübeck. Der Becherwerfer selbst wurde gefasst und musste sich vor Gericht verantworten. Er erhielt eine Verwarnung und eine Geldstrafe in Höhe von 12 000 Euro. Dem FC St. Pauli entstand durch den Stadionwechsel ein Einnahmeverlust in Höhe von 400 000 Euro.

Im europäischen Ausland gab es weit drastischere Fälle. 2007 kam es in Spanien zu einem Spielabbruch. Das Derby von Sevilla zwischen Betis und dem FC Sevilla musste nach 57 Minuten beendet werden, als Juande Ramos von einer Flasche am Kopf getroffen wurde und das Bewusstsein verlor. Kurz davor hatte der FC das Führungstor erzielt. Beim Jubeln traf die Flasche den Trainer im Genick. Betis Sevilla erhielt eine Platzsperre von drei Spielen. Die Partie wurde drei Wochen später für die restliche Spielzeit von 33 Minuten unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Getafe fortgesetzt. Der FC Sevilla gewann.

Anfang Mai 2012 wurde in Rumänien das Derby zwischen CFR Cluj und Universitatea Cluj abgebrochen, da es auf dem Spielfeld zu einer Massenschlägerei zwischen Spielern und Betreuern beider Mannschaften gekommen war. Der Auslöser dafür war ein verwandelter Foulelfmeter von CFR-Spieler Cadu. Als dieser sich jubelnd abdrehte, brannten Universitatea-Torhüter Mircea Bornescu die Sicherungen durch. Er rannte Cadu hinterher und stieß ihn in den Rücken, woraufhin Cadu zu Boden fiel. Anschließend gingen die Spieler und Betreuer beider Mannschaften aufeinander los. Die Rangelei dauerte mehrere Minuten an. Das Spiel wird aller Voraussicht nach 3:0 für CFR Cluj gewertet. Die Mannschaft war nach der Rangelei in die Kabine abgezogen und nicht wieder angetreten, da die Sicherheit nicht mehr gewährleistet zu sein schien.

In den Niederlanden kam es im Dezember 2011 zu einem Spielabbruch. Beim Pokalspiel Ajax Amsterdam gegen den AZ Alkmaar rannte ein Ajax-Hooligan auf das Spielfeld und griff Alkmaar-Torhüter Esteban Brown an. Dieser wehrte sich und trat mehrfach auf den Hooligan ein. Der Schiedsrichter gab Brown die Rote Karte, die später aber vom niederländischen Verband annulliert wurde, da der Fan der Auslöser der Gewalt war. AZ-Trainer Geert Jan Verbeek holte sein Team vom Feld. Der Hooligan erhielt ein Stadionverbot von 30 Jahren und musste die Kosten für den Spielabbruch tragen. Das Spiel wurde in der Amsterdam-Arena wiederholt. Zutritt hatten nur Kinder. Erwachsene durften nur als Begleitpersonen für die Kinder mit ins Stadion kommen. Am Ende waren es gut 20 000 Menschen in der Arena, und die erlebten einen 3:2-Sieg von Alkmaar mit.

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