European Trophy : Eisbären Berlin besiegen Red Bull Salzburg 5:4

Für Don Jackson war das Spiel am Sonntagabend in Berlin ein ganz besonderes: Er nahm Abschied von seiner alten Mannschaft - und musste mit seinem neuen Team eine Niederlage kassieren.

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Schön war's - fast immer. Don Jackson als Trainer der Eisbären.
Schön war's - fast immer. Don Jackson als Trainer der Eisbären.Foto: dpa

Am Sonntagabend um kurz vor sieben schien es, als habe jemand den gesamten Wellblechpalast in eine Zeitmaschine gesteckt. Nach dem Ende des European-Trophy-Spiels der Eisbären gegen RB Salzburg stand Trainer Don Jackson auf dem Eis und animierte die feiernden Berliner Anhänger, die seinen Namen skandierten, mit ihm die Welle zu machen. Solche Szenen hatte es zuletzt im April gegeben, als Jackson mit den Fans die deutsche Eishockey-Meisterschaft gefeiert hatte.

Aber einen gravierenden Unterschied, der das Ganze so surreal erscheinen ließ, gab es: Diesmal war der 56-Jährige nur als Gast gekommen. Seit einigen Monaten trainiert er die Mannschaft aus Salzburg. „Sehr emotional“ sei die Rückkehr gewesen, sagte er nach dem Spiel, „denn es war für mich die Gelegenheit, ‚Auf Wiedersehen’ zu sagen.“

Die hatte er im April nicht gehabt. Da war er sich noch sicher, dass er in Berlin bleiben würde. „Ich bin ein Eisbär, so lange die Eisbären mich wollen“, hatte er auf dem Eis nach dem entscheidenden Finalspiel gegen die Kölner Haie verkündet. Doch das überlegte er sich dann anders: Salzburg, der Klub, der vom Red-Bull-Konzern finanziert wird, bot ihm im Sommer nicht nur viel Geld, sondern auch größere Gestaltungsmöglichkeiten. Dort kann er auch als Manager arbeiten.

Aber die Eisbären, mit denen er als Cheftrainer fünf Meisterschaften in sechs Jahren gewann, bedeuten ihm noch viel. „Ich möchte den Fans danken, die mich immer unterstützt haben. Das werde ich nie vergessen“, sagte er. Wie sehr ihn der verspätete Abschied bewegte, konnte er nicht verbergen: Selten war der oft verschlossen wirkende großgewachsene US-Amerikaner in der Öffentlichkeit so gelöst und emotional aufgetreten, wie nach dem Wiedersehen im Wellblechpalast.

Da waren die vorangegangenen sechzig Minuten nur noch Nebensache. In denen hatte er zusammen mit 3700 Zuschauern eine Partie erlebt, die intensiv und hart geführt wurde wie ein entscheidendes Play-Off-Spiel. Anfangs konnte Jackson noch gewohnt stoisch – eine Hand in der Hosentasche des akkuraten schwarzen Anzuges, die andere den Notizzettel haltend - verfolgen, wie seine Mannschaft eine 3:1-Führung herausspielte. Doch dann erzielten die Berliner Tor um Tor. Dass das Spiel den Salzburgern zu entgleiten drohte, war Jackson anzusehen – angespannt lief er hinter der Bande auf und ab, wies seine Spieler energisch brüllend auf ihre Fehler hin.  So hatte man Don Jackson selten in Berlin gesehen. Doch die neu gewonnen Agilität des Trainers nutze seinen Spielern nichts: Durch Tore von Darin Olver, Laurin Braun (2), Travis Mulock und Barry Tallackson siegten die Eisbären 5:4 (0:1, 2:2, 3:1). „Die bessere Mannschaft hat gewonnen“, sagt Jackson, fast mit Tränen in den Augen. Es war ihm anzumerken, dass er sich zusammenreißen musste, als die Rede wieder aufs Sportliche kam.



 

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